Bürgerbegehren-Initiator Hartmut Bach meldet sich zu Wort: „Die ÖPNV-Gespräche mit der Stadt laufen schlecht!“

Bürgerbegehren-Initiator Hartmut Bach meldet sich zu Wort: „Die ÖPNV-Gespräche mit der Stadt laufen schlecht!“
Das Foto zeigt Hartmut Bach, Dr. Ulrike Schneider und Ines Bender.

SCHWEINFURT – In den vergangenen Monaten war es um das Thema Bürgerbegehren und ÖPNV 2.0 relativ still geworden, da die weiteren Gespräche nicht durch zu frühe eigenmächtige Verlautbarungen gestört werden sollten. Nun meldet sich Initiator Hartmut Bach zu Wort.

„Die kürzlich veröffentlichte Presseinformation der Stadt, die nicht mit mir als Initiator und Verhandler abgestimmt war und die die kümmerlichen Verhandlungsergebnisse nur „vermarkten“ soll, veranlasst mich nun, als Hauptinitiator eigenständig Bilanz zu ziehen.“, schreibt Bach (auf dem Bild links neben Dr. Ulrike Schneider, Stadträtin der Initiative Zukunft/ÖDP, und Mitinitiatorin Ines Bender) in einer Stellungnahme.

Und weiter: „Die Verhandlungen mit Vertretern der Stadt und den Stadtwerken verlaufen in meinen Augen wenig konstruktiv, da die Verantwortlichen nach wie vor an der Vorstellung festhalten, das einzige Problem sei „mangelnde Kommunikation“ gewesen und man müsse das Ganze nur aussitzen. Die bislang erzielten Verbesserungen sind eher kosmetischer Natur und wenig weitreichend. Von der Leistungskraft und von der Kundenfreundlichkeit des alten Bussystems sind wir ähnlich weit entfernt wie am Anfang der Verhandlungen: viel weniger Busfahrten im Angebot, keine Änderung bei der Linienführung, lange Wartezeiten an Endhaltestellen wie der Eselshöhe West, starre Taktung mit Bussen, die zur gleichen Zeit in die gleiche Richtung fahren, die starken Linien Deutschhof/Mainberg/Schonungen nach wie vor ohne Haltestelle am Marktplatz etc. Die neueste Ausrede von Stadt und Stadtwerken, an den wirklichen Problemen nichts ändern zu wollen, ist der Verweis auf die Neubetrauung 2029 – Änderungen vorher machten keinen Sinn mehr. Als Initiator des Bürgerbegehrens und als Bürger fühle ich mich nach allen Regeln der Kunst über den Tisch gezogen!

Nun zu den Details: Die ganze Konzeption des neuen Bussystems ist in weiten Teilen ungeeignet. Das sture Festhalten an den Grundprinzipien (z. B. keine Kombi-Linien am Abend, wenig Sinn machende durchgehende Linien etc.) führt zu Ineffizienzen und wegen der notwendigen Kostenneutralität zur Streichung zahlreicher Fahrten, z. B. Bergl an Werktagen über 35 % der Fahrten gestrichen, gegenüber dem alten System.

Die drei Änderungen zum 18. Mai sind eher kosmetischer Natur und absolut unzureichend:

 Der zusätzliche eingesetzte Bus am Bergl dient nur dazu, die desolate Verspätungssituation an Werktagen und da auch nur am Nachmittag zu verbessern. Die drastische Ausdünnung des Fahrplans wird dadurch nicht rückgängig gemacht. Die von vielen Fahrgästen bemängelte Linienführung wird überhaupt nicht verbessert.

 Drei Fahrten näher am Alexander-vom-Humboldt-Gymnasium: kein Gewinn für reguläre Fahrgäste.

 „Verstärkte Bedienung Haltestelle Nord am Marktplatz“: Das klingt gut, betrifft aber nur die Linien Hambach und Silvana stadtauswärts. Die fahrgaststarken Linien Deutschhof und Schonungen/Hausen halten nach wie vor nur am Rusterberg in gehöriger Entfernung vom Marktplatz. Ein Aufenthalt an dieser Haltestelle ist den Fahrgästen wegen Lärm- und Abgasbelastung der Fahrzeuge vor der Ampel eigentlich kaum zuzumuten.

Keine Rede mehr ist von in dem Kompromiss ausgehandelten Punkten:

z. B. 45 min Linien, Bustreffen auch viertelstündlich, Tages- und Freizeitnetz, Taktverdichtungen, Verbesserung des Anschlusses an die Bahn etc.

Dabei wären die ausgehandelten Verbesserungen notwendig, um die schlimmsten Geburtsfehler des „Stadtbusnetzes 2.0“ zu heilen. Vom Nutzerkomfort des alten Systems ist man aber auch mit den Verbesserungen des Kompromisses weit entfernt.

Anders als von der Stadtverwaltung und Stadtwerke gesehen, ist die Ursache für die weiterhin schlechte Akzeptanz des neuen Bussystems nicht eine schlechte Kommunikation. Man war der irrigen Idee verfallen, dass es eine schweigende Mehrheit gäbe, die das „Stadtbusnetz 2.0“ eigentlich akzeptiert. Die hohe Unterschriftenanzahl beim Bürgerbegehren, sowie zahlreiche Gespräche mit den Busnutzern auch durch Politiker an Wahlkampfständen haben jedoch das genaue Gegenteil gezeigt.

Es ist aber nachvollziehbar am bequemsten, wenn man die Fahrgäste als „begriffsstutzig“ klassifiziert, denen man die Vorzüge des neuen Systems einfach nur oft genug erklären muss, bis diese endlich begreifen würden, welche Verbesserungen ihnen hier nun zuteilwürden.

Mein Fazit: Man verlagert die Ursache weg vom eigenen strukturellen Versagen hin zu einem „Kommunikationsproblem“.

Der Schaden ist angerichtet, man verwaltet diesen weg, will das Thema aussitzen, Beruhigungspillen verabreichen (Änderungen zum 18.05.) und am liebsten nicht mehr darüber sprechen. Einer der Verursacher des Desasters ist längst weitergezogen. Offensichtlich hat man aber wenigstes eines gelernt: In der Stellenausschreibung für die Nachbesetzung wird nun ausdrücklich ein abgeschlossenes Studium im Bereich Verkehrswesen, Betriebswirtschaft, Ingenieurwesen oder einer vergleichbaren Fachrichtung, sowie weitere umfangreiche Qualifikationen vorausgesetzt.

Da Teile des Stadtrats und der neue OB dieses Vorgehen offensichtlich gutheißen, behalte ich mir weitere Schritte vor“, schließt Hartmut Bach seine Pressemeldung.

1 Comment

  1. Eleonore Franzreb-Öztürk

    Bin ganz auf der Seite von Harmut Bach. Alle vorgenommenen Veränderungen sind mE nur kosmetischer Natur und sind weit weg von den getroffen Verabredungen und Vereinbarungen, die der alte Stadtrat beschlossen hat. Vom OB und den Stadtwerken wird nun ein häppchenweise geänderter Fahrplan vorgelegt, nur das die Mehrheit der unzufriedenen Busnutzer ruhig gehalten wird. Meines Erachtens gehört hier ein zweiter Anlauf für ein erneutes Bürgerbegehren gestartet.

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