Halbzeit im Kernkraftwerk-Rückbau: Grafenrheinfeld schafft Raum für die Zukunft

Halbzeit im Kernkraftwerk-Rückbau: Grafenrheinfeld schafft Raum für die Zukunft

GRAFENRHEINFELD – Am Mittwochabend lud PreussenElektra Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kommunen, Behörden und der Region zum Kraftwerksgespräch ins Kernkraftwerk Grafenrheinfeld.

Anlagenleiter Bernd Kaiser und Finanzgeschäftsführer Daniel Oehr informierten über den aktuellen Rückbaufortschritt sowie über Perspektiven für eine mögliche Nachnutzung des Standorts.

In seinem Vortrag würdigte Daniel Oehr die Transformation der PreussenElektra: In ihrem 10-jährigen Bestehen habe sich das Unternehmen erfolgreich vom Stromerzeuger-Weltmeister zum Playmaker im Rückbau entwickelt. Zugleich warb Oehr für eine stärkere Beschleunigung von Rückbauverfahren bei unverändert hohen Sicherheitsstandards. Mit Blick auf die Zeit nach dem Rückbau betonte er die Bedeutung einer frühzeitigen Standortentwicklung. Ehemalige Kraftwerksstandorte könnten künftig eine wichtige Rolle für Zukunftstechnologien wie künstliche Intelligenz, Batteriespeicher oder Kernfusion spielen. Ziel sei es, nicht nur den Rückbau erfolgreich abzuschließen, sondern die Standorte langfristig für neue wirtschaftliche Impulse, Arbeitsplätze und Wertschöpfung in den Regionen nutzbar zu machen. „Wir wollen, dass sich neue Zukunftsperspektiven für PreussenElektra und unsere Standorte entwickeln. Dafür setzen wir auf eine verlässliche Zusammenarbeit mit der Politik und den Institutionen vor Ort“, betonte Oehr.

Im Rahmen des Kraftwerksgesprächs informierte er außerdem über bevorstehende Veränderungen in der Geschäftsführung und in der Leitung des Standorts Grafenrheinfeld: Mit Wirkung zum 1. Januar 2027 werden Daniel Oehr und Bernd Kaiser die Geschäftsführung der PreussenElektra übernehmen. Der derzeitige Vorsitzende der Geschäftsführung Guido Knott und sein Geschäftsführungskollege Michael Bongartz verabschieden sich zum Jahresende 2026 in den Ruhestand. Neben dem Finanzressort wird Daniel Oehr zusätzlich die Funktionen Arbeitsdirektor und Sprecher der Geschäftsführung übernehmen. Bernd Kaiser, Leiter des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld, wechselt bereits zum 01.11.2026 in die Geschäftsführung und übernimmt ab Januar 2027 von Michael Bongartz das Ressort Stilllegung & Rückbau. Zusätzlich wird er für die Bereiche Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie IT verantwortlich sein. Als neuer Leiter der Anlage Grafenrheinfeld wurde Markus Burger benannt. Sein Stellvertreter ist Steffen Pretscher.

In seinem anschließenden Vortrag blickte Bernd Kaiser zurück auf die Rückbaufortschritte, die seit dem letzten Kraftwerksgespräch im Jahr 2023 erreicht wurden. Zu den wichtigsten Meilensteinen zählen die Demontage des Reaktordruckbehälters, der Druckhalter, der Hauptkühlmittelpumpen und der Materialschleuse sowie der Dampferzeuger. Ein auch äußerlich sichtbares Highlight war der Sprengabbruch der Kühltürme im August 2024. „Im Kernkraftwerk Grafenrheinfeld haben wir inzwischen die Halbzeit des Rückbaus erreicht – sowohl zeitlich als auch bezogen auf die bereits zurückgebaute Masse. Damit beginnt die zweite Hälfte unseres Rückbauwegs, in der die Freigabe von Flächen und Räumen zunehmend in den Mittelpunkt rückt“, erklärte Kaiser.

Ergänzend dazu gab der designierte Kraftwerksleiter Markus Burger einen Ausblick auf die kommenden Rückbauarbeiten: Als größtes Projekt nannte er die Gebäudedekontamination und -freigabe, in deren Rahmen insgesamt rund 180.000 Quadratmeter Fläche gemessen und bewertet werden müssen. Der Abtransport der Dampferzeuger, die sich aktuell noch auf dem Kraftwerksgelände befinden, ist für Frühjahr 2027 geplant. Mitte nächsten Jahres soll dann die Demontage des Biologischen Schilds beendet sein, was gleichzeitig den Abschluss der Großprojekte darstellt. Darüber hinaus soll laut Plan das Notstandsgebäude abgebrochen und mit dem Bau eines neuen Zugangsgebäudes zum Kontrollbereich begonnen werden.

Auf dem Bild von links: Bernd Kaiser, Markus Burger und Daniel Oehr

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