„Menschen mit Behinderung werden Forschende“: Stadt unterstützt Kooperation mit Uni und drei Förderschulen

„Menschen mit Behinderung werden Forschende“: Stadt unterstützt Kooperation mit Uni und drei Förderschulen

WÜRZBURG – Jedes Kind, ob mit oder ohne Behinderung, will spielen. Spielen ist ein Bestandteil menschlicher Entwicklung, es fördert soziale, kreative und motorische Kompetenzen. Spielplätze bieten hierfür Erfahrungsräume, aber nicht alle Spielplätze sind für alle Kinder geeignet.

Die Stadt Würzburg ist im Rahmen des kommunalen Aktionsplans Inklusion seit 2014 stetig um Inklusion bemüht – in allen Bereichen des Lebens. Das Schul- und Sozialreferat wie das Umwelt- und Klimareferat unterstützen daher eine Masterarbeit, angesiedelt am Lehrstuhl für Pädagogik bei Geistiger Behinderung an der Julius-Maximilians-Universität. Diese führt zum ersten Mal eine empirische Feldforschung mit Schülerinnen und Schülern der drei Förderschulen Christophorus-Schule, Hans-Schöbel-Schule und Graf-zu-Bentheim-Schule an Spielplätzen durch.

Klassen bzw. Gruppen der Förderschulen besuchen in den kommenden Monaten ausgewählte Spielplätze im Würzburger Stadtgebiet und lassen an Hand eines Fragebogens ihre Eindrücke und Erfahrungen aus erster Hand in die Masterarbeit einfließen. Dieser partizipative Forschungsansatz ist bisher einzigartig. „Menschen mit Behinderung werden Forschende“, umreißt Dr. Christiane Reuter, die am Lehrstuhl für Pädagogik bei Geistiger Behinderung tätig ist. Masterstudent Elias Mogschan hat sich mit seiner Arbeit zum Ziel gesetzt, eine Übersicht und Bestandaufnahme über inklusive Spielplätze in Würzburg auszuarbeiten, um Familien die Orientierung zu erleichtern und die Teilhabe von Kindern zu fördern.

Sand, Kies und Kanten

Start des Projekts war am Wasserspielplatz im LGS-Gelände von 1990, einer der beliebtesten und meist besuchten Spielplätze im Stadtgebiet. Ben, Schüler der Hans-Schöbel-Schule, nutzt einen Rollstuhl und analysiert dort sehr deutlich: „Ich kann mit meinem Rollstuhl wegen des Motors nicht auf Sand fahren, der Bodenbelag auf diesem Spielplatz mit Sand und Kieselsteinen ist daher nicht gut. Auch der Berg ist steil, Kanten mit Begrenzungssteinen bilden Hürden und wenn man diese Kanten nicht sieht, weil sie eingesandet sind, kann der Rollstuhl kippen.“ Was Ben im Übrigen auf einem anderen Spielplatz schon einmal passiert ist…. Die schlechte Überwindbarkeit einer Stufe, die in den Pavillon führt; die geschlossene Rondellbank, die Rollstuhlfahrende ausschließt; das Wasserspiel, das Sehbehinderte nur mit Hilfe erreichen; die Schaukel, die viel zu schmal und zu niedrig für größere Kinder ist: „Es war sehr schön zu beobachten, dass es zu Interaktion mit anderen Schulklassen kam und die Kinder unserer Gruppen haben viel gesehen“, wertet Elias Mogschan, „aber sie haben auch vieles entdeckt, das man besser machen kann.“ Denn Barrierefreiheit umfasst mehr als Rollstuhlzugänglichkeit und schließt zum Beispiel Orientierungshilfen, reizarme Bereiche, Beschattung oder vielfältig nutzbare Spielgeräte mit ein. Bürgermeisterin Dr. Sandra Vorlová, deren Referat das für die Spielplatzgestaltung zuständige Gartenamt angehört, und Sozialreferentin Eva von Vietinghoff-Scheel ist der neue, partizipative Ansatz wichtig, der der Forschung zugrunde liegt: „Die Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Behinderungen äußern auch unterschiedliche Wünsche. Es können manchmal nur Kleinigkeiten, die zu verbessern sind, aber es ist ein großer Gewinn, mit anderen Augen zu sehen.“

Auf den Bildern: Ben vor einer nicht zu überwindenden Hürde am Wasserspielplatz.

Sind gespannt auf die Ergebnisse der Spielplatzbewertung durch Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Behinderungen: v.li: Sozialreferentin Eva von Vietinghoff-Scheel, Dr. Christiane Reuter, Elias Mogschan, Bürgermeisterin Dr. Sandra Vorlová.

Student Elias Mogschan und Dr. Christiane Reuter (beide Uni Würzburg) zeigen den Fragebogen, den die Schülerinnen und Schüler der drei Förderschulen bei der Begehung der Spielplätze ausfüllen.

Fotos: Claudia Lother

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