MAINFRANKEN – Markus Schön, der ehemalige Vorstandsvorsitzende und CEO der buero.de-Gruppe, meldet sich nun zur abermaligen Insolvenz der Galeria-Warenhauskette zu Wort.
2022 und 2023 hatte sich die damals von ihm geführte buero.de-Gruppe mit zwischenzeitlich rund 1.000 Mitarbeitenden bemüht, Teile von Galeria zu übernehmen. Nach dem Ende der Verschwiegenheit hatte Schön dem Nachrichtenportal t-online ein größeres Interview gegeben.
https://www.t-online.de/finanzen/aktuelles/wirtschaft/id_101024284/galeria-rettung-haette-investor-dutzende-filialen-uebernehmen-koennen-.html
Nun kommt es zu einer neuerlichen Insolvenz der Warenhauskette. Dazu hat Markus Schön einen LinkedIn-Post geschrieben.
Neben den dortigen Einschätzungen „ist Galeria ein Symbol für den deutschen Niedergang: Solange sich Geldgeber finden, funktioniert jedes rückwärtsgewandtes Geschäftsmodell. Deswegen ist die Insolvenz eine Chance, endlich – auch innenstädtisch – neu zu denken“, so Schön, der sich seit Mai diesen Jahres auf Vermögensverwaltung und sein „Multi-Unternehmertum“ konzentriert.
Auf LinkedIn schreibt Markus Schön:
„Es ist überraschend…
Nicht die Nachricht über eine neuerliche Insolvenz von GALERIA überrascht mich, sondern wie lange das Unternehmen durchgehalten hat.
2022 und 2023 hatte ich bei bzw. vor der jeweiligen Insolvenz – damals als buero.de-CEO – sehr tiefen Einblick. Mit Mauritius Kloft von t-online hatte ich zum Jahreswechsel 2026 – nach Ablauf der Verschwiegenheitsvereinbarung – in einem Interview ausführlich gesprochen.
2022 „verbrannte“ der Warenhauskonzern monatlich ungefähr 120 Mio. Euro… pro Monat. 4 Mio. Euro jeden Kalendertag…
Aber damals war das Geld nicht weg. Es floss an Vermieter, die teilweise in extrem verschachtelten Konstruktionen in Steuerparadiesen zu finden waren.
Weshalb der deutsche Staat dies damals mit Hunderten von Millionen Euro gestützt hat, verstehe ich bis heute nicht.
Diese cash-burn-ratio scheint man – zumindest über den Sommer 2026 – halbiert zu haben. Vielleicht zahlt man nicht mehr so aberwitzige Beträge an Vermieter.
Aber 2 Mio. Euro jeden Tag bleibt eine Summe, bei der die Insolvenz der einzig richtige Schritt ist.
Für die phantastischen Mitarbeitenden bei Galeria, von denen ich viele kennenlernen durfte, tut es mir leid.
Aber man muss es aussprechen: Dies sollte nun das Ende sein.
Selbst eine neuerliche Schließung von 30 Warenhäusern ist kein Gesundschrumpfen; es ist ein weiteres Sterben auf Raten.
Um ein Einkaufserlebnis zu schaffen, wie es teilweise in Frankreich, Spanien oder UK mit ähnlichen Konzepten funktioniert, braucht man 2 Mrd. Euro Investitionen in dann noch rund 50 Kaufhäuser.
Damit sich dies rechnet und zukunftsfähig ist, muss danach jedes Haus mindestens 1 Mrd. Euro Umsatz pro Jahr machen.
Das ist nicht realistisch.
Deswegen braucht es einen harten Cut – leider.
In einer normalen Wirtschaftssituation würde ich mir um die Mitarbeitenden keine große Sorgen machen: Menschen von Galeria sind meist extrem gut ausgebildet, stressstabil, engagiert und loyal. Jedes Unternehmen kann sich freuen, solche Beschäftigte für sich zu gewinnen.
Für die Städte ist es eine Chance, Innenstädte neu zu denken. Hier gibt es viele gute und zukunftsorientierte Konzepte, die den Wegfall eines ja ohnehin weniger relevanten Innenstadt-Ankers kompensieren können.
Deswegen muss leider nun auch für GALERIA gelten: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“

