WÜRZBURG – Spirituell, experimentell, aktuell: Die „Nacht der offenen Kirchen“ lockt jedes Jahr tausende von Menschen in die Kirchen in der Würzburger Innenstadt. Bei der 19. Auflage am Freitag, 2. Oktober, laden Kirchen und Kirchenräume unter dem Motto „Treffen Sie Gott und die Welt…“ zu Musik, Licht, Andacht, Diskussion, Begegnung, Kunst und Genuss ein.
Das Programm listet insgesamt 22 Veranstaltungsorte auf. Die Stärke der Kirchennacht liegt in ihrer Vielfalt, sagen die Koordinatorinnen Gemeindereferentin Alexandra Eck, Referentin für citypastorale Projekte im Urbanen Raum Würzburg, und Pfarrerin Tanja Vincent, Koordination Evangelische Innenstadtarbeit im Evangelisch-Lutherischen Dekanat Würzburg. Auch in diesem Jahr gibt es Neues zu entdecken. Erstmals laden die Russisch-Orthodoxe Kirchengemeinde und die Vineyard-Gemeinde in ihre Räume ein. Neu ist zudem ein Infostand vor der Dominfo auf dem Domvorplatz.
Die Idee zum Infostand basiert auf Erfahrungen der vergangenen Jahre. Oft hätten im Laufe der Nacht Besucherinnen und Besucher etwa gefragt, wo es beispielsweise jetzt gerade noch Musik gebe, erzählt Vincent. Am Infostand bekommen sie ab 18.30 Uhr, also noch vor Beginn der „Nacht der offenen Kirchen“, bis 22 Uhr Informationen zu den Angeboten, Hilfe bei der Suche nach einem bestimmten Kirchenraum sowie Antworten auf Fragen rund um die Kirchennacht. Programmhefte gibt es natürlich auch.
Die Russisch-Orthodoxe Kirchengemeinde und die Vineyard-Gemeinde waren bislang in anderen Kirchen zu Gast. Diesmal bieten sie jeweils ein eigenes Programm in der je eigenen Kirche in der Zeller Straße 45 beziehungsweise Beethovenstraße 2 an. So kann man bei der Russisch-Orthodoxen Gemeinde einen Vespergottesdienst feiern, die Ikonen-Kunst kennenlernen oder orthodoxen Gesängen lauschen. Die Vineyard-Gemeinde lädt von 19 bis 22 Uhr zu „Worship, Fürbitte und Gebet“ ein.
Musik spielt in fast allen Kirchen eine große Rolle. In der Deutschhauskirche singt etwa der Gospelchor „Troubadour“, in Sankt Johannis erklingt festliche Orgel- und Bläsermusik mit dem Blechbläserquartett der Musikschule Würzburg, und im Kiliansdom heißt es unter anderem „Power reloaded“ mit Luther Power Brass. In der Mutterhauskirche der Erlöserschwestern werden gleich vier Konzerte unter dem Leitwort „Vom Klang der Seele“ angeboten. Im Neumünster laden das Geschwister-Trio Netrval mit der Band „Lumika“ und der Frauenchor „TonArt“ aus Stetten zum Zuhören und Mitsingen ein. Die Nacht mit Musik ausklingen lassen kann man etwa bei einer musikalischen Abendandacht in der Marienkapelle oder einem Evensong in Sankt Peter und Paul.
Auch Veranstaltungen zu aktuellen gesellschaftlichen Themen sind traditionell Teil der Kirchennacht. So lädt die Deutschhauskirche zu einem sogenannten World-Café zum Thema Einsamkeit. Das sei in dieser Form neu, sagt Vincent: Interessierte können sich an einen von drei „Gesprächstischen“ setzen und über Aspekte diskutieren, die vom jeweiligen Moderator oder Moderatorin vorgegeben werden. Im Neumünster wird ein Podiumsgespräch mit dem Titel „Raum – Region – Ratlosigkeit?“ angeboten. Vor dem Hintergrund immer größerer Seelsorgeeinheiten und schwindender Ressourcen geht es um Fragen wie: Wie bleibt Kirche vor Ort präsent? Welche Rollen spielen Ehrenamt und Ökumene? In der Christuskirche erfährt man bei einem Podium, warum in der methodistischen Gemeinde Würzburg seit 2022 auch queere Paare kirchlich getraut werden. In Sankt Peter und Paul befasst sich ein Vortrag mit der Enzyklika von Papst Leo XIV. zur Künstlichen Intelligenz.
Das sind nur einige Auszüge aus dem Programm. Für alle, die sich von der Vielfalt der Angebote zunächst überfordert fühlen, haben Eck und Vincent Tipps. „Fragen Sie sich: Was würde mir heute Abend guttun?“, rät Vincent. Das könne Musik sein oder die Diskussion mit anderen Menschen. Wer ein wenig abenteuerlustig ist, folgt dem Tipp von Eck: „Würzburg hat so viele Kirchen. Vielleicht ist eine darunter, die man noch nicht kennt. Und dann einfach hingehen und sich vom Programm überraschen lassen.“
Wer viel unterwegs ist, braucht eine Stärkung. Die findet man zum Beispiel in der „Genusskirche“ im Burkardushaus. Auch das „Café Mares“ der Erlöserschwestern ist geöffnet. Kleine Erfrischungen findet man unter anderem in Sankt Burkard, in der Christuskirche, der Deutschhauskirche und Sankt Martin.
Die „Nacht der offenen Kirchen“ endet um 23 Uhr mit dem Abschlussgebet und dem ökumenischen Segen auf dem Marktplatz vor der Marienkapelle. Mit welchem Gefühl sollen die Menschen dann wieder nach Hause gehen? „Für jene, die in der Kirche engagiert sind, wünsche ich mir, dass sie Bestärkung finden und erleben, wie bunt Kirche ist und wie viele sich engagieren“, sagt Eck. „Für die anderen würde es mich freuen, wenn Kirche sie überraschen und das eine oder andere Vorurteil aufbrechen könnte.“ Vincent packt es in drei Sätze: „Dass Sie überrascht sind von dem, was Sie finden. Dass Sie glücklich sind mit dem, was Sie erleben. Dass Sie sich freuen, gemeinsam mit anderen einen schönen Abend in Würzburg zu verleben.“
Das Programmheft zur „Nacht der offenen Kirchen“ liegt in der Dominfo, Domstraße 40, sowie in allen beteiligten Kirchen aus. Wer lieber papierlos unterwegs ist, findet auf den Plakaten einen QR-Code. Weitere Informationen zu Angeboten, Veranstaltungszeiten sowie eventuelle Programmänderungen im Internet (https://www.kirchennacht-wuerzburg.de/) und auf Instagram (https://www.facebook.com/kirchennacht.wuerzburg).
sti (POW)
Auf den Fotos:
© Kerstin Schmeiser-Weiß (POW) | Freuen sich auf die 19. Auflage der „Nacht der offenen Kirchen“: Gemeindereferentin Alexandra Eck (links) und Pfarrerin Tanja Vincent.
© Paul Frigger (POW) | Musik spielt traditionell eine große Rolle. Das Bild entstand beim Konzert der Band „Lumika“ im Neumünster im vergangenen Jahr.
© Paul Frigger (POW) | Die „Nacht der offenen Kirchen“ lockt jährlich viele tausend Menschen in die Würzburger Innenstadt. Das Foto mit der „Bauwagenkirche“ auf dem Markplatz entstand im vergangenen Jahr.



