Fraktionsübergreifender Antrag für Medienpädagogik und Kinder- und Jugendschutz in Würzburg

Fraktionsübergreifender Antrag für Medienpädagogik und Kinder- und Jugendschutz in Würzburg
Foto: ChatGPT / künstliche Intelligenz

WÜRZBURG – Die Stadtratsfraktionen Die Linke Würzburg Mainfranken, die Grünen und SPD/Volt sowie die Stadträtinnen Judith Roth und Hülya Düber beantragen gemeinsam die Einrichtung von zweier neuen Teilzeitstellen zur Stärkung der Medienpädagogik und des Kinder- und Jugendschutzes in Würzburg.

Konkret sollen eine 70-Prozent-Stelle in der Erziehungsberatung mit dem Schwerpunkt Medienpädagogik sowie eine 50-Prozent-Stelle für Kinder- und Jugendmedienschutz geschaffen werden. Ziel ist es, Kinder, Jugendliche, Eltern und Fachkräfte im Umgang mit den Herausforderungen digitaler Lebenswelten besser zu unterstützen und bestehende Präventions- und Schutzstrukturen nachhaltig auszubauen.

Luise Haberland erklärt: „Kinder und Jugendliche wachsen heute selbstverständlich mit Social Media, Online-Plattformen und einem großen digitalen Angebot auf. Die Chancen sind groß, aber es nehmen auch die Risiken für ihre Entwicklung und ihre psychische Gesundheit deutlich zu, was viele Familien vor große Belastungen stellt. Deshalb braucht es kommunale Strukturen, die präventiv arbeiten und Familien frühzeitig beraten und unterstützen. Wir stehen noch ziemlich am Anfang der digitalen Entwicklung, was uns jetzt zum Handeln zwingen muss.“

Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen intensiver Nutzung von Social Media und psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig verbringen junge Menschen heute durchschnittlich mehrere Stunden täglich in diesen Netzwerken. Studien weisen darauf hin, dass inzwischen mehr als jedes fünfte Kind beziehungsweise jeder fünfte Jugendliche ein riskantes Nutzungsverhalten zeigt.

Diese Entwicklungen machen sich auch in Würzburg bemerkbar. Schulen, Kindertageseinrichtungen, Einrichtungen der Jugendhilfe sowie die Erziehungsberatungsstellen berichten seit Jahren von einem steigenden Beratungsbedarf. Themen wie Cybermobbing, exzessive Mediennutzung, problematische Online-Inhalte, problematische Vorbilder und Einflüsse oder digitale Konflikte beschäftigen zunehmend Familien und pädagogische Fachkräfte.

Die geplante Stelle in der Erziehungsberatung soll insbesondere Eltern dabei unterstützen, mit ihren Kindern einen guten Umgang mit der digitalen Welt zu erarbeiten und auf ihre Folgen aufmerksam machen. Neben den klassischen Aufgaben der Erziehungsberatung wird sie Beratung zum Medienkonsum im Kindesalter anbieten, über digitale Risiken aufklären und Fachkräfte sowie freie Träger begleiten. Durch die enge Vernetzung mit anderen Akteur:innen sollen Präventionsangebote gezielt und stetig weiterentwickelt werden.

Die zweite Stelle soll den Kinder- und Jugendmedienschutz stärken. Neben Präventionsarbeit und Beratung gehören die Entwicklung von Schutzkonzepten, die Durchführung von Schulungen, die Unterstützung freier Träger sowie die Koordination bestehender Angebote in Würzburg zu ihren Aufgaben. Dadurch sollen gesetzliche Anforderungen im Kinder- und Jugendschutz dauerhaft erfüllt und bestehende Angebote besser miteinander vernetzt werden.

„Prävention ist eine der wirksamsten und gleichzeitig wirtschaftlichsten Formen kommunaler Jugendpolitik. Jeder Euro, der frühzeitig in Beratung, Medienkompetenz und Schutz investiert wird, verhindert spätere Belastungen für Kinder, Familien und das Hilfesystem. Wir wollen Spätfolgen in der psychischen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen vermeiden und keine Verbote aufweisen“, betont Ramona Wild.

Die Antragsteller:innen betonen ausdrücklich, dass die neuen Stellen bestehende Projekte nicht ersetzen oder mit ihnen konkurrieren sollen. Vielmehr sollen sie vorhandene Angebote wie beispielsweise die medienpädagogische Arbeit des Stadtjugendrings oder der Stadtbücherei sinnvoll ergänzen, koordinieren und dort unterstützen, wo bislang strukturelle Lücken bestehen.

Die Linke verweist zudem darauf, dass Medienkompetenz auch eine Frage sozialer Gerechtigkeit ist: „Der Richtige Umgang mit Medien darf keine Frage des Einkommens oder Bildungsgrades der Eltern sein. Jedes Kind und Jugendliche sollten den gleichen Zugang und Unterstützung zum sinnvollen Einsatz von Medien bekommen.“ Gute Medienpädagogik leistet deshalb einen wichtigen Beitrag zu Chancengleichheit und gesellschaftlicher Teilhabe.

Finanziert werden sollen die beiden Stellen durch die Einsparungen, die sich aus der Reduzierung der Aufwendungen für das Amt des dritten ehrenamtlichen Bürgermeisters ergeben. Damit wird aus Sicht der Antragsteller eine nachhaltige und solide Gegenfinanzierung sichergestellt, denn wir wollten auch sichergehen, dass das Geld sinnvoll Kindern und Jugendlichen zu Gute kommt und weiterhin im Jugendbereich verortet ist.

Mit dem gemeinsamen Antrag setzen Die Linke, Die Grünen, SPD/Volt sowie Judith Roth und Hülya Düber ein deutliches Zeichen für eine moderne und präventive Kinder- und Jugendpolitik in Würzburg.

Anna-Maria Dürr drückt deutlich aus, dass: „Wer Kinder und Jugendliche wirksam schützen will, muss heute handeln. Medienpädagogik, Beratung und Kinder- und Jugendschutz sind keine freiwilligen Zusatzangebote, sondern eine Investition in die Zukunft unserer Stadt. Wie die digitale Welt sich unter anderem in Würzburg auswirken kann, hat sich vor kurzem erst in der Innenstadt beispielhaft gezeigt und das sind nur die Folgen, die in der Öffentlichkeit sichtbar werden. Der Schutz muss auch zu Hause sichergestellt sein.“

Foto: ChatGPT / künstliche Intelligenz

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