MAINFRANKEN – Auf der Grundlage des „Alarmplans Main – Gewässerökologie“ löst die Regierung von Unterfranken aufgrund hoher Wassertemperaturen die Warnstufe „Warnung“ für den Meldebereich 1, von der Landesgrenze nach Hessen bei Kahl (Main-km 66,6) bis Würzburg (Main-km 252,3) aus.
Der Meldebereich 2 von Würzburg Richtung Bamberg (Flusskilometer 252,3 bis 384,2) befindet sich noch im Normalzustand. Sauerstoffwerte und Wassermenge (Abfluss) sind im gesamten Main bislang unkritisch.
Heiße Tage und warme Nächte lassen den Main nicht mehr abkühlen. Das gilt vor allem im Großraum Würzburg/Erlabrunn//Kitzingen, wirkt sich aber nun auf den gesamten unteren Main aus. Seit dem 16. Juni 2026 ist die Wassertemperatur innerhalb von 6 Tagen von milden ca. 20 °C im 3-Stundenmittel auf 26,4 °C im 3-Stundenmittel am 22. Juni angestiegen, Die Tendenz ist weiter steigend. Im weiteren Verlauf ist der Main noch nicht ganz so stark erwärmt, aber auch die Messstation in Kahl am Main zeigt zunehmend höhere Werte und der Schwellenwert für die Warnstufe „Warnung“ von 26 °C im 3-Stunden-Mittel wird in Kürze auch dort erreicht.
Positiv dabei ist, dass sich der Sauerstoffgehalt noch im unkritischen Bereich befindet, weil durch die starke Sonneneinstrahlung reichlich Algen wachsen und dabei Sauerstoff produzieren. Sollte es aber noch heißer werden, können diese Algen absterben und Sauerstoffzehrung verursachen, sodass es relativ schnell zu sehr kritischen Situationen kommen kann. Nach den Wetterprognosen zum Wochenende sollen in Unterfranken und vor allem im Großraum Würzburg/Erlabrunn//Kitzingen fast 40°C erreicht werden, so dass sich der Main vor allem in diesem Abschnitt sehr wahrscheinlich weiter aufheizen wird. Die Situation muss daher engmaschig beobachtet werden.
Maßnahmen der Warnstufe „Warnung“
Die Kreisverwaltungsbehörden wurden bereits gebeten, die Direkteinleiter (Kläranlagen und Industriebetriebe) zu verständigen, damit diese sensibilisiert werden, ihre Betriebsweise entsprechend auf die Situation am Main einzustellen, falls sich kritische Situationen dort weiter verschärfen.
Nach den Vorgaben des Alarmplans sind Schlammräumungen und Baggern im Main schon jetzt zu unterlassen, soweit sie nicht zwingend zur Aufrechterhaltung der Sicherheit und der Leichtigkeit des Verkehrs auf der Bundeswasserstraße notwendig sind. Denn durch das Aufwirbeln von Sediment gelangen organische Nährstoffe ins Wasser, die zu Sauerstoffzehrung und Trübung führen. Außerbetriebnahmen (auch teilweise) von Kläranlagen für Revisionsarbeiten sind nicht mehr zulässig. Sollten auch die Sauerstoffwerte die im Alarmplan festgelegten Schwellenwerte unterschreiten, wird am Kraftwerk Kleinostheim durch die Uniper Kraftwerke GmbH in Absprache mit der Regierung von Unterfranken und dem Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg die Wehrbelüftung oder Turbinenbelüftung eingeschaltet, um die Sauerstoffsättigung des Mainwassers lokal zu verbessern.
Was ist der Alarmplan Main Gewässerökologie?
Der Alarmplan Main Gewässerökologie ist ein präventiv und sensibilisierend wirkender Warnplan, der die Kennwerte Wassertemperatur, Sauerstoffgehalt an den Messstationen in Trunstadt, Erlabrunn und Kahl am Main sowie den Abfluss am Pegel Trunstadt berücksichtigt und in drei Warnstufen eingeteilt ist:
„Vorwarnung“, wenn der Main nach der Oberflächengewässerverordnung im nicht mehr guten Zustand ist;
„Warnung“, wenn die Bedingungen im Main für Tiere und Pflanzen zunehmend physiologischen Stress verursachen;
„Alarm“, wenn die Bedingungen so viel Stress verursachen, dass es für Lebewesen im Main kritisch werden kann, diese zu überstehen;
Dabei sind Schwellenwerte für alle Kennwerte je nach Meldebereich und Warnstufe hinterlegt. Für die „Vorwarnung“ und „Warnung“ genügt es, wenn ein Kennwert über- oder unterschritten wird und diese Über- oder Unterschreitung nicht nur vorübergehend erfolgt. Bei der Warnstufe „Alarm“ entscheidet ein Expertengremium aus Vertretern der Regierung und der zuständigen Wasserwirtschaftsämter über die Ausrufung und Entwarnung.
Welche ökologischen Auswirkungen bewirkt der Stress in Bach und Fluss?
Allgemein können hohe Wassertemperaturen, ein niedriger Sauerstoffgehalt oder hohe Schadstoffkonzentration durch verminderte Abflüsse bei Wasserlebewesen zu erheblichen physiologischen Stressreaktionen führen. Zu den wichtigsten Auswirkungen zählen:
Sauerstoffmangel (Hypoxie): Mit steigender Temperatur sinkt die physikalische Löslichkeit von Sauerstoff im Wasser. Gleichzeitig steigt der Stoffwechselbedarf bei den Tieren. Dies zwingt z. B. Fische dazu an der Wasseroberfläche nach Luft zu „schnappen“ oder macht sie, wie auch die meisten Kleinlebewesen (z.B. Insektenlarven, Kleinkrebse) u.a. apathisch bis sie schließlich absterben.
Erhöhter Stress und Herz-Kreislauf-Belastung: Fische und Kleinlebewesen sind wechselwarm. Wärmeres Wasser beschleunigt ihre Atmung und Herzfrequenz, was den Energie- und Sauerstoffverbrauch massiv erhöht.
Schwächung des Immunsystems: Der physiologische Stress schwächt die Abwehrkräfte der Fische. Dies macht sie extrem anfällig für bakterielle Infektionen, Parasiten und Pilzerkrankungen.
Ausfall der Fortpflanzung: Viele heimische Arten von Fischen und Kleinlebewesen benötigen exakte Temperaturbereiche, um abzulaichen und sich zu entwickeln. Extreme Hitze oder Sauerstoffmangel können den Laichvorgang verhindern oder zum Absterben des Laichs und der Jungbrut führen. Arten können dabei sogar verschwinden.
Heimische Tierarten von Kleinlebewesen und Fischen kommen mit den erhöhten Wassertemperaturen oft viel weniger gut zurecht, wie eingewanderte Arten, die vor allem aus den unteren Bereichen der Donau stammen und den Main zunehmend bevölkern. Dabei verschwinden immer mehr heimische Arten zugunsten der sog. Neozoen (= neue Tiere) und die Biodiversität geht zurück.
Hohe Wassertemperaturen begünstigen die Ausbreitung von Cyanobakterien. Es entstehen sog. Blaualgenblüte, wenn genügend Nährstoffe im Wasser vorhanden sind. Manche Arten davon sind giftig und belasten das Wasser zusätzlich. Ist die Belastung zu hoch, sollte man darin nicht mehr baden oder schwimmen.
Jeder kann etwas tun
Alle Bürgerinnen und Bürger bitten wir zu beachten, dass die Lebewesen im Main durch die hohen Wassertemperaturen zunehmend unter Stress stehen. Bei hohen Temperaturen brauchen die Tiere mehr Sauerstoff und Ruhe, um diese Zeit zu überleben. Somit kann jeder, der den Main zu Freizeitaktivitäten nutzt, einen Beitrag leisten, indem an der Wasseroberfläche nach Luft schnappende Fische nicht unnötig durch z.B. schnell fahrende Boote gestört und Tiere nicht unnötig aufschreckt werden. Wichtig ist zudem, schattige Uferunterstände als Refugium für Tiere nicht zu stören und das Aufwirbeln von Sediment und Schlamm zu vermeiden. Daraus resultierende Sauerstoffdefizite bewirken bei Tieren zum Teil enorme Schäden bis hin zum Absterben.
Weitere Informationen
Weitere Informationen zum Alarmplan Main, den verschiedenen Warnstufen (mit Schwellenwertangaben) und den damit verbundenen Maßnahmen sind im Internet unter:
Alarmplan Main – Gewässerökologie – Regierung von Unterfranken abrufbar.
Aktuelle Informationen zur Gewässerqualität und zur Wassertemperatur am Main finden Interessierte auch im Niedrigwasser-Informationsdienst des Freistaates Bayern unter: http://www.nid.bayern.de/ (siehe insbesondere dort unter „Gewässerqualität/Alarmplan Main“).

