SCHWEINFURT – Stefan Labus, Stadtrat der Freien Wähler im Schweinfurter Rathaus, hat an Oberbürgermeister Ralf Hofmann den Antrag gestellt, in Schweinfurt für ein ambulantes Long-COVID-Zentrum zu sorgen.
Hier dieser Antrag im Wortlaut:
Einrichtung eines ambulanten Long-COVID-Zentrums für die Region Schweinfurt prüfen und umsetzen
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Hofmann,
die Freie-Wähler-Fraktion beantragt, die Einrichtung eines ambulanten Long-COVID-Zentrums – verstanden als wohnortnahe, niederschwellige Anlaufstelle „in der Fläche“ und nicht als wissenschaftliches Spezial- oder Forschungszentrum – für die Region Schweinfurt zu prüfen und gemeinsam mit dem Leopoldina-Krankenhaus, dem Josef-Krankenhaus sowie weiteren geeigneten medizinischen und therapeutischen Einrichtungen umzusetzen.
Begründung:
Eine wohnortnahe und qualitativ hochwertige medizinische Versorgung ist ein wesentlicher Bestandteil der Lebensqualität in unserer Stadt. Hierfür sind leistungsfähige Gesundheitsstrukturen und eine enge Zusammenarbeit der regionalen Versorgungseinrichtungen von großer Bedeutung.
Mit dem Leopoldina-Krankenhaus und dem Josef-Krankenhaus verfügt Schweinfurt über zwei starke Krankenhausstandorte mit unterschiedlichen, sich ergänzenden Schwerpunkten. Während das Josef-Krankenhaus insbesondere über Kompetenzen in der Altersmedizin, der ambulanten Versorgung und der patientennahen Betreuung verfügt, bietet das Leopoldina-Krankenhaus als Krankenhaus der Maximalversorgung moderne Medizintechnik sowie hochspezialisierte Fachabteilungen. Gemeinsam bestehen damit hervorragende Voraussetzungen für innovative Versorgungsangebote in der Region.
Besonderen Handlungsbedarf sehen wir bei der Versorgung von Menschen mit Long COVID. Auch Jahre nach der Corona-Pandemie leiden zahlreiche Betroffene weiterhin unter erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen wie chronischer Erschöpfung, Atembeschwerden, Konzentrationsstörungen oder weiteren Symptomen, die den Alltag und die berufliche Teilhabe deutlich beeinträchtigen können.
Allein in Unterfranken sind nach vorliegenden regionalen Schätzungen mehrere Tausend Menschen betroffen; die der Fraktion bekannten Zahlen gehen von über 4.100 Patientinnen und Patienten aus.
Viele Patientinnen und Patienten berichten von langen Wartezeiten, fehlenden Anlaufstellen und einer unzureichenden Koordination der notwendigen Behandlungsangebote. Ein ambulantes Long-COVID-Zentrum könnte hier einen wichtigen Beitrag leisten, indem es Diagnostik, Beratung und Therapieangebote bündelt sowie eine koordinierte Weitervermittlung an spezialisierte Fachbereiche ermöglicht.
Bestehende Versorgungsstrukturen für Long- und Post-COVID.
Für die Versorgung von Long- und Post-COVID bestehen inzwischen klare Rahmenvorgaben. Auf Bundesebene regelt die Long-COVID-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), die seit dem 9. Mai 2024 in Kraft ist und deren Leistungen seit dem 1. Januar 2025 von den gesetzlichen Krankenkassen vergütet werden, eine koordinierte, berufsgruppenübergreifende Versorgung.
Sie sieht eine ärztliche Ansprechperson – in der Regel die Hausärztin oder den Hausarzt – als „Lotsen“ vor, der ein standardisiertes Basisassessment durchführt sowie Diagnostik, Therapie und Weitervermittlung koordiniert. Fachärztinnen und Fachärzte übernehmen die weiterführende Behandlung; erst auf einer dritten Stufe stehen spezialisierte interdisziplinäre Ambulanzen für besonders schwer oder komplex Betroffene zur Verfügung.
In Bayern greifen mehrere Versorgungsstränge ineinander: Post-COVID-Ambulanzen wurden an den Universitätskliniken sowie an einzelnen weiteren Krankenhäusern und Instituten eingerichtet und sind ausdrücklich für besonders komplexe Fälle vorgesehen. Hinzu kommen die ambulante und stationäre Rehabilitation, Selbsthilfeangebote und eine bundesweite Vernetzungsstelle.
Mit zwei „Förderinitiativen Post-COVID-Syndrom“ (2021 sowie „2.0“ seit 2023, mit einem Volumen von jeweils rund fünf Millionen Euro und einer Laufzeit bis Ende 2026) erprobt der Freistaat zudem innovative Versorgungsmodelle – ausdrücklich auch für den ländlichen Raum. Ein Beispiel aus der Region ist das vom Universitätsklinikum Würzburg geleitete Projekt POSCOR, das über Telemedizin die Zusammenarbeit von Hausarztpraxen und Rehabilitationskliniken – unter Einbindung von fünf Reha-Kliniken in Unterfranken – verbessern soll.
Warum die Versorgung an wissenschaftlichen Zentren allein nicht ausreicht:
Diese Strukturen sind wertvoll, decken den Bedarf in der Breite jedoch nicht ab. Die Post-COVID-Ambulanzen sind überwiegend an wissenschaftlichen Zentren und Universitätskliniken – etwa in Würzburg – angesiedelt und ihrem Auftrag nach auf die hochkomplexe Diagnostik und Behandlung schwerer Fälle, auf Forschung sowie auf die Entwicklung von Versorgungsmodellen ausgerichtet.
Ihre Kapazitäten sind begrenzt, die Wartezeiten lang und ihr Einzugsgebiet ist groß. Für viele Betroffene aus Stadt und Landkreis Schweinfurt sind sie räumlich entfernt und nur schwer zugänglich.
Das bundesrechtliche Modell setzt zugleich auf die hausärztliche Lotsenfunktion. In der Fläche fehlt jedoch vielerorts eine klar erkennbare, niederschwellige Anlaufstelle, die Diagnostik, Beratung, Therapiekoordination und Weitervermittlung bündelt und die Hausärztinnen und Hausärzte spürbar entlastet. Genau hier setzen die geschilderten Probleme an – lange Wartezeiten, fehlende Anlaufstellen und eine unzureichende Koordination.
Es geht der Fraktion ausdrücklich nicht um wissenschaftliche Begleitung oder hochkomplexe Spezialbehandlung; diese ist an den Universitätskliniken gut aufgehoben und soll dort verbleiben. Es geht darum, dass der konkrete Versorgungsbedarf und die Belange der Bevölkerung wohnortnah gedeckt werden und das Anliegen nicht mit einem bloßen Verweis auf wissenschaftliche Zentren abgetan wird.
Eine regionale ambulante Anlaufstelle in Schweinfurt soll die Lücke zwischen der hausärztlichen Ebene und der universitären Spezialambulanz schließen – als erreichbare, koordinierende Struktur in der Fläche.
Eine solche Anlaufstelle würde Diagnostik, Beratung und Therapieangebote bündeln, Betroffene verlässlich durch das Versorgungssystem führen und – soweit erforderlich – an die spezialisierten Fachbereiche und universitären Ambulanzen weitervermitteln.
Ziel muss es sein, Betroffenen in der Region Schweinfurt einen klaren Zugang zu medizinischer und therapeutischer Unterstützung zu bieten.
Schweinfurt verfügt über engagierte medizinische Einrichtungen, qualifizierte Fachkräfte und die notwendigen strukturellen Voraussetzungen, um in diesem Bereich eine Vorreiterrolle in der Region einzunehmen. Diese Potenziale sollten genutzt werden.
Beschlussvorschlag:
Die Stadtverwaltung wird beauftragt,
- gemeinsam mit dem Leopoldina-Krankenhaus, dem Josef-Krankenhaus sowie weiteren relevanten Akteuren die Einrichtung eines ambulanten Long-COVID-Zentrums als wohnortnahe, niederschwellige Anlaufstelle in der Fläche – in Ergänzung zu den bestehenden Strukturen und nicht als wissenschaftliches Spezial- oder Forschungszentrum – für die Region Schweinfurt zu prüfen,
- ein Konzept für eine zentrale ambulante Anlaufstelle für Long-COVID-Betroffene zu erarbeiten, das die hausärztliche Lotsenfunktion nach der G-BA-Long-COVID-Richtlinie sowie bestehende Reha- und Selbsthilfeangebote einbindet und die Versorgungslücke zwischen hausärztlicher Ebene und universitärer Spezialambulanz schließt,
- mögliche Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten auf kommunaler, Landes-, Bundes- und europäischer Ebene zu identifizieren – insbesondere die bayerische Förderinitiative Post-COVID-Syndrom, die kassenfinanzierten Leistungen nach der G-BA-Richtlinie sowie eine mögliche Anbindung an Projekte wie POSCOR – und dabei das Gespräch mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, den Krankenkassen, der Deutschen Rentenversicherung und dem Universitätsklinikum Würzburg zu suchen, um Doppelstrukturen zu vermeiden und
- dem Stadtrat über die Ergebnisse der Prüfung, eine Abschätzung des regionalen Versorgungsbedarfs sowie über mögliche Umsetzungsschritte zu berichten.
Foto: ChatGPT / künstliche Intelligenz

