EBERN IM LANDKREIS HASSBERGE – Im ehemaligen Eberner Krankenhausgebäude, das ansonsten weitgehend leersteht, bestehen im Erdgeschoss derzeit drei MVZ (Medizinische Versorgungszentren): Orthopädie/Chirurgie, Innere Medizin und Gynäkologie.
Sie gehören zu den Haßberg-Kliniken, einem Kommunalunternehmen des Landkreises Haßberge. Das Krankenhaus Ebern wurde Ende 2025 geschlossen, seither ist Haßfurt der einzige Klinikstandort des Verbunds.
Im Kommunalwahlkampf 2026 versichern die drei Bürgermeisterkandidaten in Ebern, sie wollten sich für den Erhalt der MVZ starkmachen: Harald Pascher (FDP) und Jürgen Hennemann (SPD) betonen übereinstimmend, die ambulante medizinische Versorgung sichern und möglichst ausbauen zu wollen. Isabell Zimmer (CSU) gibt sich zwar bedeckt, doch trägt sie als Klinik-Verwaltungsrätin die neue Ausrichtung mit. Aber, hinter diesem Versprechen stehen strukturelle Grenzen, finanzielle Risiken – und politische Eigenverantwortung.
Sowohl die Klinikgesellschaft als auch ihre MVZ gelten als defizitär. Diese Verluste landen letztlich im Kreishaushalt. Und genau dort sitzen die drei Bürgermeisterkandidaten – als Kreisräte. Wer im Wahlkampf den Ausbau fordert, entscheidet also letztlich selbst über die Finanzierung.
Ausbau? Realistisch ist nur ein HNO-Sitz
Die Spielräume sind begrenzt. Facharztsitze werden von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) gesteuert. Für Ebern kommt nach aktueller Bedarfsplanung lediglich ein HNO-Sitz in Frage.
Dass dieses Szenario konkreter wird, zeigt eine aktuelle Entwicklung: Vertreter der KVB waren kürzlich in Ebern, um mögliche Praxisräume zu besichtigen. Unterstützt wurde die Suche vom Quartiersmanagement, das die Altstadt beleben soll. Besichtigt wurden sowohl Räume im ehemaligen Krankenhaus als auch Objekte in der Altstadt. Ergebnisse gibt es noch nicht.
Auffällig ist jedoch: Dass mehrere Altstadt-Immobilien geprüft wurden, spricht eher für eine eigenständige Niederlassung als für eine Integration ins bestehende MVZ-System. Denn die Fachrichtung HNO existiert am Krankenhaus in Haßfurt nicht. Ein neues MVZ-Fachgebiet ohne stationäre Anbindung würde kaum zum bisherigen „Einweiser-MVZ“-Konzept passen.
Einweiser-MVZ oder eigenständige Praxis?
Die bestehenden MVZ erfüllen neben der ambulanten Versorgung eine strategische Funktion: Als „Einweiser-MVZ“ stabilisieren sie den Klinikstandort Haßfurt, indem sie Patienten weitervermitteln. Ein zusätzliches Fachgebiet ohne Bezug zum Krankenhaus würde diese Logik brechen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein möglicher HNO-Arzt als niedergelassener Facharzt startet – und nicht als Teil der MVZ der Haßberg-Kliniken – erscheint daher größer. Das würde zwar die Versorgung verbessern, hätte aber mit dem „Ausbau“ des kommunalen MVZ nur indirekt zu tun.
Erhalt kostet – und ist politisch genehmigungspflichtig
Den Erhalt der bestehenden MVZ zu sichern, bedeutet vor allem eines: Defizite auszugleichen. Dafür braucht es die Zustimmung der Regierung von Unterfranken und die Bereitschaft des Kreistags Haßberge, weiter Mittel bereitzustellen. Beides ist keine Selbstverständlichkeit.
Ein Blick in andere Landkreise zeigt, wie angespannt die Lage ist. Kommunale MVZ gelten vielerorts als Zuschussbetriebe. Gleichzeitig stehen Krankenhäuser bundesweit unter Reformdruck. Sollte der Krankenhausstandort Haßfurt durch die Krankenhausreform ins Wanken geraten, wären auch die Eberner MVZ betroffen. Sie hängen organisatorisch und wirtschaftlich am Mutterhaus.
Wahlkampf trifft Haushaltsrealität
Die Forderung nach „Erhalt und Ausbau“ klingt eindeutig. Die Umsetzung ist es nicht. Realistisch ist derzeit allenfalls ein zusätzlicher HNO-Sitz – und selbst dieser dürfte eher außerhalb der MVZ-Struktur entstehen. Der Bestand der bestehenden Einrichtungen wiederum hängt an politischen Mehrheiten, Genehmigungen und der finanziellen Leistungsfähigkeit des Landkreises.
Seit der Schließung des Krankenhauses ist das MVZ einer der letzten medizinischen Ankerpunkte in Ebern. Wie tragfähig dieser Anker ist, entscheidet sich weniger auf Wahlplakaten als in Haushaltsdebatten und Strukturreformen.
Bild (KI): Ebern Magazin

