HALLSTADT BEI BAMBERG – „Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt, ist es besser, viel besser als man glaubt.“ Eine Liebeserklärung an Bochum, doch die Grönemeyer-Tributeband gleichen Namens stammt nicht aus NRW, sondern ist zutiefst im Frankenland verwurzelt.
Der Impuls kam aus Bad Steben, hat mit Wolfersgrün und Hummendorf, der Fränkischen Schweiz, Litzendorf, Altenkunstadt, Würzburg und Hallstadt sowie der Partyband „Radspitz“ zu tun. Für die Auflösung dieses fränkischen Gedanken- und (Land-) Kartenspiels sorgt ein Interview mit dem Mann, der „Bochum“ ins Leben rief: Klaus Pfreundner (59), vielen Musikfreunden als Frontmann und Mastermind von „Radspitz“ bekannt, die seit Jahrzehnten die Tanz- und Konzertsäle in Nordbayern (und darüber hinaus) aufmischen.
Klaus erzählt, wie es zum Bochum-Projekt kam, mit dem er am Sonntag, 8. März, um 19 Uhr im Kulturboden zu erleben ist und wie seine Liebe zu Grönemeyer mit einer Enttäuschung in der Kordigasthalle zu Altenkunstadt begann.
Frage: Hallo Klaus, wo erwische ich dich gerade am Telefon – in Bochum?
Klaus Pfreundner: (lacht) Nein, in Bindlach, geht zwar auch mit B an, liegt aber in der Nähe von Bayreuth, wo ich seit zwei Jahren wohne. Eigentlich stamme ich aus Seibelsdorf, lebte in Hummendorf und hatte ein Studio in Weißenbrunn bei Kronach. Wir haben unser neues Projekt Bochum genannt, weil Herbert Grönemeyer aus Bochum kommt und mit dem gleichnamigen Album den Durchbruch schaffte.
Wie viel Radspitz steckt in dem Tribute-Projekt?
KP.: Das hat mit Radspitz eigentlich gar nix zu tun. Das sind komplett andere Musiker. Es gibt eigentlich nur eine Gemeinsamkeit, das bin ich, der Sänger. Aber meine Bandkollegen kommen auch alle aus Franken, der Pottensteiner Gegend in der Fränkischen Schweiz und einer aus dem Würzburger Raum.
Wie kam es zu diesem neuen Projekt nach 45 Jahren Radspitz?
KP.: Die Idee stammt aus dem Herbst 2024. Den Impuls gab ein guter Freund, Udo Braunersreuther, ein großer Grönemeyer-Fan. Der hat mich zum x-ten Mal darauf angesprochen, dass ich doch mal so einen Grönemeyer-Abend gestalten solle, weil wir mit Radspitz auch immer wieder aktuelle Grönemeyer-Hits im Programm hatten. Und nun hielt ich die Zeit für gekommen und 2025 begann ich mit der neuen Formation die Proben für einen Premieren-Abend in der Spielbank in Bad Steben, der beim Publikum super angekommen ist. Eigentlich bin ich bei Tribute-Bands vorsichtig, weil das eine andere Herangehensweise ist, da man das sehr gut machen muss. Mit Radspitz haben wir zwar auch Grönemeyer gespielt, aber es ist etwas anderes, zwei, drei Titel als Coverband im Programm zu haben, oder eine Show für einen ganzen Abend zu gestalten.
Und wie ging’s weiter?
KP.: Ich hab‘ mal mit meinem Bamberger Freund aus Radspitz-Express-Zeiten, Peter Hahner, in Litzendorf als Duo gespielt, und danach mit Wolfgang Heyder zusammengesessen. Dabei kam das Bochum-Projekt zur Sprache. Da waren wir noch mitten in der Probenphase. Und Wolfgang bat mich, ein bisschen Material zu schicken, wenn’s so weit ist. Und jetzt sind wir ihm mega dankbar, dass wir in so einer renommierten Location wie dem Kulturboden auftreten dürfen.
Woher kommt Deine Affinität zu Herbert Grönemeyer?
KP.: Die ersten Songs von ihm haben wir hin und wieder mit Radspitz gespielt und punkteten damit bei den Besuchern. An den Reaktionen des Publikums habe ich gemerkt, dass da etwas Besonderes ist. Ich habe relativ die gleiche Stimmlage und ein ähnliches Timbre. Von der Mensch-Platte habe ich „Der Weg“ allein am Klavier gesungen, was für ein besonderes Feedback sorgte.
Hast Du ihn persönlich schon getroffen?
KP.: Nein, aber einige Konzerte von ihm besucht. Dabei war ich nach dem ersten erstmal enttäuscht. Das war in der Kordigasthalle in Altenkunstadt (im Juni 1986), das war so laut und ich habe kaum verstanden, was er da singt. Und er erzählt ja auch selbst, dass ihn sein Plattenfirma-Boss wie auch sein Produzent Edo Zanki immer wieder gebeten hatten, deutlicher zu singen und zum Teil auch Neuaufnahmen oder -Abmischungen folgten. Danach habe ich ihn in Stuttgart und mal im Osten gesehen und dann hat’s mich gepackt. Ich mag ihn einfach, seine Art, wie er sich so kumpelhaft auf der Bühne gibt und mit den Leuten interagiert. Er steht für eine menschliche Art und bestimmte Haltung, in die ich mich hineinversetzen kann.
Das Projekt startet nun ja erst, was machst Du sonst noch?
KP.: Ich bin Vollblut- und Berufsmusiker. Ich habe Musik studiert, lebe davon, komponiere Filmmusik, habe ein Tonstudio, fungiere als Produzent und schreibe auch Titel für andere Musiker. Aber besonders freue ich mich auf den 8. März und den Kulturboden, wo wir zeigen wollen, was wir draufhaben und dass das Projekt lebt. Und einen Traum bzw. ein Ziel verfolge ich ganz persönlich dabei: Ich möchte zu gerne einmal in der Zeche in Bochum, diesem Kultsaal Grönemeyers, auftreten.
Interview: Ralf Kestel, Foto: Lukas Stumpf
Karten für die Veranstaltung gibt es auf www.kartenkiosk-bamberg.de, telefonisch unter 0951-23837 sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

