SCHWEINFURT / GRAFENRHEINFELD – Wie kann die Bauwirtschaft wertvolle Rohstoffe schonen, CO₂-Emissionen reduzieren und zugleich die regionale Versorgung mit hochwertigen Baustoffen sichern? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines fachlichen Austauschs im „Kompetenzzentrum für Recyclingbaustoffe“ der Unternehmensgruppe Glöckle in Grafenrheinfeld.
Zu Gast waren Dr. Anja Weisgerber, Mitglied des Deutschen Bundestages und direkt gewählte Abgeordnete für den Wahlkreis Schweinfurt, sowie Dr. Andreas Lenz, Mitglied des Deutschen Bundestages und wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Begleitet wurde der Termin von Prof. Dr. Jan Schmitt, Vizepräsident für Forschung und Transfer an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS).
„Die Bauwirtschaft steht vor der Aufgabe, Ressourcenschonung, Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit miteinander zu verbinden. Genau hier setzen wir mit unserem Kompetenzzentrum an“, erklärt Carolin Glöckle, Geschäftsführerin der Unternehmensgruppe Glöckle. „Gerade für unsere Region ist es entscheidend, vorhandene Rohstoffe verantwortungsvoll zu nutzen, Transportwege zu verkürzen und Innovationen aus der Praxis heraus voranzutreiben.“
In Deutschland fallen jährlich rund 215 Millionen Tonnen Abbruchmaterial an. Davon wird aber nur ein geringer Anteil in der Beton-Herstellung verwertet. Wie Wirtschaft, Politik und Wissenschaft diese Lücke schließen können, war eine Kernfrage des Gesprächs.
„Unser Anspruch ist es, nicht nur über Nachhaltigkeit zu sprechen, sondern die dafür notwendigen technischen und organisatorischen Voraussetzungen konkret zu schaffen“, so Carolin Glöckle. „Dafür brauchen wir den Schulterschluss von Baupraxis, Wissenschaft und Politik. Der heutige Austausch zeigt, dass regionale Unternehmen einen wichtigen Beitrag leisten können, wenn die Rahmenbedingungen Innovation, Kreislaufwirtschaft und verlässliche Baustoffversorgung sinnvoll zusammenführen.“
Prof. Dr. Jan Schmitt erläuterte im Rahmen des Besuchs das gemeinsame Forschungsprojekt von Glöckle und THWS am Standort Grafenrheinfeld. Dabei geht es um intelligentes Baumaterialrecycling als Baustein regionaler und zirkulärer Wertschöpfungsnetzwerke. Ziel des Projekts ist es, mineralische Baustoffe mithilfe von Sensorik, künstlicher Intelligenz und angepasster Anlagentechnik prozesssicherer aufzubereiten und hochwertig wieder in der Betonherstellung einzusetzen. Die Projektunterlagen beschreiben unter anderem KI-Module zur Fremdstoffdetektion, zur Feuchte- und Partikelgrößenbestimmung im Durchlauf sowie zur datengetriebenen Rezepturoptimierung.
Das „Kompetenzzentrum für Recyclingbaustoffe“ versteht sich als regionales Kompetenz- und Netzwerkzentrum für nachhaltiges Bauen. Neben der Forschung und Entwicklung werden dort mineralische Baustoffe aufbereitet qualitätsgesichert und wieder in den Stoffkreislauf zurückgeführt. Damit leistet das Zentrum einen wichtigen Beitrag zur Schonung natürlicher Ressourcen, zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und zur Stärkung regionaler Wertschöpfung.
Die Verbindung aus wissenschaftlicher Expertise und industrieller Praxis ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Während die THWS die methodischen Grundlagen und die wissenschaftliche Begleitung des Forschungsprojekts einbringt, bildet Glöckle die großtechnische Anwendung im Recyclingkompetenzzentrum ab. So entsteht ein praxisnaher Ansatz, der Forschung, Qualitätssicherung, Normungsfragen und konkrete Bauanwendung miteinander verbindet.
Dr. Anja Weisgerber hatte bereits bei ihrem vorangegangenen Besuch im Mai dieses Jahres hervorgehoben, dass das Kompetenzzentrum ein Signal für nachhaltiges Bauen, regionale Wertschöpfung und gelebte Innovationskraft in der Region Schweinfurt sei. Um das Thema auch weiter auf Bundesebene voranzutreiben, wurde sie beim aktuellen Termin von Dr. Andreas Lenz begleitet.
„Bauabfälle wiederzuverwerten ist ökologisch sinnvoll, klimapolitisch notwendig und wirtschaftlich vernünftig“, betonte Anja Weisgerber. Mit dem Baustoffkompetenzzentrum bringe die Firma Glöckle moderne Bauwirtschaft und verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen zukunftsweisend zusammen. „Besonders beeindruckt mich, dass Abbruchmaterial der Kühltürme des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld als Recycling-Baustoff für den neuen SuedLink-Konverter im benachbarten Bergrheinfeld verwendet wurde. Das ist ein Musterbeispiel an regionaler Kreislaufwirtschaft mit kurzen Wegen“, so Weisgerber.
„Ich bin sehr beeindruckt vom Knowhow der Firma Glöckle, gerade Innovationen bei der Kreislaufwirtschaft könnten auch bundesweit Anwendung finden. Die Zusammenarbeit mit der THWS zeigt im besten Sinne, wie angewandte Wissenschaft mit den Unternehmen vor Ort kooperieren können und so innovative und nachhaltige Ansätze auch in die Umsetzung bringen“, betonte Andreas Lenz.
Mit Blick auf die weitere Entwicklung sehen die Unternehmensgruppe Glöckle und die THWS im intelligenten Baumaterialrecycling einen wichtigen Baustein für zukunftsfähiges Bauen. Die Projektunterlagen empfehlen unter anderem die Förderung regionaler Pilot-Wertschöpfungsnetzwerke, die Stärkung digitaler Materialdatenstandards, die stärkere Berücksichtigung von Recyclingbeton im öffentlichen Bau sowie den erleichterten Zugang kleiner und mittlerer Unternehmen zu KI-Methoden.
Der Besuch unterstreicht die Bedeutung eines offenen, fachlich fundierten Dialogs zwischen Politik, Wissenschaft und mittelständischer Bauwirtschaft. Für die Unternehmensgruppe Glöckle ist das Kompetenzzentrum für Recyclingbaustoffe ein wichtiger Schritt, um nachhaltiges Bauen in Schweinfurt und der Region weiter voranzubringen, Primärrohstoffe gezielt zu schonen und regionale Wertschöpfungsketten zu stärken.
Über die Unternehmensgruppe Glöckle
Die Unternehmensgruppe Glöckle ist ein regional verwurzeltes Bau- und Immobilienunternehmen mit Sitz in Schweinfurt. Mit dem Kompetenzzentrum für Recyclingbaustoffe am Standort Grafenrheinfeld bündelt das Unternehmen Erfahrung in der Aufbereitung mineralischer Baustoffe, Qualitätssicherung und praktischer Anwendung von Recyclingbaustoffen. Ziel ist es, nachhaltige Baustoffkreisläufe in der Region zu stärken und den Einsatz von Recyclingmaterialien im Hoch- und Tiefbau weiter zu erhöhen.
Auf dem Bild von links: Felix Beltermann, Carolin Glöckle (beide Unternehmensgruppe Glöckle), Dr. Anja Weisgerber und Dr. Andreas Lenz (beide MdB); Bildquelle: Berenike Geibel / Unternehmensgruppe Glöckle

