HERZOGENAURACH / SCHWEINFURT – Aufgrund der aktuellen Ereignisse bei der Schaeffler AG spricht die Bundestagsabgeordnete Agnes Conrad, Sprecherin der Linken-Fraktion für die Automobilindustrie, von einem Angriff auf die Existenz tausender Beschäftigter.
„2.660 Stellen sollen bei Schaeffler in Deutschland wegfallen, auch der Sondermaschinenbau in Schweinfurt ist betroffen. Der Coup: das letzte Stellenabbauprogramm ist noch nicht einmal beendet. Das ist kein „Ergebnisverbesserungsprogramm“, sondern ein Angriff auf die Existenz tausender Beschäftigter und eine Gefährdung für Industrieregionen.
Die Arbeitgeberseite zeigt einmal mehr ihre Respektlosigkeit gegenüber den Menschen, die ihre Gewinne erwirtschaftet und sich seit Jahren für einen sozialen Wandel einsetzt.
Die Bundesregierung muss endlich einen Zukunftsplan für die Autozulieferer vorlegen und öffentliche Unterstützung an verbindliche Zusagen für Standorte und Arbeitsplätze knüpfen. Wirtschaftsministerin Reiche lässt den Industriestandort Deutschland ausbluten, statt den Umbau aktiv zu gestalten.
Die Linke fordert einen Rettungsschirm von 20 Milliarden Euro jährlich für die Automobil- und Zulieferindustrie. Der Schaeffler-Vorstand muss gemeinsam mit Betriebsräten und IG Metall für alle betroffenen Standorte offenlegen, wie Kündigungen vermieden und Beschäftigte für neue Aufgaben qualifiziert werden sollen.“
MdB Weisgerber und MdL Gießübel: Erneuter Stellenabbau bei Schaeffler überrascht sehr
Mit Verwunderung und Sorge reagieren die Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber und die Landtagsabgeordnete Martina Gießübel (beide CSU) auf die Ankündigung des Schaeffler-Konzerns, europaweit weitere 3.460 Arbeitsplätze abzubauen, davon rund 2.660 in Deutschland. Auch Schweinfurt ist betroffen, kommt nach Informationen aus der Unternehmensleitung jedoch deutlich glimpflicher davon als andere Standorte.
„Erst vor wenigen Wochen hat Schaeffler den weitgehenden Abschluss des 2024 angekündigten Stellenabbaus gemeldet. Dass jetzt bereits ein weiteres umfangreiches Programm folgt, überrascht uns sehr. Jeder Arbeitsplatz, der in unserer Region verloren geht, schmerzt“, erklärt Anja Weisgerber.
In Schweinfurt betreffen die neuen Maßnahmen insbesondere den Sondermaschinenbau. Nach Angaben der Unternehmensleitung haben verbesserte politische Rahmenbedingungen und die Unterstützung der industriellen Transformation durch den Freistaat Bayern dazu beigetragen, die Auswirkungen auf den Standort zu begrenzen.
„Wir haben mit der Verbesserung der Rahmenbedingungen und der Transformationsförderung wichtige Weichen gestellt. Der Freistaat unterstützt die Region. Das zeigt Wirkung, auch wenn wir damit die strukturellen Probleme der Automobilindustrie nicht vollständig ausgleichen können“, betont Gießübel.
Der Rückgang der Nachfrage nach Verbrenner- und Hybridtechnologien, Überkapazitäten und der internationale Kostendruck zwingen die Zulieferindustrie zu weiteren Anpassungen. Schaeffler will mit dem Maßnahmenpaket seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern.
„Mit der Einführung des Industriestrompreises, der Beschleunigung von Verfahren und der Wiedereinführung der Förderung der Elektromobilität haben wir bereits wichtige Weichen gestellt. Jetzt müssen wir bei den Reformen weiter vorankommen. Dazu gehört insbesondere die Reform unserer Sozialsysteme, um die Lohnnebenkosten zu senken und industriellen Arbeitsplätzen in Deutschland eine Zukunft zu sichern“, fordert Weisgerber.
Schweinfurt bleibt nach Angaben der Unternehmensleitung einer der zentralen Standorte des Schaeffler-Konzerns. Darin sehen die beiden Abgeordneten trotz der schmerzhaften Einschnitte eine positive Perspektive.
„Die notwendigen Anpassungen müssen sozialverträglich erfolgen. Gleichzeitig kommt es darauf an, den Standort Schweinfurt durch Investitionen in neue zukunftsfähige Technologien und die Entwicklung neuer Geschäftsfelder langfristig zu stärken. Wenn die jetzigen Maßnahmen dazu beitragen, den Standort zukunftsfest aufzustellen, ist das bei aller Sorge um die betroffenen Beschäftigten ein wichtiges Signal“, erklären die Abgeordneten übereinstimmend.

