Konjunkturanalyse der Handwerkskammer für Unterfranken: Steigende Kosten drücken die Stimmung

Konjunkturanalyse der Handwerkskammer für Unterfranken: Steigende Kosten drücken die Stimmung
Foto: Kira Papenfuß

UNTERFRANKEN – 78,7 % der in der Konjunkturumfrage der Handwerkskammer für Unterfranken befragten Handwerksbetriebe bewerten ihre Geschäftslage im 3. Quartal 2026 als gut oder befriedigend. Das sind 1,4 Prozentpunkte weniger als im Vorquartal und 5,4 Prozentpunkte weniger als im Vorjahresquartal.

Die Stimmung wird vor allem durch deutlich gestiegene Einkaufspreise getrübt: Fast zwei Drittel der Betriebe berichten von Preissteigerungen im Einkauf. Für das 4. Quartal erwarten 76,2 % der Unternehmen eine gleichbleibende oder sich verbessernde Geschäftslage.

Der leichte Aufwärtstrend des Frühjahrs hat sich im Sommer nicht fortgesetzt. Nachdem die Zufriedenheitswerte im 2. Quartal 2026 noch auf 80,1 % geklettert waren, gaben sie im 3. Quartal um 1,4 Prozentpunkte auf 78,7 % nach. Im Vergleich zum Vorjahresquartal (84,1 %) hat sich die Lücke sogar auf 5,4 Prozentpunkte vergrößert. „Die Reformvorhaben der Bundesregierung wären ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung – müssen jetzt aber schnell und in Gänze umgesetzt werden. Die deutsche Wirtschaft wächst zwar, irgendwo zwischen Künstlicher Intelligenz und Exportstatistik. In den Auftragsbüchern unserer Betriebe findet man das Wachstum jedenfalls nicht“, sagt Ludwig Paul, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken.

Preisdruck als zentrale Belastung

Ein wesentlicher Treiber der gedämpften Stimmung ist die Preisentwicklung im Einkauf: 61,9 % der befragten Betriebe meldeten gestiegene Einkaufspreise – ein Wert, der mit 44,2 % im Vorjahresquartal noch deutlich niedriger lag. Zugleich können die Betriebe die Kostensteigerungen nur begrenzt an ihre Kunden weitergeben: Lediglich 28,7 % berichteten von gestiegenen Verkaufspreisen. „Das frisst die Margen unserer Betriebe auf“, so Ludwig Paul.

Auftragslage und Kapazitäten rückläufig

Die Auftragsreichweite ist im 3. Quartal auf 10,9 Wochen gesunken – nach 12,0 Wochen im 2. Quartal und 11,5 Wochen im Vorjahresquartal. Die Kapazitätsauslastung liegt mit 73,6 % ebenfalls unter dem Vorjahreswert von 77,4 %. Zudem berichten 34,3 % der Betriebe von gesunkenen Auftragseingängen, nur 14,9 % verzeichnen einen Anstieg. „Die Zahlen zeigen: Die Betriebe arbeiten ihre Bestände ab, aber Neuaufträge bleiben hinter den Erwartungen zurück“, erklärt der Hauptgeschäftsführer.

Bau- und Ausbaugewerbe weiterhin Konjunkturmotor – mit Kratzern

Das Bauhaupt- und Ausbaugewerbe bleibt der stärkste Wirtschaftsbereich im unterfränkischen Handwerk. Im Ausbaugewerbe bezeichnen 85,9 % der Betriebe ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend. Im Bauhauptgewerbe sind es 78,7 %. Allerdings liegen beide Werte unter dem Vorjahresniveau, als das Baugewerbe insgesamt noch 87,9 % erreichte. Besonders auffällig: Im Bauhauptgewerbe erwarten 33,3 % der Unternehmen für das 4. Quartal eine Verschlechterung der Geschäftslage – der höchste Pessimismus-Wert aller Handwerksgruppen. „Das Baugewerbe ist weiterhin der Motor unserer Handwerkswirtschaft, aber er läuft nicht mehr rund. Wenn dieser Bereich ins Stottern gerät, hat das Auswirkungen auf die gesamte Region“, warnt Ludwig Paul.

Regionaler Vergleich

Spitzenreiter bleibt die Region Würzburg (Stadt und Landkreis Würzburg, Main-Spessart und Kitzingen) mit 83,0 % an zufriedenen Betrieben, gefolgt von der Region Bayerischer Untermain (Stadt und Landkreis Aschaffenburg, Miltenberg) mit 77,8 % und der Region Main-Rhön (Stadt und Landkreis Schweinfurt, Haßberge, Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld) mit 75,4 %. Während die Region Untermain sich gegenüber dem Vorquartal um 2,3 Prozentpunkte verbessern konnte, verzeichnet Main-Rhön einen Rückgang um 4,6 Prozentpunkte. „Die regionale Spreizung nimmt zu. Gerade in Main-Rhön müssen wir genauer hinschauen, was die Betriebe dort besonders belastet“, so der Hauptgeschäftsführer.

Blick ins 4. Quartal

Für das 4. Quartal erwarten 76,2 % der unterfränkischen Handwerksunternehmen eine gleichbleibende oder sich verbessernde Geschäftslage. Das ist ein Minus von 3,7 Prozentpunkten gegenüber den Erwartungen zum Vorquartal. Gleichzeitig rechnen 23,8 % mit einer Verschlechterung. Auffällig: 69,1 % der Betriebe gehen davon aus, dass die Einkaufspreise weiter steigen werden. Ludwig Paul: „Das unterfränkische Handwerk braucht jetzt drei Dinge: spürbare Entlastung bei Bürokratie und Abgaben, eine Stabilisierung der Energie- und Materialkosten und eine klare Investitionsperspektive. Unsere Betriebe sind leistungsbereit, aber sie brauchen Rahmenbedingungen, in denen sich Leistung wieder lohnt.“

Auf dem Bild: 78,7 % der in der Konjunkturumfrage der Handwerkskammer für Unterfranken befragten Handwerksbetriebe bewerten ihre Geschäftslage im 3. Quartal 2026 als gut oder befriedigend. Das sind 1,4 Prozentpunkte weniger als im Vorquartal und 5,4 Prozentpunkte weniger als im Vorjahresquartal. Foto: Kira Papenfuß

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