WÜRZBURG – „Bischof eines neu gegründeten Bistums zu sein, war auch damals kein Selbstläufer.“ Das hat Bischof Dr. Franz Jung am Mittwochabend, 14. Oktober, beim Pontifikalgottesdienst zum Patrozinium der Würzburger Pfarrkirche Sankt Burkard betont und das vielschichtige Wirken des ersten Würzburger Bischofs Burkard gewürdigt.
Mit einer Statio am Ende der Feier wurde zudem das Gnadenbild der Schmerzensmutter vom Würzburger Käppele an seinem vorübergehenden Standort begrüßt. Bis zum Abschluss der Innenrenovierung der Wallfahrtskirche auf dem nahen Nikolausberg können die Gläubigen die Pietà in der Pfarrkirche im Mainviertel besuchen.
Anhand dreier historischer Stationen zog Bischof Jung in seiner Predigt Parallelen zur heutigen Kirchen- und Lebenswirklichkeit. Er betonte die Notwendigkeit von Pioniergeist, klarer Verantwortung und persönlicher Standortbestimmung.
Burkard, der wie der heilige Bonifatius als Benediktinermönch aus Südwestengland stammte, wurde 741/742 zum Bischof des neu gegründeten Bistums Würzburg geweiht. Als einzige von drei zeitgleichen Neugründungen hatte Würzburg dauerhaft Bestand – laut Bischof Jung ein Verdienst harter Aufbauarbeit. Burkard habe nicht nur eine funktionierende Pfarreiorganisation und die Finanzierung von Klerus und Bauten sichern müssen, sondern auch historische Akzente gesetzt: Neben dem Bau der Marienkirche auf der Festung und der Gründung des Andreasklosters (heute Sankt Burkard) begründete er mit der Erhebung der Gebeine der Märtyrer Kilian, Kolonat und Totnan das geistliche Zentrum des Bistums. Im kommenden Jahr feiert die Diözese das 1275. Jubiläum dieses Ereignisses.
Auch auf europäischer Ebene spielte der erste Würzburger Bischof eine Schlüsselrolle. Im Auftrag Pippins III. reiste Burkard nach Rom zu Papst Zacharias III. mit der folgenschweren Frage: „Soll der König heißen, der das Amt innehat? Oder soll der König heißen, der tatsächlich die Macht hat?“ Die Entscheidung des Papstes zugunsten der realen Machtträger haben den Karolingern den Weg zur Herrschaft geebnet.
Bischof Jung schlug von dieser historischen Episode die Brücke zur Gegenwart: Wo Verantwortung nicht wahrgenommen werde, entstehe ein Machtvakuum, das andere füllen – ein Phänomen, das sich bis heute in Pfarreien, Klöstern und Bistümern beobachten lasse. Der Bischof rief die Gläubigen dazu auf, nach der eigenen Mission, dem persönlichen Beitrag beim Aufbau der Gemeinschaft und dem eigenen Umgang mit Verantwortung zu fragen.
Vor dem Schlusssegen, nach dem an die Gottesdienstbesucher die traditionellen „Burkardweck“ verteilt wurden, ließ Bischof Jung Diplom-Restaurator Georg Pracher erklären, welche Arbeiten notwendig waren, damit das Gnadenbild des Käppele wieder in voller Pracht erstrahle. Dieser berichtete, dass er nach dem vorsichtigen Entfernen von Staub, Ruß und Schmutz der vergangenen Jahrzehnte die Farbpigmente neu fixieren sowie die Kronen befestigen habe müssen.
mh (POW)
Auf dem Bild © Markus Hauck (POW) | Bischof Dr. Franz Jung hat am Mittwoch, 14. Oktober, dem Festtag des heiligen Burkard, in der Würzburger Pfarrkirche Sankt Burkard einen Pontifikalgottesdienst gefeiert. Dabei wurde das Marien-Gnadenbild des Würzburger Käppele an seinem Interimsstandort begrüßt. Bis Ende 2028 soll die Innenrenovierung der Wallfahrtskirche abgeschlossen sein und das Marienbild an seinen angestammten Standort auf dem Würzburger Nikolausberg zurückkehren.

