Nachdem ein Jäger in Berngau zwei Behördenmitarbeiter bei einer Waffenkontrolle tötete, fordert PETA ein schärferes Waffengesetz und das Verbot der Hobbyjagd

Nachdem ein Jäger in Berngau zwei Behördenmitarbeiter bei einer Waffenkontrolle tötete, fordert PETA ein schärferes Waffengesetz und das Verbot der Hobbyjagd
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BERNGAU BEI NEUMARKT IN DER OBERPFALZ – Medienberichten zufolge soll ein 60-jähriger Jäger und Sportschütze am Donnerstag in Berngau zwei Beschäftigte des Landratsamts Neumarkt erschossen haben.

Die 54-jährige Frau und ihr 45-jähriger Kollege hätten bei einer routinemäßigen Kontrolle unter anderem die ordnungsgemäße Aufbewahrung der zehn legalen Schusswaffen des Mannes überprüfen wollen.

Nach der Tat habe sich der mutmaßliche Schütze in seinem Wohnhaus verschanzt und angekündigt, sich einer Festnahme zu widersetzen. In der Nacht zum Freitag sei es Spezialkräften der Polizei gelungen, ihn festzunehmen. Dabei sei er durch Schüsse schwer verletzt worden. Das Motiv sei bislang unklar. Angesichts des häufigen Schusswaffengebrauchs durch Jäger gegen andere Menschen sowie wegen ständiger versehentlicher „Fehlschüsse“ auf Unbeteiligte forderte PETA Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bereits im Januar in einem Schreiben dazu auf, das Waffenrecht zu verschärfen und ein Verbot der Hobbyjagd einzuleiten.

„Das bestürzende Gewaltverbrechen an den Behördenmitarbeitern darf nicht folgenlos bleiben. Wie viele Tote braucht es noch, bis die Politik erkennt, dass die Jagdausübung drastisch eingeschränkt werden muss?“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Die vielen Gewalttaten und Jagdunfälle verdeutlichen den dringenden Handlungsbedarf beim Waffenrecht. Wir fordern Bundesinnenminister Alexander Dobrindt auf, den Zugang zu Schusswaffen deutlich einzuschränken und das Umbringen von Tieren als ‚Freizeitbeschäftigung‘ zu verbieten.“

Zusammenhang zwischen Gewalt gegen Tiere und Menschen

PETAs Ansicht nach besteht ein Zusammenhang zwischen der Jagd und Gewalttaten. Die Hobbyjagd beinhaltet zahlreiche Formen der Gewalt gegen Tiere. So werden angeschossene Tiere teilweise mit Messern getötet. Andere werden in Lebendfallen gefangen und anschließend aus nächster Nähe erschossen. In Totschlagfallen können Tiere schwere Verletzungen erleiden und langsam und qualvoll sterben. Auch für das Training von Jagdhunden werden lebende Tiere wie Enten, Wildschweine und Füchse eingesetzt.

Die Tierrechtsorganisation weist darauf hin, dass ständige Tiertötungen auf grausame Art und Weise zu einer Desensibilisierung und Verrohung gegenüber fühlenden Lebewesen beitragen können. Fachleute aus der Psychologie und Justiz sind sich mittlerweile einig, dass Vergehen an Tieren vermehrt Aufmerksamkeit verlangen. Aggressionsforscher Christoph Paulus von der Universität des Saarlandes sagt dazu: „Geschätzte 80 bis 90 Prozent aller extremen Gewalttäter haben vorher bereits Tiere gequält.“ Über den Zusammenhang von Tierquälerei und Gewalttaten klärt PETA in der Broschüre „Menschen, die Tiere quälen, belassen es selten dabei“ auf, die als Informationsquelle für Staatsanwaltschaften, die Richterschaft und Polizei sowie Angestellte im sozialen Bereich dient. [1]

Gewalttaten und Unfälle mit tödlichen Schüssen häufen sich

Immer wieder kommt es zu absichtlichen Gewalttaten durch Jäger. Im Februar dieses Jahres tötete ein Jäger und Sportschütze in Strullendorf mit seiner Waffe seine Frau und seine Kinder während sie schliefen. Im Dezember 2025 erschoss ein Jäger im bayrischen Waldsassen seinen Nachbarn. Ende November tötete ein Jäger im Kreis Reutlingen vier Familienmitglieder und dann sich selbst. Im Juli 2025 tötete ein Jäger in Albstadt zwei Familienmitglieder.

In den vergangenen Jahren sorgten aber auch zahlreiche schwere Jagdunfälle allein in Deutschland für Empörung. Bei einem mutmaßlichen Jagdunfall in Jänickendorf wurde im September ein 56-Jähriger getötet. Ende August wurde ein 50-Jähriger auf einem Maisfeld im rheinland-pfälzischen Dürrholz tödlich verletzt, als sich ein Schuss löste. Im Januar hat ein 22-Jähriger in Warburg von einem Hochsitz aus seinen 23-jährigen Bekannten auf einem nahegelegenen Nachbarhochsitz tödlich getroffen. Ende April 2025 erschoss sich ein Jäger in Hagen versehentlich selbst, als sich ein Schuss aus seiner Waffe löste. Anfang Januar 2025 wurde ein Jäger auf einem Hochstand bei Ruchow von einer mutmaßlich verirrten Kugel eines Jagdkollegen tödlich getroffen.

Jagd ist grausam und überflüssig

Anerkannte Studien belegen, dass aus ökologischer und wildbiologischer Sicht keine Notwendigkeit für die Jagd besteht. Den über 450.000 Hobbyjagenden in Deutschland stehen etwa 1.000 Berufsjägerinnen und -jäger, vor allem Forstbeamte, gegenüber. Durch ein Verbot der Hobbyjagd könnten viele der oben aufgeführten „Jagdunfälle“ und Gewalttaten unterbunden werden.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden.

[1] PETA Deutschland e.V. (2018): Menschen, die Tiere quälen, belassen es selten dabei. Online abrufbar unter: https://www.peta.de/wp-content/uploads/2020/11/Broschuere-A5-Menschen_die-Tiere-quaelen-2019-04-print24.pdf.

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