Ausstellung BLIND SPOT – den blinden Fleck lichten: Wie aus den Leighton Barracks der Stadtteil Hubland wurde

Ausstellung BLIND SPOT – den blinden Fleck lichten: Wie aus den Leighton Barracks der Stadtteil Hubland wurde

WÜRZBURG – Drei Frauen auf der ehemaligen Landebahn am Hubland. Zwei schauen in die Kamera, eine dreht der Kamera den Rücken zu. „Ich schaue in die Vergangenheit“, sagt die 23-jährige Würzburgerin Amerikanerin Elisa Hill.

Die Vergangenheit, das sind die Leighton Barracks, der heutige Stadtteil Hubland, der bis zum Abzug der US-Army 2008 amerikanische Kaserne war.

Hier am Hubland, auf den ehemaligen Leighton Barracks, verbrachte Elisa Hill ihre Freizeit, wohnt gleich neben an. Dass die Leightons mehr mit ihr und ihrer Geschichte zu tun haben, das erfuhr sie erst später. Denn hier hat ihre Großmutter als Würzburgerin viel Zeit mit ihrem Freund, einem afroamerikanischen US-Soldaten, verbracht, bis beide in die Vereinigten Staaten zogen. Gesprochen wurde über diese Zeit kaum, sie ist quasi ein blinder Fleck, ein BLIND SPOT in der Familiengeschichte.

BLIND SPOT heißt deshalb auch die Ausstellung, die Hill im Würzburger Stadtarchiv zeigt. Für die Bachelorarbeit im Fach Kommunikationsdesign ging sie auf Suche nach Spuren, aber auch Orten und Geschichten ihrer Großeltern, aber vor allem ihres Großvaters. Nach der gemeinsamen Zeit in Amerika trennten sich die Wege ihrer Großeltern, den Opa hat sie nie getroffen, sagt Elisa Hill.

Und so ist Elisa Hills Fotoprojekt eine Spurensuche nach ihrem Großvater, ihrer Familie, aber auch nach der eigenen Identität, den eigenen Wurzeln. Sie recherchierte im Würzburger Stadtarchiv, in der Ansbacher Kaserne, fragte die Halbschwester ihres Vaters in Amerika und sprach viel mit ihrer Großmutter. Unterstützt wurde sie dabei von einer Freundin, die auch amerikanische Wurzeln in sich trägt. Ihre Geschichte als Tochter einer Deutschen und eines US-Soldaten wird ebenfalls in der Ausstellung erzählt.

Auf großformatigen Tableaus hat Hill die Geschichte ihrer Spurensuche und damit auch ihre eigene, aber auch ein weiteres Familienschicksal zusammengestellt. Da ist ein Bild der Startbahn der Leighton Barracks neben Bildern aus Familienalben, Erinnerungsstücken oder Briefen. „Ich möchte nach außen tragen, was in einem steckt“, sagt sie – das, was einen ausmacht. Bei ihrer Arbeit an dem Projekt hat sie viel gelernt, über sich, ihre Familie, ihre Wurzeln.

Und auch wenn sie noch nie in den Vereinigten Staaten war, so versteht sie die amerikanische Kultur, in der ihr Großvater lebte, nun besser. Die Leighton Barracks, das heutige Hubland, haben ihr die Türe geöffnet. Auch wenn Amerika nicht wie die kleine Gemeinschaft der Leightons ist.

Den BLIND SPOT gibt es immer noch. „Der bleibt immer“, weiß sie, aber er ist kleiner geworden. Und auch wenn sie ihren Großvater nie gesehen hat, fühlt sie sich ihm näher. Die Familie ist größer geworden, sagt sie.

Die Ausstellung BLIND SPOT ist noch bis zum 17. Dezember im Würzburger Stadtarchiv zu den normalen Öffnungszeiten Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr zu sehen.

Auf dem Bild: Blickt in die Zukunft: Elisa Hill. Foto: Christian Weiß

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