Die Frage im Herbst: Wintergarten oder Terrassenüberdachung – was passt wo und warum?

Die Frage im Herbst: Wintergarten oder Terrassenüberdachung – was passt wo und warum?

MAINFRANKEN – Wenn die Abende kühler werden, fragen sich viele Hausbesitzer, wie sie ihre Terrasse länger nutzen können. Im Gespräch erklärt Überdachungsexperte Alexander Sünkel, der seit vielen Jahren Wintergärten und Terrassen-Überdachungen in Mainfranken plant und baut, was für welche Installation steht.

Wintergarten versus Terrassenüberdachung: worin unterscheiden sich die beiden Lösungen, welche Rolle spielen Lage, Wind und Untergrund? Und woran erkennt man, was zum eigenen Alltag passt.

Herr Sünkel, im Herbst klingelt bei Ihnen vermutlich öfter das Telefon?
Deutlich öfter, ja. Die Leute sitzen im September noch draußen, merken, dass es abends kühl wird, und denken sich: Das muss doch länger gehen.

Und dann kommt die große Frage: Wintergarten oder Terrassendach?
Genau die. Meine erste Gegenfrage ist immer, wie der Raum eigentlich genutzt werden soll. Wer im Januar bei Schnee mit dem Laptop drinsitzen möchte, braucht etwas anderes als jemand, der im Oktober noch grillen will.

Klingt erst mal simpel.
Ist es auch. Die meisten haben sich das nur noch nie so klar gefragt.

Dann erklären Sie uns doch den Unterschied, ganz grundsätzlich.
Eine Terrassenüberdachung ist ein Dach über Ihrer Terrasse. Sie schützt vor Regen und teilweise vor Sonne, die Seiten bleiben offen. Ein Wintergarten ist ein richtiger Anbau mit Wänden, Türen, Dämmung und meistens einer Heizung. Beim warmen Wintergarten ist das echter Wohnraum.

… und dazwischen?
Dazwischen liegt das, was viele gar nicht auf dem Schirm haben. Sie können eine Terrassenüberdachung mit Glasschiebewänden schließen, auch nachträglich. Bei schönem Wetter schieben Sie die zur Seite, bei Wind und Regen machen Sie zu. Das nennt man oft Kaltwintergarten oder Sommergarten.

Kaltwintergarten, das klingt nicht gerade gemütlich.
(lacht) Das sagen alle. Gemeint ist nur, dass er weder beheizt noch gedämmt ist. Wenn im März die Sonne drauf scheint, sitzen Sie da drin im T-Shirt.

Welche Rolle spielt das Grundstück selbst?
Eine große. Das Erste, was ich mir anschaue, ist die Himmelsrichtung. Eine Südterrasse mit Glasdach wird im Juli richtig heiß. Da reden wir dann über Beschattung, über eine Markise auf dem Dach oder über ein Lamellendach.

… Lamellendach, was ist das genau?
Ein Dach aus drehbaren Aluminiumlamellen. Stellen Sie die Lamellen schräg, kommt Licht und Luft durch, die Hitze staut sich nicht. Bei Regen fahren Sie sie zu, und das Wasser läuft über die Rinne ab. Viele Systeme haben einen Regensensor, die schließen dann von selbst.

Und im Norden?
Da ist es umgekehrt. Dort fehlt eher das Licht, und ein Wintergarten wird schnell zum dunklen Abstellraum mit Glaswänden. Auf der Nordseite rate ich meistens zur offenen Überdachung mit möglichst klarem Glas.

Was schauen Sie sich noch an?
Ganz wichtig: den Wind. Wer am Hang wohnt oder am Ortsrand mit freiem Feld dahinter, für den sind Seitenwände Gold wert. Dann den Untergrund. Steht die Terrasse auf einem soliden Fundament, oder ist das eine Plattenfläche auf Splitt? Für einen Wintergarten brauchen Sie ein ordentliches, frostsicheres Fundament. An dem Punkt wird es oft teurer, als die Leute denken.

Was ist mit Schneelast?
… na die wird natürlich immer berechnet. Hier in der Region ist das kein Drama, aber in höheren Lagen muss die Konstruktion deutlich mehr aushalten. Das steht in der Statik, darüber diskutiere ich nicht.

… apropos Preise – womit muss man jeweils rechnen …
Das ist wie bei einem Haus eine sehr relative Frage. Die Terrassenüberdachung ist in jedem Fall die günstigere Variante. Mit Glasschiebewänden kommt nochmal was oben drauf. Ein beheizter Wintergarten liegt noch mal eine Stufe höher … weil Sie Dämmung, Wärmeschutzverglasung und Heizung brauchen und meistens auch einen expliziten Bauantrag.

Braucht man für ein Terrassendach keine Genehmigung?
Das hängt vom Bundesland und von der Größe ab. In Bayern sind kleinere Terrassenüberdachungen oft verfahrensfrei. Beim Wintergarten landen Sie fast immer beim Bauamt. Ich sage jedem Kunden: Rufen Sie vorher bei der Gemeinde an. Das kostet zehn Minuten und erspart viel Ärger. Wir helfen da auch gerne, weil wir Mainfranken kennen wie die Westentasche.

Nochmal was Grundsätzliches: Aluminium oder Holz?
Also für mich individuell spricht alles für Aluminium. Wir nutzen bei TFT Systems auch nur Alu. Das verzieht sich nicht, muss nicht gestrichen werden und hält Jahrzehnte. Zudem ist es neutral und passt quasi überall. Holz sieht wunderschön aus, aber es will stetig gepflegt werden. Wer gern alle paar Jahre lasiert, bitte. Die meisten wollen das nicht. Und wir sind als Anbieter davon abgekommen …

Wie sieht es mit der Pflege allgemein aus?
Das ist echt überschaubar. Zweimal im Jahr die Rinne frei machen, das Dach abspülen, die Laufschienen der Schiebewände sauber halten. Beim Wintergarten kommt das Lüften dazu.

… lüften? Was meinen Sie?
Ja, das wird unterschätzt. Viel Glas … oft Pflanzen … Menschen, die drin sitzen – da entsteht jede Menge Feuchtigkeit. Ohne ordentliche Lüftung können Sie da morgens schon mal beschlagene Scheiben haben. Deshalb planen wir Lüftungsklappen oder eine automatische Steuerung gleich mit ein. Trotzdem macht – wie im Schlafzimmer oder dem ganzen Haus – regelmäßiges Stoßlüften Sinn.

Gibt es etwas, das Kunden hinterher bereuen?
Zu klein geplant! Das höre ich wirklich am häufigsten. Man misst den Tisch aus und die sechs Stühle, und ein Jahr später stehen da noch ein Loungesofa und ein Heizstrahler, und alles ist eng. Hierzu beraten wir aber im Vorfeld ausreichend.

… und umgekehrt? Zu groß gebaut?
Also dass jemand sagt, es sei zu groß geworden … puh, das habe ich selten oder eigentlich so konkret noch nie erlebt.

Wenn ich jetzt als Interessent unsicher bin … womit fange ich an?
Mit einem ehrlichen Blick auf den eigenen Alltag. Wie oft sitzen Sie wirklich draußen? Wollen Sie Pflanzen überwintern? Arbeiten Sie von zu Hause? Dann würde ich mir das Ganze am liebsten vor Ort anschauen. Mit einem 3D-Planer sieht man vorher, wie das am eigenen Haus aussieht. Das hilft enorm, weil sich viele Proportionen schwer vorstellen können. Sowas haben wir übrigens auf der Website, wir verlinken das gerne unten.

Ihr persönlicher Tipp für Unentschlossene?
Eine solide Terrassenüberdachung, die man später mit Seitenwänden nachrüsten kann. Damit verbaut man sich nichts.

Und wer lieber den mondänen Wintergarten will?
Soll er oder sie haben. Aber dann richtig. Halbe Sachen merkt man beim Wintergarten jeden Winter.

Herr Sünkel, vielen Dank für das Gespräch.
Gerne. Und genießen Sie den Herbst, solange er noch draußen stattfindet.

https://tft-systems.de/ueber-uns/
https://ales3d.com/de/embed/mlz0lta9ix7gsk9mip

Auf dem Bild: Alexander Sünkel, TFT Systems Überdachungssysteme
Foto: privat

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