MÜNCHEN – Laut aktuellen Medienberichten ist eine Seniorin nach einem Unfall mit einem Pferd auf dem Münchener Oktoberfest gestorben. Die 90-jährige Rollstuhlfahrerin habe am Mittwoch, 23. September, das vor eine Kutsche gespannte Tier streicheln wollen.
Ein Teil des Geschirrs habe sich dabei am Rollstuhl verfangen. Als das Tier den Kopf gehoben habe, sei der Rollstuhl umgekippt und die Frau zu Boden gestürzt. Da sich ihr Gesundheitszustand noch auf dem Gelände verschlechterte, wurde die Seniorin in ein Krankenhaus gebracht, wo sie schließlich verstarb. Angesichts dieses Vorfalls forderte PETA Oberbürgermeister Dominik Krause heute auf, ein Verbot von Pferdekutschen auf dem Oktoberfest in München zu veranlassen.
„Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen der verstorbenen Frau. Dieser tragische Vorfall zeigt erneut, welche Gefahren von Pferdekutschen inmitten großer Menschenmengen ausgehen können. Das kleinste Erschrecken der Pferde oder eine zufällige Bewegung kann eine Tragödie auslösen und zu schweren, teilweise tödlichen Unfällen führen. Ein Verbot ist daher längst überfällig“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Tradition oder sogenanntes Brauchtum sind zudem keine Rechtfertigung für Tierquälerei. Pferde gehören auf grüne Wiesen und nicht auf die Wiesn. Sie in einer solchen stressvollen Umgebung dazu zu zwingen, schwere Gespanne zu ziehen, bedeutet für die Tiere enormes Leid.“
PETA warnt seit Jahren vor den Gefahren und dem Tierleid durch Pferdekutschen auf dem Oktoberfest und hat die Stadt München wiederholt zum Handeln aufgefordert. Nach früheren Unfällen sowie dokumentierten Missständen bei Haltung und Umgang mit den Pferden forderte die Tierrechtsorganisation ein Ende des Kutscheneinsatzes auf der Wiesn.
Hintergrundinformationen:
39 Unfälle bei Kutschfahrten im Jahr 2025
Jährlich ereignen sich Dutzende Unfälle mit von Pferden gezogenen Kutschen. 2025 wurden bei insgesamt 39 Kutschunfällen in Deutschland mindestens 58 Menschen verletzt, viele von ihnen schwer. Vier Pferde starben, mindestens acht weitere erlitten Verletzungen. Die mit Abstand häufigste Unfallursache war das Erschrecken eines oder mehrerer Pferde. 2024 gab es mindestens 38 Kutschunfälle.
Die häufig schweren Verläufe der Unfälle sind vor allem auf fehlende Sicherungsvorrichtungen wie mangelhafte Beleuchtung und unzureichende Bremssysteme zurückzuführen. Rothenburg ob der Tauber beschloss 2010 nach einem schweren Pferdekutschenunfall ein Kutschverbot im Innenstadtbereich, das der Bayerische Verwaltungsgerichtshof bestätigte.
Tiergerechte Lebensweise wird Pferden vor Kutschen verwehrt
PETA setzt sich für ein Verbot von Pferdekutschen ein. Die sensiblen und sozialen Lauftiere möchten in einer Herde leben. Sie benötigen gute Nahrung und stets frisches Wasser, Pflege und medizinische Versorgung. Selbstverständlich sollten natürliches Sonnenlicht und frische Luft zur Verfügung stehen. Wenn diese essenziellen Haltungsvoraussetzungen nicht oder nur unzureichend gegeben sind, führt das auf Dauer zu seelischem Leid und körperlichen Beeinträchtigungen. Ein Pferd in guter Haltung kann 35 Lebensjahre und mehr erreichen.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden.
Symbolbild: Pferdekutschenunfälle fordern immer wieder Opfer bei Mensch und Tier. / © 112-magazin.de

