Theatersanierungen als städtische Genickbrüche: Schweinfurt und Würzburg setzen auf Kultur – aber um welchen Preis?

Theatersanierungen als städtische Genickbrüche: Schweinfurt und Würzburg setzen auf Kultur – aber um welchen Preis?

WÜRZBURG / SCHWEINFURT – Ganz schön viel Theater gibt´s seit Monaten in Würzburg und Schweinfurt aufgrund der Sanierung eben beider Theater und der enormen Kostensteigerungen. Und deshalb will anscheinend ein Bürgerbegehren nun auch den Bau der neuen Multifunktionsarena in Würzburg verhindern.

Dort ging man vor vielen Jahren mal von rund 35 Miliionen Euro an Gesamtkosten aus, damit unter anderem die Bundesliga-Basketballer eine moderne Halle bekommen und auch Konzerte mit ein paar tausend Besuchern mehr stattfinden können als aktuell in der tectake-Arena (vormals Carl-Diem-Halle). Inzwischen dürfte die neue Arena mindestens 85 Millionen kosten. Kritiker befürchten weiter steigende Preise. Und dass die Stadt dann eben woanders sparen muss…

Sprung nach Schwienfurt: Dort ist die Haushaltslage bekanntlich mehr als angespannt. Was zu einem Großteil am Theater (auf dem Bild) liegt. Die Generalsanierung dürfte letztlich mindestens 70 Millionen Euro kosten. Anfangs ging man noch von rund 40 Millionen naus. Das aber steigerte sich eigentlich von Jahr zu Jahr. Durch Preissteigerungen und einem immer Mehr an Aufwand bei den Baumaßnehmen, weil mehr Schadstoffe wie Asbest entsorgt werden mussten als geplant und die Bausubstanz längst nicht so gut war und ist wie gedacht. Eröffnet soll das neue Theater nun im Herbst 2027, bis dahin läuft der stark eingeschränkte Betrieb weiter im evangleischen Gemeindehaus nur ein paar Meter weiter.

Der Freistaat Bayern fördert zwar die Sanierung mit viel Geld, ein großer Teil bleibt freilich an der blanken Stadt hängen. Ähnlich wie in Würzburg, wo die Sanierung des Mainfranken Theaters nun sogar bis zu 250 Millionen Euro (!) kosten könnte. Anfangs ging man von unter 10 Millionen aus. Hier sind aber anscheinend auch Planungsfehler und ein damit verbundener Stillstand bei den Sanierungsmaßnahmen ein Grund für die enorme Kostenexplosion, freilich auch steigende Preis. Wohl keinesfalls vor 2029 wird dieses Theater fertig sein – und es ist bis dahin noch viel Theater zu erwarten.

Angesichts jeweils leerer Rathaus-Kassen kommt natürlich immer wieder ein Thema auf: Nur eine bestimmte Gesellschaftsschicht geht ins Theater. Der Betrieb dort muss dennoch subventioniert werden mit Steuergeldern. Und die fehlen dann für diejenigen, die sich keinen Theaterbesuch leisten können oder wollen. Dennoch wollen beide Städte weiter auf Kultur setzen. Gerade Schweinfurt betreibt zudem kostenintensive Museen für die Oberschicht, geht davon aus, damit Gäste anzulocken, die ansonsten nicht kommen würden. Aber rechnet sich das – und wäre das Geld nicht für andere Bevölkerungsschichten besser angelegt?

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