„Das Kreuz ist ein Zeichen der Liebe, nicht der Macht“: Weihbischof Paul Reder feiert auf dem Kreuzberg Pontifikalgottesdienst zum Fest Kreuzerhöhung

„Das Kreuz ist ein Zeichen der Liebe, nicht der Macht“: Weihbischof Paul Reder feiert auf dem Kreuzberg Pontifikalgottesdienst zum Fest Kreuzerhöhung

KLOSTER KREUZBERG – Am Fest Kreuzerhöhung hat Weihbischof Paul Reder am Samstag, 19. September, in der Wallfahrtskirche auf dem Kreuzberg (Landkreis Rhön-Grabfeld) die zentrale Bedeutung des christlichen Kreuzes hervorgehoben.

Mit Gläubigen aus dem Dekanat Rhön-Grabfeld sowie Mitgliedern des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem feierte er einen Pontifikalgottesdienst. Dabei bezeichnete er das Kreuz als Symbol der Entgiftung für eine von Leid, Angst und Spaltung geprägte Welt.

In seiner Predigt betonte Weihbischof Reder, dass das Kreuz im Christentum nicht für Macht oder Triumph steht. Die ausgebreiteten Arme des Gekreuzigten seien der menschliche und göttliche „Urgestus des Willkommens“. „Das Kreuz ist so als Zeichen des intensivsten Leidens zu einem Zeichen intensivster Liebe geworden“, betonte er. Es verharmlose oder beschönige kein Leid, sondern konfrontiere den Menschen direkt mit den schmerzhaften Realitäten des Lebens. Das Kreuz sage vielmehr: „Indem du das alles anschaust und als Wirklichkeit ernst nimmst, wirst du der Liebe des Gekreuzigten begegnen und kommst Jesus nahe.“

Gott wolle die Menschen mit seinem Heil und seiner verwandelnden Liebe auch dort erreichen, wo wir nur noch Verwundung, Schmerz, Sinnlosigkeit und Scheitern sehen. In diesem Glauben unterscheide sich der christliche Weg von allen anderen Religionen, betonte Weihbischof Reder. Ausdrücklich warnte er vor Vereinfachungen und leichtfertigem Glauben an falsche Versprechungen in gesellschaftlich wie persönlich schwierigen Zeiten. Er wandte sich gegen die „tödliche Annahme, einfache Parolen und politische Heilsversprechen seien die Lösung“ für die Krisen der Gegenwart.

Im Blick auf die alttestamentliche Erzählung von der Schlangenplage unter dem Volk Israel in der Wüste betonte der Weihbischof, dass Krisen weder bagatellisiert noch eigenmächtig im Reflex der Machtlosigkeit gelöst werden können. Die eigentliche „Entgiftung des Lebens“ beginne dort, wo Menschen sich nicht von Misstrauen, Rache und Selbstbehauptung leiten lassen, sondern im Vertrauen auf die Liebe Gottes Handlungsfähigkeit und Halt gewinnen. „Der Aufblick zum Kreuz ist auch immer der Ort, wo sich entscheidet, vor wem wir die Knie beugen, wem wir Macht über unser Leben einräumen.“

Der Kreuzberg als höchster Punkt des Bistums Würzburg sei für viele Pilgerinnen und Pilger ein physischer wie geistlicher Ort der Einkehr. Zwar besitze der Berg „keine magischen Kräfte, auch nicht nach zwei Bier“, betonte Weihbischof Reder. Jedoch entfalte der Ort eine heilsame Wirkung, indem er Menschen erlaubt, Sorgen, Ängste und Schuld vor Gott zu tragen und Orientierung zu finden. Der Weihbischof rief die Gläubigen auf, dem Beispiel Jesu zu folgen, der nicht die Faust geballt, sondern die Arme ausgebreitet habe, um der Logik von Vergeltung und Gewalt eine Absage zu erteilen.

An den Gottesdienst schloss sich eine eucharistische Prozession um das Kloster an. Zum Abschluss erteilte Weihbischof Reder am Freialtar vor der Kirche den Eucharistischen Segen. Die Begegnung im Antoniussaal bei Gulaschsuppe, Gerupftem und Klosterbier nutzten viele Menschen, um mit dem Weihbischof zu sprechen.

Für die musikalische Gestaltung der Liturgie sorgten Dekanatskantor Matthias Braun an der Orgel sowie die Kreuzbergbläser.

Stichwort: Fest Kreuzerhöhung

Das katholische Fest Kreuzerhöhung am 14. September geht auf bedeutende historische Ereignisse im Jerusalem des 4. und 7. Jahrhunderts zurück. Nach der Überlieferung entdeckte Kaisermutter Helena in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts das historische Kreuz Jesu. Am 13. September 335 wurde über dem Heiligen Grab die von Kaiser Konstantin errichtete Grabeskirche feierlich geweiht. Nur einen Tag später, am 14. September, präsentierten die Bischöfe das aufgefundene Kreuzesholz erstmals den versammelten Gläubigen und hielten es feierlich empor. Davon leitet sich der Name des Festes ab. Die Bedeutung des Datums festigte sich im Jahr 630, als der byzantinische Kaiser Herakleios die Jahre zuvor von den Persern geraubte Kreuzreliquie an demselben Tag im Triumph nach Jerusalem zurückbrachte. Während am Karfreitag das Leiden und Sterben Jesu im Vordergrund steht, feiert die Kirche am 14. September das Kreuz nicht als Hinrichtungswerkzeug, sondern als Siegeszeichen über den Tod und als Symbol des Lebens und der Hoffnung.

mh (POW)

Auf den Fotos © Markus Hauck (POW)

Mit dem Eucharistischen Segen endete die Prozession um das Kloster.

Vor dem Gottesdienst begrüßte Pater Korbinian Klinger die Fußwallfahrer aus Schönau.

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