IG Metall Bamberg: „Wir haben um Lösungen und Kompromisse hart gerungen am Valeo-Standort in Ebern“

IG Metall Bamberg: „Wir haben um Lösungen und Kompromisse hart gerungen am Valeo-Standort in Ebern“
Auf dem Bild: Valeo Ebern (KI optimiert – Ebern Magazin)

EBERN IM LANDKREIS HASSBERGE – Der Anfang des Jahres erneut angekündigte Stellenabbau am Valeo-Standort in Ebern findet sozialverträglich und, wie es sich jetzt abzeichnet, auch ohne betriebsbedingte Kündigungen statt.

Ein im Mai abgeschlossenes Paket aus Freiwilligenprogramm, Interessenausgleich und Sozialplan war die Grundlage. Aber nicht nur ein Interessenausgleich und ein Sozialplan mussten verhandelt werden, auch Tarifverhandlungen wurden geführt. Denn neben dem Stellenabbau forderte das Unternehmen Lohnkostensenkungen von 25 Mio. €.

„Es waren schwierige Verhandlungen und auch kein Vergleich zu den letzten Restrukturierungsprogrammen. Wir haben um Lösungen und Kompromisse hart gerungen“, berichtet die Betriebsratsvorsitzende Sonja Meister.

In der Frage der abzubauenden Stellen ist der Valeo-Konzern keinen Millimeter von der Anzahl abgewichen. Es bleibt dabei, 139 Arbeitsplätze am Standort Ebern sollen abgebaut werden.

Davon ca. zwei Drittel in Forschung und Entwicklung und ein Drittel in indirekten bzw. fertigungsnahen Bereichen im Werk. 39 Kolleginnen und Kollegen wechseln an den Standort Erlangen. Durch die Möglichkeit des freiwilligen Ausscheidens und interner Versetzungen sind absehbar keine betriebsbedingten Kündigungen notwendig. „Dass dies gelingen könnte, hätten wir anfangs nicht für möglich gehalten“, so Sonja Meister, die Betriebsratsvorsitzende weiter.

Am Ende ist und bleibt es ein weiterer sehr schmerzhafter Abbau. „Die Entwicklung am Standort zu streichen, halte ich nach wie vor für falsch. Die Arbeit wird immer mehr von wenigen Schultern getragen. Wissensträger gehen von Bord. Valeo muss jetzt die Themen am Standort angehen und das Werk strategisch richtig aufstellen“, sorgt sich Karin Beck, die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende.

Das wurde auch in den geführten Tarifverhandlungen zwischen dem Unternehmen und der IG Metall deutlich. Das Unternehmen fordert zusätzlich zum Stellenabbau von den verbleibenden Beschäftigten einen Lohnverzicht in Höhe von 25 Millionen Euro bis 2030. Im Schnitt sollen die Beschäftigten jährlich rund 5 Millionen Euro beitragen.

Der zentrale Konfliktpunkt in den Verhandlungen war: Nur wenn die Beschäftigten auf Teile ihres Lohns verzichten, bringt Valeo ein neues Produkt an den Standort. Auch ein weiterer Personalabbau stand im Raum. „Das war keine gute Ausgangssituation für die Tarifverhandlungen“, so Ralf Dirschl, Tarif-Chef der IG Metall Bayern, und kritisiert damit den Umgang des Unternehmens mit den Beschäftigten.

Nach langem Ringen konnte auch hier ein Kompromiss in Form eines Ergänzungstarifvertrages erreicht werden, der von beiden Seiten Zugeständnisse fordert. Das vereinbarte Paket enthält u. a. eine Beschäftigungssicherung für die verbleibenden Beschäftigten bis Ende 2030 mit einem Nachlauf bis 2032. Betriebsbedingte Kündigungen sind in diesem Zeitraum ausgeschlossen, die Ausbildung bleibt erhalten. Ein neues Montageprodukt wird am Standort Ebern platziert. Es handelt sich hierbei um den GBA, einen Gear-Box-Actuator. Ebenso gibt es Investitionszusagen sowie die Zusage für mögliche weitere Produktplatzierungen ab 2030. Darüber hinaus soll die Komponentenfertigung, die der Standort für andere Valeo-Werke übernimmt, als Kernkompetenz im Bereich der Gummi- und Metallverarbeitung gestärkt und neue Geschäftsfelder in den Blick genommen werden.

Die Summe des geforderten Verzichts der Beschäftigten in Höhe von 25 Mio. € konnte in den Verhandlungen nahezu halbiert werden. Unter anderem leisten die Beschäftigten durch Anpassungen bei den Jahressonderzahlungen sowie durch die Erhöhung der Wochenarbeitszeit ab 2027 um zwei Stunden eine Anschubfinanzierung bis 2030, um den Standort in dieser Zeit für die Zukunft aufzustellen.

Ein paritätisch besetzter Zukunftsbeirat wurde ins Leben gerufen, um die vereinbarten Maßnahmen zu kontrollieren und nachzuhalten. „Es ging uns in den Verhandlungen darum, die verbleibenden Beschäftigten zu sichern, eine Perspektive für die Zukunft des Standortes zu schaffen und die Einbußen zu begrenzen“, betonte der Leiter der IG Metall-Vertrauensleute am Standort, Jens Holze.

Andrea Sicker fasst es so zusammen: „Das vereinbarte Paket verlangt den Beschäftigten in den nächsten Jahren viel ab. Gleichzeitig ist es eine Chance auf Zukunft für den Standort.“

Bei den Tarifverhandlungen wurden die IG Metall-Mitglieder an entscheidenden Punkten einbezogen. In einer Mitgliederversammlung wurde über das Verhandlungsergebnis abgestimmt. Das Votum der IG Metall-Mitglieder ist nach Ansicht von Andrea Sicker ein Auftrag: „Es verpflichtet Unternehmen, Betriebsrat und die IG Metall, die Maßnahmen zur Zukunftssicherung gemeinsam konsequent umzusetzen. Die Beschäftigten übernehmen Verantwortung, nun ist Valeo am Zug, die Zusagen in die Tat umzusetzen.“ Jetzt gilt es, nach vorne zu schauen. Darin sind sich Betriebsrat und IG Metall einig.

„Der Standort hat eine verlässliche und engagierte Belegschaft, die seit vielen Jahren gute Arbeit leistet. Unsere Ausbildung ist super, gerade konnten wir die neuen Auszubildenden begrüßen. Es lohnt sich für Valeo, hier in die Menschen und den Standort zu investieren. Wir hoffen, dass für die nächsten Jahre nun endlich Ruhe einkehrt“, so Sonja Meister abschließend.

Auf dem Bild: Valeo Ebern (KI optimiert – Ebern Magazin)

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