WÜRZBURG – Würzburg hat mehr Zukunft in seinen Laboren, als vielen bewusst ist: In den vergangenen zehn Jahren stammten nach Angaben des Servicezentrums Forschung und Technologietransfer (SFT) der Julius-Maximilians-Universität (JMU) 60 Prozent der Erfindungen der JMU aus den Life Sciences.
Bei den IP-basierten Ausgründungen der vergangenen fünf Jahre lag der Anteil sogar bei rund 85 Prozent. Zum 31. Januar 2026 umfasste das bestehende Schutzrechtsportfolio der Universität insgesamt 94 Patentfamilien. Die Botschaft dahinter ist klar: In Würzburg entstehen nicht nur gute Ideen. Hier entsteht geschütztes geistiges Eigentum mit wirtschaftlichem Potenzial. Die entscheidende Frage lautet: Wird daraus auch mehr Wertschöpfung für Mainfranken?
Life Sciences: Würzburgs starkes Zukunftsfeld
Diagnostik, Medikamente, Therapien, Biotechnologie, Medizindaten, Digital Health, Antikörper, CAR-T-Zellen, MedTech-Produkte: Das Spektrum der Life-Sciences-Erfindungen an der JMU ist breit. Gerade in diesen Bereichen sind Patente oft entscheidend. Denn der Weg von der Forschung bis zur Anwendung ist lang, teuer und risikoreich. Neue Therapien, Diagnostikverfahren oder Medizintechnikprodukte brauchen nicht nur wissenschaftliche Exzellenz, sondern auch Schutzrechte, Kapital, unternehmerische Erfahrung, starke Partner und Ausgründungen.
„Vor allem in den Life Sciences sind belastbare Patente häufig eine zentrale Voraussetzung, um die langen und kapitalintensiven Entwicklungswege bis zur praktischen Anwendung und Marktreife zu ermöglichen. Sie sind damit von besonderer Bedeutung für die JMU und den Wissenschafts- und Innovationsstandort Würzburg“, erläutert Dr. Iris Zwirner-Baier, Leiterin des SFT und Patentingenieurin an der JMU.
Aus Würzburgs Forschung wird internationales Biotech
Wie groß dieses Potenzial sein kann, zeigt CatalYm. Das Biotech-Unternehmen ist 2016 aus der Würzburger Forschung hervorgegangen. Es entwickelt mit Visugromab eine neue Krebsimmuntherapie. Die zugrunde liegende Technologie wurde an der JMU entwickelt und patentiert. 2024 konnte CatalYm eine Finanzierungsrunde über 150 Millionen US-Dollar abschließen, um die klinische Entwicklung weiter voranzutreiben.
Ein Beispiel, das zeigt: Forschung aus Würzburg kann international relevant werden. Doch wie gelingt das häufiger? Patente sind ein erster Schritt zu einem Unternehmen. An der JMU zeigt sich dieser Weg bereits: 2024 wurden drei exklusive Lizenzverträge geschlossen, zwei davon mit Ausgründungen.
„Patente entfalten ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Wirkung erst, wenn geschützte Forschungsergebnisse in die Anwendung gelangen, sei es durch Kooperationen mit Unternehmen, durch Lizenzierung oder im Rahmen einer Ausgründung“, erklärt Zwirner-Baier.
Mainfranken muss seine Chancen besser nutzen
Für Mainfranken steckt darin eine große Chance. Wenn aus Forschung häufiger Unternehmen entstehen, entstehen auch neue Arbeitsplätze, Know-how, Folgegründungen und Wertschöpfung in der Region. Doch gerade Life-Sciences-Startups brauchen früh viel Unterstützung. Die Entwicklungszeiten sind lang, regulatorische Anforderungen sind hoch, klinische Tests, Produktentwicklung und Marktzugang kosten Geld, bevor erste Umsätze generiert werden.
Hier setzt 14leafs, ein von der JMU, Sparkasse Mainfranken Würzburg und StellaVent Capital initiierter Venture-Capital-Fonds, an. Der regional verortete Frühphasenfonds will technologieorientierte Gründungen früher unterstützen. Die Nähe zur JMU und zum regionalen Transferumfeld ist dabei ein zentraler Vorteil: Potenzielle Ausgründungen können früher gesehen, verstanden und begleitet werden.
„Die Zahlen des SFT zeigen, welche technologische Substanz in Würzburg vorhanden ist“, sagt Prof. Dr. Axel Winkelmann, Partner bei 14leafs und Lehrstuhlinhaber für BWL und Wirtschaftsinformatik an der JMU. „Würzburg bringt Forschung, Transferstrukturen und ein wachsendes unternehmerisches Umfeld auf engem Raum zusammen. Dieses Zusammenspiel bietet gute Voraussetzungen, um wissenschaftliche Innovationen über die Universität hinaus weiterzuentwickeln.“
Über 14leafs
14leafs ist ein unabhängiger Venture-Capital-Fonds mit Sitz in Würzburg. Der Fonds begleitet forschungsintensive und technologiegetriebene Start-ups von der Pre-Seed-Phase bis zur Series A mit Kapital, unternehmerischem Know-how und operativer Unterstützung. Der Investmentfokus liegt auf den Bereichen Life Sciences, Health sowie Deep und Digital Tech. Unter dem Leitgedanken „From Region to Scale“ nutzt 14leafs die Innovationskraft der Region Unteres Franken und ein starkes Netzwerk aus Forschung, Industrie und Co-Investoren, um Gründerteams in international wettbewerbsfähige Unternehmen zu entwickeln. Initiiert wurde der Fonds von drei starken Partnern: der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, der Sparkasse Mainfranken Würzburg und der StellaVent Capital GmbH, die das Fondsmanagement und die Investorengewinnung verantwortet. Interessierte Investoren haben die Möglichkeit, unter www.14leafs.de nähere Informationen anzufordern.

