UNTERFRANKEN – Leicht steigende Schülerzahlen in Unterfranken sorgen für Stabilisierung von Lehrerversorgung und Schulstruktur. Erneut mehr Lehramtsanwärter an den Grundschulen. Besonderer Fokus auf der frühzeitigen Sprachförderung.
Grund- und Mittelschulen
Schülerzahlen
Nach dem deutlichen Anstieg der Schülerzahlen der letzten beiden Jahre setzt sich der Aufwärtstrend in abgeschwächter Form fort. Gegenüber den amtlichen Zahlen des Vorjahres steigen die Zahlen um gut 1% auf etwa 70.900 Schüler. An den Grundschulen wachsen die Schülerzahlen aufgrund gestiegener Einschulungen leicht. Ein deutlicher Anstieg ist an den Mittelschulen zu verzeichnen.
Klassen
Die steigenden Schülerzahlen schlagen sich kaum in einer höheren Klassenzahl nieder. Die durchschnittliche Schülerzahl pro Klasse liegt im Grund- und Mittelschulbereich mit 21,08 Schülern pro Klasse leicht über dem Niveau des Vorjahreswerts (20,84). In der Grundschule liegt die Klassenfrequenz bei 21,44 (Vorjahr 21,34) Schülern pro Klasse, in der Mittelschule bei 20,29 (Vorjahr 19,74). In der Mittelschule ist damit ein deutlicher Auffülleffekt zu verzeichnen, da trotz der gestiegenen Schülerzahl die Klassenzahl nahezu unverändert bleiben wird. So starten 3.370 Klassen ins neue Schuljahr. In rund 89 % der Klassen werden jeweils maximal 25 Schüler unterrichtet.
Schulen
In Unterfranken gibt es im Schuljahr 2026/27 insgesamt 45 staatliche Grundschulen, die von unter 100 Schülern besucht werden (Vorjahr 47). Staatliche Mittelschulen und Mittelschulanteile an Volksschulen liegen an 16 Standorten unter der Zahl von 100 Schülern (Vorjahr 14). Die kleinste eigenständige staatliche Schule zum kommenden Schuljahr ist die Grundschule Zeitlofs mit 43 Schülerinnen und Schülern, die größte ist mit 518 Schülern die Frieden-Mittelschule Schweinfurt.
Unterrichtsversorgung
Wie bereits in den Vorjahren hat der Freistaat Bayern alle ausgebildeten Grund- und Mittelschullehrkräfte bis zur Examensnote 3,5 eingestellt. Erfreulicherweise konnte allen neu einzustellenden Lehrkräften in Bayern eine Planstelle im eigenen Regierungsbezirk angeboten werden. Dies hatte zur Folge, dass sich in unserer Region wieder deutlich mehr Lehrkräfte für eine Einstellung in den staatlichen Schuldienst entschieden haben. Dadurch gehen insbesondere die langjährige Bedarfsregion Untermain, aber auch die übrigen Schulamtsbezirke – vor allem in Bezug auf die Grundschule – gestärkt in das kommende Schuljahr. Das Stellenmoratorium des Freistaats, das auch für Neueinstellungen im staatlichen Schuldienst gilt, dürfte allerdings zur Folge haben, dass deutlich weniger befristete Angestelltenverhältnisse geschlossen werden können. Damit wird es unter Umständen herausfordernder sein, kurzfristig entstehende Bedarfe über Aushilfsverträge abzudecken.
Nach den erfreulich hohen Anwärterzahlen in der Grundschule im Vorjahr (198) haben sich die Zahlen der in den Vorbereitungsdienst startenden angehenden Grundschullehrkräfte auf hohem Niveau mit 171 Personen stabilisiert. Für das Lehramt an Mittelschulen sind es 54 Anwärter (im Vorjahr 65). Sehr gut angenommen wird in diesem Jahr weiterhin eine Sondermaßnahme des Kultusministeriums im Bereich der Mittelschule, durch die der Zugang zum Vorbereitungsdienst für Personen mit universitärem Master-, Magister- oder Diplomstudium unter gewissen Voraussetzungen möglich wird.
Auch künftig ist im Bereich der Mittelschule mit einem hohen Bedarf an Lehrkräften zu rechnen. Das Kultusministerium hat verschiedene Beschäftigungsmöglichkeiten und Sondermaßnahmen aufgelegt, über die man sich unter https://www.lehrer-werden.bayern/quereinstieg-und-sondermassnahmen/mittelschule informieren kann. Die Regierung von Unterfranken berät gerne Interessenten für den Quereinstieg und zeigt anhand der vorliegenden Qualifikationen Optionen für eine Beschäftigung auf.
Neue Ausbildungsstätte für Fachlehrkräfte in Unterfranken
Ab dem Schuljahr 2026/2027 geht ein neuer Ausbildungsstandort für Fachlehrkräfte im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart an den Start. Genutzt werden Räumlichkeiten der Theodosius-Florentini-Realschule in Gemünden, die zum Ende des Schuljahres 2025/2026 geschlossen wurde. Dort wird es zwei Ausbildungsgänge in den Fächerverbindungen Ernährung/Gestaltung (zweijährig) bzw. Ernährung/Gestaltung und Informationstechnik (vierjährig) geben. Angehende Fachlehrkräfte können damit auch heimatnah ihren Traumberuf ergreifen. So stärkt die neue Ausbildungsstätte die Lehrkräfteausbildung in ganz Bayern und setzt zugleich einen wichtigen Impuls für den Bildungs- und Lebensraum Unterfranken, von dem die unterfränkischen Schülerinnen und Schüler unmittelbar profitieren.
Mit Gemünden entsteht eine sechste Ausbildungsstätte für Fachlehrkräfte in Bayern. Es handelt sich um eine Außenstelle des Staatsinstituts für die Ausbildung von Fachlehrern in Ansbach (vgl. Staatsinstitut Ansbach Abt. III – Fachlehrerausbildung an allgemeinbildenden Schulen). Weitere Ausbildungsorte sind Augsburg, Bad Aibling, Bayreuth und München.
Digitale Bildung (schulartübergreifend)
Der Freistaat Bayern unterstützt die Gemeinden, Schulverbände, Landkreise und Bezirke seit dem 1. Januar 2025 bei der Finanzierung der technischen Wartung und Pflege der schulischen digitalen Infrastruktur über schulartspezifische Pro-Kopf-Pauschalen.
Die bisher gewährten Zuschüsse und Förderprogramme gehen ab 2027 über in den so genannten Vier-Säulen-Zuschuss. An die Stelle zahlreicher komplexer und befristeter Förderprogramme tritt eine gesetzliche Leistung, die ebenfalls als jährliche Pro-Schüler-Pauschale direkt an die Schulaufwandsträger ausgezahlt wird (https://www.km.bayern.de/meldung/zwoelf-auf-einen-streich). Kommunen und freie Schulträger erhalten damit die Chance, die Mittel für die Schuldigitalisierung dort einzusetzen, wo sie vor Ort am dringendsten benötigt werden. Unter die vier Säulen fallen
(1) eine moderne Gebäude-Digitalinfrastruktur,
(2) mobile Endgeräte für Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte (schulischer Leihgerätepool),
(3) digitale Bildungsmedien und KI-Anwendungen sowie
(4) der seit 2025 bestehende Zuschuss für Wartung und Pflege.
Damit entsteht ein umfassendes Gesamtkonzept für eine zeitgemäße und lernförderliche Schul-IT.
Förderschulen und Berufsschulen zur sonderpädagogischen Förderung
Im Schuljahr 2026/2027 werden voraussichtlich 6.689 Schülerinnen und Schüler die unterfränkischen Förderzentren besuchen. Somit ist weiterhin ein leichter Anstieg der Schülerzahlen zu verzeichnen, insbesondere im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Die sonderpädagogischen Fachkompetenzen in den Bereichen Erziehung und Unterricht sowie die gezielte und konkrete Umsetzung individueller Förderung in den Förderzentren der verschiedenen Förderschwerpunkte genießen weiterhin hohe Akzeptanz.
Die Ressourcen für inklusive Maßnahmen werden flexibilisiert. Das bedeutet, dass die bisher durch feste Abordnungen an die Profilschulen „Inklusion“ gebundenen Stunden von Sonderpädagogen nun auch bedarfsgerecht an anderen Grund- und Mittelschulen zum Tragen kommen können, um dort die Umsetzung der Inklusion zu unterstützen.
Berufliche Schulen
Die Schülerzahlen an staatlichen und kommunalen Berufsschulen bewegen sich in Unterfranken auf Vorjahresniveau. Auch im Schuljahr 2026/27 werden ca. 23.300 Schülerinnen und Schüler die unterfränkischen Berufsschulen besuchen.
Zu Beginn des Schuljahres 2026/27 ist die Einrichtung von 114 berufsvorbereitenden Vollzeitklassen an den unterfränkischen Berufsschulen geplant. Dabei handelt es sich um 74 Klassen der Berufsintegration und 40 Klassen des Berufsvorbereitungsjahres. Erfahrungsgemäß ist im Laufe des Schuljahres 2026/27 mit einem Anstieg der Klassenzahlen zu rechnen.
Zu Beginn des Schuljahres 2026/27 startet die neue staatliche Fachschule für Umweltschutztechnik und regenerative Energien, angegliedert an die Berufsschule Miltenberg-Obernburg. Der Schulort Miltenberg ist damit der nördlichste Standort in Bayern neben fünf weiteren staatlichen Fachschulen dieser Fachrichtung. Die breit angelegte Aufstiegsfortbildung eröffnet Fachkräften aus den Berufsfeldern Chemie, Elektrotechnik sowie Metalltechnik und weiteren speziellen Berufen wie Baustoffprüfer, Schornsteinfeger oder Landwirt eine attraktive Möglichkeit der beruflichen Fortbildung im Bereich Umweltschutztechnik und regenerative Energien. Schülerinnen und Schüler erhalten hier das nötige Rüstzeug für grüne Innovationen gepaart mit den notwendigen Kompetenzen für Aufgaben in der mittleren Führungsebene in Unternehmen der Region.
Dank an die Schulfamilie
Regierungspräsidentin Dr. Susanne Weizendörfer spricht der gesamten Schulfamilie – Eltern, Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften sowie Schulverantwortlichen – ihren Dank aus: „Es ist beeindruckend zu beobachten, wie unsere Schulen die vielfältigen Herausforderungen der vergangenen Jahre gemeistert haben. Dabei haben wir auch den Blick auf neue Technologien gerichtet, beispielsweise auf die Frage wie Künstliche Intelligenz sinnvoll in den Unterricht integriert werden kann, ohne die menschliche Lern- und Lebenswelt aus den Augen zu verlieren. Gleichzeitig ist es uns wichtig, die psychische Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen zu stärken, belastende Situationen frühzeitig zu erkennen und Betroffene gemeinsam zu unterstützen. Allen Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrkräften wünsche ich einen gelungenen Start in das neue Schuljahr.“
Die Regierung von Unterfranken ist für Grund- und Mittelschulen, berufliche Schulen und für Förderschulen in ganz Unterfranken zuständig. Zu den Aufgaben gehören hierbei insbesondere Personaleinsatz und -verwaltung, Schulorganisation, Schulentwicklung, Lehrerfortbildung und vieles mehr.

