Chorklänge im Petersdom: Emotionaler Tag in der Vatikanstadt, nach der Papstaudienz feiert Bischof Jung mit den Wallfahrern im Petersdom Eucharistie

Chorklänge im Petersdom: Emotionaler Tag in der Vatikanstadt, nach der Papstaudienz feiert Bischof Jung mit den Wallfahrern im Petersdom Eucharistie
Bild © Paul Frigger (POW)

ROM / VATIKANSTADT – Als sich frühmorgens am Mittwoch, 9. September, die Menschenmassen auf den Petersplatz drängen, ist die Aufregung bei den 520 Pilgerinnen und Pilgern aus dem Bistum Würzburg groß. Das Highlight der Romwallfahrt der Kirchenchöre und Ziel der Pilgerreise ist erreicht: der Vatikan mit dem Petersdom.

Doch nicht nur das. An diesem sonnigen Tag nehmen die Mitglieder der Kirchenchöre an einer Papstaudienz teilnehmen. Nach den strengen Sicherheitskontrollen werden sie in das vordere Drittel des Petersplatzes geleitet. Ein Blick nach rechts und links macht die weltkirchliche Dimension dieses Moments deutlich. Würzburger Pilgerinnen und Pilger sitzen neben Gläubigen aus Polen, Brasilien und Spanien. Zu Beginn der Audienz sind es laut Vatican News 22.000 Menschen, die sich auf dem Petersplatz versammelt haben.

Je mehr Zeit vergeht und je voller der Platz wird, desto spürbarer steigt die Anspannung. Um 9.50 Uhr regen sich dann die ersten Köpfe, Kameras und Handys. Als Papst Leo XIV. plötzlich auf der Videoleinwand erscheint, ertönt Jubel. Langsam arbeitet sich das Papamobil an den Gläubigen vorbei. Auf der Leinwand ist zu sehen, wie der Papst Kinder segnet und den Gläubigen mit beeindruckender Ruhe zuwinkt. Stetig kommt er näher – bis er schließlich, nur für einen kurzen Moment, an den Würzburger Pilgerinnen und Pilgern vorbeifährt. „Papa!“, „Leo!“, rufen Hunderte Menschen.

In seiner Ansprache hebt der Papst die Bedeutung der Menschenwürde für die Gegenwart hervor. Die Würde von Personen hänge nicht von individuellen Fähigkeiten, Reichtum oder gesellschaftlicher Position ab. „Menschsein heißt immer Beziehung, Gemeinschaft und Teilhabe mit Gott und anderen.“ Mensch zu sein bedeute, sich selbst als ein Geschenk zu begreifen, welches mit anderen geteilt werden solle. Als sei es nicht bedeutend genug, eine Rede des Papstes auf dem Petersplatz zu hören, dürfen sich die Chorsängerinnen und -sänger über einen speziellen Gruß des Papstes freuen. Er dankt den Würzburger Pilgerinnen und Pilgern für ihr Glaubensbekenntnis. „Erinnern wir uns daran, dass es unsere höchste Berufung ist, Gott zu loben und zu preisen. Sein Lob sei immer in eurem Mund.“ Ein Gruß, der bei den Wallfahrerinnen und Wallfahrern Jubel erzeugt.

Allein dieses Erlebnis wäre genug, um diesen Tag und die ganze Romwallfahrt unvergesslich zu machen. Doch es ist nur das erste Highlight eines ereignisreichen Tages. Nach einer kurzer Mittagspause versammeln sich alle Pilgernden im Petersdom. Viele schwärmen noch immer von der Audienz.

Die prunkvollen Verzierungen und das Gefühl, in einem der wichtigsten Orte des Christentums zu stehen, lassen viele Pilgernde staunen. Stetig führt es die Gruppe in den hinteren Teil der Kirche. Vorbei an Papstgräbern, Denkmälern und der Bronzestatue des heiligen Petrus. In der „Cathedra Sancti Petri Apostoli“, der Apsis der Basilika, ist alles für einen Gottesdienst vorbereitet. Langsam füllen sich die Stuhlreihen mit Sängerinnen und Sängern. Nach kurzem Einsingen beginnt die Eucharistiefeier mit Bischof Dr. Franz Jung. Die gewaltige Stimmkraft der Pilgernden unter der Leitung von Diözesanmusikdirektor Rainer Aberle schallt durch den Petersdom. Und während die Kommunion gespendet wird, ist es der Kammerchor unter der Leitung von Christian Stegman, welcher trotz leiserer Klänge diesen Moment für viele besonders macht.

An der Absperrung, die von dem Sicherheitspersonal der Basilika errichtet wurde, sammeln sich immer mehr Touristen. Sie zücken ihre Handys, filmen das Innere des Doms oder lauschen einfach der Musik. Auch hier ist es nebensächlich, dass viele die deutschen Verse nicht verstehen. Ein Sicherheitsmitarbeiter berichtet mit strahlenden Augen, dass es der schönste Gottesdienst gewesen sei, den er von einer ausländischen Gruppe erlebt habe: „Vielen Dank, ich habe mich wie im Himmel gefühlt.“

Auch Bischof Jung hebt in seiner Predigt die Besonderheit dieses Moments hervor. „Wie schön, dass wir hier in der Hauptkirche des Christentums zusammen Gottesdienst feiern dürfen.“ Er zeigt auf den großen Bischofsthron, welcher in der „Cathedra Sancti Petri Apostoli“ über dem Altar zu schweben scheint. Es ist ein Thron aus vergoldeter Bronze, flankiert von zwei Engelsstatuen, und er ist fast 15 Meter hoch. Er wird gesäumt von vier fast sechs Meter hohen Statuen, die griechische und lateinische Kirchenlehrer darstellen. Doch der große, goldene Bischofsthron ist nur eine Schutzhülle. Im Inneren soll ein antiker Holzthron sein, welcher einmal der eigentliche Bischofsstuhl des heiligen Petrus gewesen sein soll. „Als ich 1990 nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hier in den Petersdom kam, in einer Zeit, in der Machthaber gestürzt wurden, habe ich diesen leeren Thron angeschaut. Auf einmal traf es mich: Bei uns muss niemand gestürzt werden“, berichtet Bischof Jung. „Dieser Thron ist leer. Denn er gebührt im Letzten nur Christus. Und alle, ob Papst, Bischof oder Priester, haben die Aufgabe, diesen Platz für Christus freizuhalten.“ Deswegen würden diejenigen seliggepriesen, die sich nicht selbst groß machen. „Es werden die seliggepriesen, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit. Wir sind als Christen gerufen, diesen Hunger mitzuempfinden und ihn mit Christus zu sättigen.“

Nach dem Gottesdienst bittet Bischof Jung zwei Pilgernde nach vorne: Margaretha und Manfred Schmidt feiern an diesem Tag ihr 50. Ehejubiläum. „Es geht hier in der Basilika des heiligen Petrus um die Treue bis in den Tod. Um das, was sich Eheleute am Tag ihrer Trauung versprechen. Danke für dieses wunderbare Zeugnis.“ Dann spendet Bischof Jung dem Ehepaar zum Ehejubiläum im Petersdom den Segen.

Nach einem ereignisreichen Tag werden die Wallfahrerinnen und Wallfahrer noch durch den Petersdom geführt. Zweifelsohne für viele ein anstrengender Tag, doch auch ein unvergesslicher.

Aus Rom berichtet Paul Frigger (POW)

Auf dem Bild © Paul Frigger (POW) | Am vierten Tag der Romwallfahrt der Kirchenchöre ging es für die Pilgerinnen und Pilger in den Vatikan. Dort konnten Sie bei der Papstaudienz dabei sein und im Petersdom mit Bischof Franz Jung eine Eucharistiefeier feiern.

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