Der neu entwickelte KlinikScanner zeigt die Kliniksterben Karte 2.0 und so viel mehr

Der neu entwickelte KlinikScanner zeigt die Kliniksterben Karte 2.0 und so viel mehr

DEUTSCHLAND – Wie verändert sich die Krankenhauslandschaft in Deutschland tatsächlich? Wo sinken Bettenzahlen, verschwinden Fachabteilungen oder verändert sich die Notfallversorgung? Welche Klinikstandorte sind von Teil- oder Komplettschließungen bedroht – und welche Krankenhäuser sind bereits verschwunden?

Antworten auf diese Fragen soll der grundlegend neu entwickelte KlinikScanner unter klinikscanner.de geben. Die Aktionsgruppe „Schluss mit Kliniksterben in Bayern“ präsentiert damit die Weiterentwicklung ihres seit 2020 bestehenden Informationsangebots. Aus einer ursprünglich weitgehend manuell gepflegten Karte ist ein dynamisches Recherchewerkzeug entstanden, das aktuelle Entwicklungen mit historischen Krankenhausdaten verbindet.

„Wir wollen nicht nur zeigen, welche Krankenhäuser heute vorhanden sind. Entscheidend ist für uns, sichtbar zu machen, wie sich ein Krankenhaus und die gesamte Krankenhauslandschaft über die Jahre verändert haben“, erklärt Mediengestalter Manuel Jokiel, der den KlinikScanner technisch neu entwickelt hat.

Amtliche Jahresstände werden miteinander vergleichbar

Grundlage des KlinikScanners sind die offiziellen Krankenhausverzeichnisse des Statistischen Bundesamtes ab dem Jahr 2020. Die unterschiedlichen Jahresstände wurden in einer gemeinsamen Datenstruktur zusammengeführt. Jedes Krankenhaus erhält dabei eine dauerhafte Identität, sodass seine Entwicklung über mehrere Jahre nachvollzogen werden kann.

Dadurch können beispielsweise Veränderungen der Bettenzahlen, Fachabteilungen und Notfallversorgung sichtbar gemacht werden. Auch Trägerwechsel und weitere strukturelle Veränderungen eines Standortes lassen sich über die Jahre hinweg nachvollziehen.

Besonders wichtig ist dabei die historische Perspektive: Ist ein Krankenhaus in einem späteren offiziellen Krankenhausverzeichnis nicht mehr enthalten, verschwindet es im KlinikScanner nicht einfach von der Karte. Sein Wegfall wird selbst zu einer dokumentierten Veränderung.

„Wenn wir Kliniksterben sichtbar machen wollen, dürfen geschlossene Krankenhäuser nicht anschließend aus der Betrachtung verschwinden“, so Emmerich. „Gerade der Vergleich mehrerer Jahre zeigt Entwicklungen, die bei der Betrachtung eines einzelnen Datenstandes verborgen bleiben.“

Amtliche Daten treffen auf nahezu aktuelle Entwicklungen

Die amtlichen Jahresstände werden durch eigene Recherchen ergänzt. Denn zwischen zwei offiziellen Krankenhausverzeichnissen können Monate liegen, während vor Ort bereits über Schließungen diskutiert, Fachabteilungen aufgegeben oder Entscheidungen wieder zurückgenommen werden.

Der KlinikScanner dokumentiert deshalb zusätzlich Bedrohungen, geplante Schließungen, Teilschließungen und bereits vollzogene Schließungen. Amtliche Daten und eigene Recherchen werden miteinander verknüpft, bleiben dabei aber in ihrer Herkunft unterscheidbar.

Einen wesentlichen Anteil an der kontinuierlichen Recherche hat Klaus Emmerich, Klinikvorstand im Ruhestand, von der Aktionsgruppe „Schluss mit Kliniksterben in Bayern“. Auch Rainer Neff vom Bündnis Klinikrettung und sein Team unterstützen bei der Vervollständigung der Informationen.

„Der Aufwand liegt nicht nur in der Technik, sondern vor allem darin, Entwicklungen vor Ort zu recherchieren, einzuordnen und aktuell zu halten“, erklärt Jokiel. „Kein kleines Team kann jede Veränderung an jedem Krankenhaus in Deutschland gleichzeitig kennen.“

Deshalb setzt der KlinikScanner zusätzlich auf Hinweise aus der Bevölkerung. Bürgerinitiativen, Krankenhausbeschäftigte, Kommunalpolitiker und andere Menschen vor Ort können über die Funktion „Änderung melden“ direkt Hinweise zu einem Krankenhaus übermitteln.

Karte, Verzeichnis, Historie und Statistiken

Die interaktive Karte bleibt das Herzstück von klinikscanner.de. Nutzer können die Krankenhauslandschaft deutschlandweit oder für einzelne Bundesländer betrachten und unter anderem nach Bedrohungslage und Notfallversorgung unterscheiden.

Daneben bietet der KlinikScanner ein vollständiges Klinikverzeichnis sowie Detailseiten zu den einzelnen Standorten. Historische Jahresstände ermöglichen es, die heutige Situation mit früheren Jahren zu vergleichen. Statistische Auswertungen sollen zusätzlich verdeutlichen, wie sich Anzahl und Struktur der Krankenhausstandorte verändern.

Selektierte Daten und Auswertungen können unter anderem als Excel- oder PDF-Datei exportiert werden. Auch Kartenansichten sollen für die weitere Verwendung ausgegeben werden können.

Damit richtet sich das Angebot nicht ausschließlich an Patientinnen und Patienten. Insbesondere Bürgerinitiativen und Klinikrettungsorganisationen, Krankenhausgesellschaften, Beschäftigte, Kommunal- und Gesundheitspolitiker sowie Journalisten sollen damit Entwicklungen recherchieren und eigenes Informationsmaterial erstellen können.

Klaus Emmerich sieht darin einen wesentlichen Mehrwert: Der KlinikScanner könne helfen, den Strukturwandel der Krankenhäuser und dessen Folgen für eine flächendeckende klinische Versorgung sichtbar zu machen und die Forschungsarbeit zu den Auswirkungen der Krankenhausreform zu unterstützen.

Der Anspruch des Projekts ist dabei nicht, den Nutzern eine fertige politische Bewertung vorzugeben. Vielmehr sollen Daten und Entwicklungen so zusammengeführt und aufbereitet werden, dass sich jeder selbst ein Bild machen kann.

„Wir können mit einer Karte kein Krankenhaus retten“, fasst Jokiel zusammen. „Aber wir können Informationen zusammentragen, Entwicklungen über Jahre sichtbar machen und den Menschen ein Werkzeug geben, die sich für ihre Krankenhausversorgung einsetzen.“

Der KlinikScanner ist unter klinikscanner.de frei zugänglich. Die laufende Weiterentwicklung und Datenpflege erfolgt ehrenamtlich. Hinweise auf noch nicht erfasste Veränderungen können direkt über die Website eingereicht werden.

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