„Niemand kam, um uns zu evakuieren“: Patient kritisiert Sicherheitsinformationen in psychosomatischer Klinik

„Niemand kam, um uns zu evakuieren“: Patient kritisiert Sicherheitsinformationen in psychosomatischer Klinik
Bild: ChatGPT / künstliche Intelligenz.

BAD NEUSTADT – Ein ehemaliger Patient der Psychosomatischen Klinik Bad Neustadt erhebt Vorwürfe zur Patienteninformation und Aufarbeitung eines nächtlichen Feueralarms.

In der durch die Klinik ausgegebenen Patientenmappe sei für seine Stationsebene ein „stiller Feueralarm“ beschrieben worden. Zudem sollten Patienten im Brandfall auf ihren Zimmer bleiben und durch Personal evakuiert werden.

Während seines Aufenthalts kam es am 26.05.2026 gegen 1:00 Uhr nachts jedoch zu einem sehr lauten akustischen Feueralarm in seinem Patientenzimmer. Eine Evakuierung oder Unterstützung durch Personal habe er nicht erlebt. Nach einer langen Wartezeit entschied er sich dazu, das Gebäude selbstständig zu verlassen.

Auf diesem Weg, sowie später nach dem Vorfall, sah er mehrere andere Patienten, die offensichtlich sehr aufgelöst und mit der Situation überfordert waren. Und auch noch nach vielen Wochen war der Vorfall unter den Patienten ein häufiges und emotionales Gesprächsthema.

Eine anschließende Aufarbeitung durch die Klinik fand seinen Angaben nach nicht statt. Der Patient (der Name ist www.mainfranken.news bekannt) wandte sich jedoch mehrfach an die Klinik, sowohl in persönlichen Gesprächen als auch schriftlich, und wünschte eine vollständige Aufklärung. Die Klinik antwortete aus seiner Sicht stets ausweichend und behauptete, dass die Patienteninformation veraltet sei, da das Brandschutzkonzept angepasst wurde.

Gleichzeitig kommentierten mehrere Mitarbeiter ihm gegenüber sinngemäß „Bei Ihnen daheim kann doch auch der Feuermelder losgehen…“. Wann die angebliche Änderung des Brandschutzkonzepts erfolgt sein soll und warum die Patienteninformation nicht entsprechend angepasst wurde, verschweigt die Klinik ihm gegenüber bislang. Zudem erfuhr der Patient nach ca. vier Wochen von neuangekommenen Patienten, dass die angeblich veraltete Patienteninformation weiterhin ausgegeben wird.

Der Patient sieht darin ein ernsthaftes Sicherheits- und Organisationsproblem, besonders in einer psychosomatischen Klinik mit psychisch vulnerablen Menschen. Nach eigenen Angaben habe der Vorfall bei ihm zu erheblicher Destabilisierung geführt. Zudem könnte ein Verbleib auf den Zimmern im Ernstfall erhebliche Konsequenzen haben. Mehrere relevante Stellen wurden bereits über den Sachverhalt informiert. Im Interesse aller Patienten kann man aus seiner Sicht nur auf eine schnelle Aufarbeitung und zukünftige Verbesserung hoffen.

Seitens der Klinik reagierte man nun auf entsprechende Nachfragen. „Wir nehmen den Vorfall und Rückmeldungen unserer Patientinnen und Patienten sehr ernst. Die lückenlose Aufklärung rund um den Fehlalarm sowie das Wohlbefinden der betroffenen Personen haben bei uns oberste Priorität“, schreibt Heike Ochmann von der Unternehmenskommunikation.

Der Fehlalarm sei durch das Fehlverhalten eines einzelnen Mitpatienten in dessen Zimmer ausgelöst worden. Das führte automatisch zu einer Evakuierung der Klinik.

Die Umstellung des Alarmsystems von einem stillen auf ein akustisches Signal, das erst wenige Wochen vor dem Vorfall erfolgt ist, soll dem bestmöglichen Schutz aller Personen dienen und erfolgte in enger Abstimmung mit den Brandschutzbehörden.

„Leider lag den Patientinnen und Patienten zum Zeitpunkt des Fehlalarms durch ein internes Versehen eine Version unserer Patienteninformation vor, die noch nicht den aktuellen Stand der Benachrichtigung auswies“, bestätigt Heike Oschmann. „Wir bedauern diesen Vorfall zutiefst und haben uns bei den betroffenen Patientinnen und Patienten entschuldigt sowie den Vorfall aufgearbeitet. Uns ist bewusst, dass die Situation zu Besorgnis und Verunsicherung geführt hat.“

Man prüfe den Sachverhalt derzeit intern und befindet sich im bilateralen Austausch mit dem Patienten und dem zuständigen Belegungsträger. Vor Abschluss dieser internen Auswertung werde man keine weiteren Detailauskünfte erteilen.

Aufmacherbild: ChatGPT / künstliche Intelligenz.
Das Bild unten zeigt die Patienteninformation zum Zeitpunkt des Vorfalls im Mai diesen Jahres.

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert