Die Linke Würzburg Mainfranken lehnt den Bau einer Multifunktionsarena entschieden ab

Die Linke Würzburg Mainfranken lehnt den Bau einer Multifunktionsarena entschieden ab

WÜRZBURG – Die Linke Würzburg Mainfranken lehnt den Bau einer Multifunktionsarena im Stadtteil Grombühl entschieden ab. „Wir haben bereits im Kommunalwahlkampf darauf hingewiesen, dass wir dieses Projekt für überdimensioniert halten und wir erwarten erhebliche Nachteile für uns Würzburger*innen durch absehbare Kürzungen in zentralen Bereichen“, so die Linke in einer Pressemeldung.

In der heißt es weiter: „Wir sagen: Würzburg braucht keine Prestigeprojekte auf Kosten von Kultur, Sozialem und Daseinsvorsorge. Wir brauchen eine Stadt, die ihre Mittel gerecht verteilt, freie Kultur stärkt, soziale Einrichtungen absichert und niemanden zurücklässt.

Für jedes größere Bauprojekt gilt: Die veranschlagten Kosten sind allenfalls eine grobe Schätzung, die tatsächlichen Kosten – das wurde nicht zuletzt beim Mainfrankentheater deutlich – schießen aus den unterschiedlichsten Gründen in die Höhe. In welche Richtung die zu erwartende Kostenexplosion gehen wird zeigt schon der überhöhte Grundstückspreis von fast 850,- Euro pro Quadratmeter. Die Zeitung vom 30.07. zitiert hier einen nicht namentlich genannten Immobilienexperten aus Würzburg: „Dafür bekomme ich die besten Grundstücke im Frauenland. … kein vernünftiger Mensch würde das Grundstück für mehr als fünf Millionen kaufen.“ Martin Heilig aber möchte „per Handschlag“ ein überteuertes Grundstück erwerben – dies lehnen wir nachdrücklich ab.

Die Arena Würzburg Projektgesellschaft betreibt eine aufwändige Website, deren einziges Ziel es offenbar ist, jegliche Zweifel am Projekt Multifunktionshalle zu bagatellisieren. Die Multifunktionsarena ist in dieser Lesart das Projekt, auf das Würzburg nur gewartet hat: „Mit der Arena kommen neue Formate nach Würzburg: internationale Konzerte und Shows, Entertainment- und Comedy-Programme, Galas, Speaker-Events, E-Sports und Gamer-Conventions sowie Kongresse mit mehreren tausend Teilnehmenden. Zudem benötigt das Erstliga-Basketballteam Fitness First Würzburg Baskets künftig eine Spielstätte mit mindestens 4.500 Plätzen – eine Anforderung der Basketball-Bundesliga, die aktuell in Würzburg nicht erfüllt wird.“ (https://www.arena-wuerzburg.de/de/die-arena/wozu-eine-arena-fuer-wuerzburg)

Für uns ist klar: Die so definierte Halle hat mit „Kultur von unten“ und „Kultur für alle“ nicht viel zu tun. Die Linke steht für eine Kulturpolitik, die alle mitnimmt und das bedeutet auch, dass Kultur bezahlbar bleiben muss. Die Projektgesellschaft hat aber wohl eher die „anspruchsvollen Gäste“ im Blick: „So entsteht ein Ort, der nicht nur Sport- und Kulturhighlights bietet, sondern auch ideale Möglichkeiten für Unternehmen und Geschäftskunden, Kontakte zu pflegen und Netzwerke auszubauen.“ (ebd.)

Dass hiermit Lobbyismus und „Spezlwirtschaft“ eine Bühne geboten wird, ist für uns offensichtlich. Die veranschlagten 34,5 Millionen Euro sind nicht einfach nur eine Zahl. Für viele Menschen ist die Art von Kultur, die damit entwickelt werden soll unbezahlbar – was bringt der Mehrheit der Stadtgesellschaft eine Halle, die sie sich nicht leisten kann, die nicht für sie gebaut und betrieben wird.

Unser Bundestagsabgeordneter Aaron Valent stellt in diesem Zusammenhang fest: „Wir als Linke treten ein für eine Förderung des kulturellen Lebens in allen Milieus und Regionen, in Metropolen und in ländlichen Räumen, in Kulturinstitutionen und freier Szene, als Basis für die Verständigung zwischen den verschiedenen Gruppen der Gesellschaft. Die Multifunktionsarena kann diesen Anspruch nicht erfüllen.“

Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Stadtrat, Anna-Maria Dürr, ergänzt: „Wir lehnen die Halle auch ab, weil die Vergaberichtlinien der Bauaufträge höchst unklar sind. Es ist beispielsweise nicht sichergestellt, dass nur Betrieben, die nach Tariflöhnen bezahlen, Aufträge erteilt werden, wir wissen nicht, ob die von einer künftigen Betreibergesellschaft angestellten Beschäftigten nach Tarif entlohnt werden und die Stadt hat darauf keinen Einfluss. Die Erfahrungen mit Großprojekten, die in Private Public Partnership durchgeführt werden, sind eindeutig: Interessant für die Betreiber ist die Halle so lange, wie sie rentabel ist. Steigen die Kosten für die Instandhaltung, werden die Kommunen zur Kasse gebeten. Die vielfältigen Erfahrungen in Hamburg, Köln und Berlin sind hier warnende Beispiele.“

Was brauchen wirklich alle Menschen in Würzburg? Brauchen wir eine Halle für Großveranstaltungen? Oder brauchen wir endlich saubere, sichere und sanierte Schulen, in die unsere Kinder gerne gehen?

Brauchen wir eine Arena? Oder brauchen wir mehr Frauenhausplätze, eine besser ausgestattete Bahnhofsmission, Hilfsangebote für Jugendliche, Menschen mit Suchterkrankungen und Obdachlose?

Brauchen wir eine Eventhalle? Oder brauchen wir saubere öffentliche Toiletten, konsumfreie Begegnungsorte und Plätze, an denen Menschen zusammenkommen können, ohne etwas kaufen zu müssen?

Brauchen wir ein Prestigeprojekt? Oder brauchen wir einen kostenlosen oder deutlich günstigeren öffentlichen Nahverkehr, damit Mobilität für alle möglich wird und wir gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz leisten?

34,5 Millionen Euro könnten bedeuten, den Bürger*innen den Zugang zu kostenfreier und klimaneutraler Mobilität zu ermöglichen. Sie könnten in sozialen Wohnungsbau fließen, in Housing-First-Projekte für obdachlose Menschen, für Präventionsarbeit gegen Gewalt und Suchterkrankungen.

Eine Stadt wird nicht dadurch lebenswerter, dass sie immer größere Veranstaltungen ausrichten kann. Sie wird dadurch lebenswerter, dass Kinder gute Schulen haben, Frauen Schutz finden, Jugendliche Perspektiven erhalten, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen mobil bleiben und niemand auf der Straße leben muss. Das wäre eine Stadt für alle.

Deshalb sagen wir:
Nein zur geplanten Multifunktionsarena!
Keine Gelder für Prestigeobjekte, sondern „Kultur für alle“!
Förderung kleiner und mittlerer Kulturprojekte statt einer Halle für 7.000 Besucher*innen!“

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