DÜSSELDORF / BAD KÖNIGSHOFEN – Es war ja davon auszugehen, dass es eine klare Sache werden würde vor 3500 Zuschauenden in der Düsseldorfer Mitsubishi Electric Halle. Auch, dass der Olympiasieger und Weltmeister Fan Zhendong alles überstrahlen würde.
Vielleicht sogar, dass man mit dem TSV Bad Königshofen kurzen Prosess machen würde, so wie beim ersten Spiel mit Bad Homburg: 3:0 Spiele, 9:0 Sätze, sogar ohne Fan. Aber nein, es zeigte sich, dass zu einem Mega-Event über fast dreieinhalb Stunden mehr als ein Topstar gehört und auch mehr als eine herausragende Mannschaft, sondern auch ein sehr, sehr guter Gegner.
Das waren die Königshöfer, wehrten sich vier Spiele und 7:10 Sätze lang. Ex-Borusse Timo Boll bestätigte den Gästen: „Wenn sie immer so auftreten wie heute, werden sie eine bessere Saison als die letzte spielen.“ Gewiss: Dieser Neuzugang Liao Cheng-Ting hat jetzt zwar Verein- und Saison-übergreifend eine 1:7-Bilanz. Bei seinen zwei 2:3-Niederlagen für den TSV fehlte halt der Killerinstinkt, noch. Eine Blockade, die sich mit einem Sieg lösen könnte.
Schon das erste Spiel dieses Welcome-Fan-Zhendong-Events führte den weltbesten Spieler dieses Jahrzehnts mit der wahrscheinlich größten Nachwuchshoffnung des DTTB, U21-Europameister Andre Bertelsmeier, zusammen. Freilich kreischten ein paar Tausend überwiegend weibliche Fans aus dem Reich der Mitte nur für ihren Landsmann, der zum ersten Mal für die Borussia aufschlug. Doch es war alles andere als ein einseitiges Spiel. Timo Boll nannte es sogar „ein total offenes.“
Bertelsmeier gewann sogar den ersten Satz 11:9. Es war der erste Satzverlust der Saison für die Borussia und von Fan Zhendong. Im vierten war Andre bis 9:10 ganz nah dran. Dann spielte jene Netzkante Schicksal. Boll sprach von „Schachspiel auf höchstem Niveau bei höchster Geschwindigkeit“, vom „spektakulären Spiel, Wahnsinns-Athletik dere Beiden“ und einer „tollen Moral von Andre“, der den Superstar „vor eine große Aufgabe gestellt“ habe. Nun ja, zählt zwar nicht, sollte aber Mut machen für künftige Aufgaben.
Filip Zeljko war von TSV-Trainer Timo Neumann überraschend, vermutlich aus taktischen Gründen, an Position 1 aufgeboten und nutzte seinen ersten Einsatz der Saison zu seinem ersten Sieg: 3:1 gegen den US-Amerikaner Kanak Jha, immerhin Nr. 28 der Weltrangliste. Neumann begründete aber auch, Filip sei trotz 2:14 Bilanz im Vorjahr „sehr motiviert, fleißig, ein anständiger Kerl.“ Timo Boll schätzte ihn „im unteren Mittelfeld der Liga“ ein. Doch der TSV-Speedking aus Kroatien zeigte eine mehr als solide Leistung und nach 2:1-Satzführung in der entscheidenden Phase im vierten Durchgangs bereit für den Überraschungscoup. Mit seinem dritten Matchball zum 12:10 glich er zum 1:1-Zwischenstand zur Pause aus.
Da Bastian Steger und Daniel Habesohn diesmal nur beratende Funktion auf der Bank hatten, hätte Liao Chen-Ting den Einzel-Europameister Dang Qiu schlagen müssen, um die Partie offen zu halten. Wie seine Teamkollegen gewann auch Liao den ersten Satz und zwang den Gastgeber in den fünften, in dem ihm ab 4:4 aber die Luft ausging und er die letzten sieben Bälle abgeben musste.
Die Wunschsituation der Borussen war damit erreicht: 2:1-Führung vor Fan Zhendongs zweitem Auftritt im Einserduell. Zeljko verbuchte nur den dritten Satz für sich, unterlag im vierten mit 11:13: Ehrenhaft durchaus, so wie die Teamleistung, wofür es aber keine Punkte gibt.
Tischtennis-Bundesliga: Borussia Düsseldorf – TSV Bad Königshofen 3:1
Fan Zhendong – Bertelsmeier 3:1
(9:11/11:5/11:8/11:9)
Kanak Jha – Zeljko 1:3
(8:11/3:11/11:6/12:10)
Dang Qiu – Liao Cheng-Ting 3:2
(8:11/11:8/10:12/11:5/11:4)
Fan Zhendong – Zeljko 3:1
(11:4/11:3/9:11/13:11)
Zuschauende: 3500
Auf dem Bild: Filip Zeljko holte den einzigen Sieg in Düsseldorf gegen den US-Amerikaner Kanak Jha, Nr. 28 der Weltrangliste.
Text und Foto: Rudi Dümpert für www.mainfranken.news

