Und wieder läuft man der Musik hinterher: Der TSV Bad Königshofen unterliegt dem ASC Grünwettersbach im Duell der beiden Tabellenletzten der Vorsaison

Und wieder läuft man der Musik hinterher: Der TSV Bad Königshofen unterliegt dem ASC Grünwettersbach im Duell der beiden Tabellenletzten der Vorsaison

BAD KÖNIGSHOFEN – Nach viereinhalb Stunden, eine halbe Stunde vor Mitternacht, war der Würfel gefallen. Der erneute Fehlstart in die Saison, den man unbedingt vermeiden wollte, war für den Tischtenis-Bundesligiisten TSV Bad Königshofen Fakt.

Nach dem 3:0 im April gegen den ASC Grünwettersbach gelang diesmal der Mannschaft aus dem Karlsruher Stadtteil die Revanche. In einem Spiel, in dem es mehr Wendungen nicht hätte geben können, setzte es eine 2:3-Niederlage für den TSV Bad Königshofen. Die bei vielen Millimeter-Entscheidungen mehrfach zu vermeiden gewesen wäre.

Da hatte in dem Augenhöhe-Duell der U21-Europameister Andre Bertelsmeier (20) dem Portugiesen Tiago Apolonia (40) den ersten Satz abgeknöpft und im zweiten bei 11:10 Satzball, unterlag aber 12:14. Angesichts der Aufstellung beider Teams war absehbar, dass ein Rückstand fatale Folgen haben könnte. Hatte er auch, denn Bertelsmeier verlor 1:3. Und was Liao Cheng-Ting (30) bei seinem ersten Einsatz für den TSV anzubieten hatte, war unerschlossen wie ein Buch mit sieben Siegeln. Ein Sieg sollte aber doch möglich sein. Der Brite Tom Jarvis (26), seit der Winterpause bei den Gästen mit 5:7-Bilanz, schien nicht unschlagbar. Auch Liao gewann den ersten Satz, ging 2:1 in Führung, hatte im vierten bei 10:9 sogar Matchball. Er verlor ihn aber 11:13 und den Entscheidungssatz – 0:2 zur Pause.

Also musste doch wieder der alte Haudegen Bastian Steger die Kastanien aus dem Feuer holen. Gegen seinen ehemaligen Nationalmannschafts-Kollegen Ricardo Walther gewann auch er, wie seine zwei Teamkollegen zuvor, den ersten Satz. Pessimisten sahen darin schon das Menetekel an der Wand, dass ihm dasselbe passieren würde. Prompt verlor auch er den zweiten und dritten, lag im vierten 1:6 hinten. Doch dann zog er „Ric“ doch noch den Zahn. Der hatte ihn beim Schiri wegen Zeitüberschreitung bei der Time-out-Minute, Gelb fordernd, anschwärzen wollen. Das passt nun mal nicht zur Fairplay-Sportart Tischtennis.

Steger aber kratzte das nicht, motivierte ihn umso mehr. Er holte sich diesen vierten Satz noch mit 13:11 und den fünften auch. „Ein Ergebnis mit Signalwertung“, verkündete Hallensprecher Jürgen Halbig. „A Hund isser scho, der Basti“, traf das Lob eines älteren Fans auf der Tribüne den Nagel auf den Kopf – nur noch 1:2 nach drei Stunden Wettkampf, mit Betonung auf Wortteil zwei.

Womit Andre Bertelsmeier in die Pflicht genommen war. Im Einser-Duell sollte er schaffen, was Liao nicht gelungen war: den unheimlich auftrumpfenden Briten Tom Jarvis schlagen und zum 2:2 ausgleichen. Wurde er vom neuen Trainer Timo Neumann entsprechend eingestellt, wie der gefährlich kurze Aufschlag von Jarvis zu returnieren sei? Es wurde Hochgeschwindigkeits-Tischtennis daraus. Vom Menetekel her betrachtet zum Glück, verlor er den ersten Satz, gewann dafür die nächsten drei.

2:2 also, und nach einer Saison ohne Doppel das erste gleich zum Auftakt. Beide Trainer, Neumann und der Bad Königshofer Kilian Ort auf Seiten von Grünwettersbach, schickten ihre Routiniers in die Box: Steger/Habesohn gegen Apolonia/Walther – 157 Lebensjahre. Es sollte sich wieder einmal zeigen, wie entscheidend Eingespielt-Sein im Doppel ist. Diese zwei TSV´ler hatte man noch nie zusammen spielen gesehen.

Worin vermutlich auch die Hauptursache zu finden war: Es passte einfach nicht so recht, wenn´s eng wurde hinterm Tisch – 1:3, Gesamtstand 2:3, nach einem gefühlt epischen Wettkampf. Jetzt läuft man halt gleich wieder der Musik hinterher.

Immerhin knapp über 500 Zuschauer kamen – eine Menge angesichts eines späten Dienstagabends und kaum zehn Kilometer entfernt dem parallen Gastspiel der Münchner Löwen in Aubstadt mit 3.000 Fans. Noch mehr dürften es am Samstag werden – beim Tischtennis, denn Bad Königshofen tritt bei Borussia Düsseldorf an, das sein Match in die große Mitsubishi Electric Halle verlegt hat, um dort den Neuzugang Fan Zhendong zu präsentieren, ein Weltmeister und Olympiasieger aus China.

Tischtennis, Bundesliga: TSV Bad Königshofen – ASC Grünwettersbach: 2:3

Bertelsmeier – Apolonia 1:3
(11:9/12:14, 7:11/8:11)
Liao – Jarvis 2:3
(11:5/8:11/11:7/11:13/7:11)
Steger – Walther 3:2
(11:8/7:11/8:11/13:11/11:8)
Bertelsmeier – Jarvis 3:1
(8:12/12:10/11:6/13:11)
Steger/Habesohn – Apolonia/Walther 1:3
(10:12/7:11/11:2/5:11)
Zuschauende: 502

Text und Bilder: Rudi Dümpert für www.mainfranken.news

Auf den Fotos:

Andre Bertelsmeier glich zum 2:2-Zwischenstand aus.

Liao Cheng-Ting debütierte beim TSV Bad Königshofen mit einer Niederlage.

Daniel Habesohn und Bastian Steger unterlagen im Entscheidungsdoppel gegen Tiago Apolonia/Ricardo Walther.

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