SCHWEINFURT – Mit einem feierlichen Festakt hat das Leopoldina-Krankenhaus Schweinfurt Ende Juli das 20-jährige Bestehen der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie gefeiert.
Zahlreiche Gäste aus Politik, Gesundheitswesen, Jugendhilfe, Schule, und weiteren Partnerinstitutionen kamen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie zusammen, um auf die Entwicklung der Klinik zurückzublicken und den Blick auf künftige Herausforderungen zu richten.
Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Leopoldina-Geschäftsführer Jürgen Winter. In seinem Grußwort würdigte er die Entwicklung der Klinik seit ihrer Eröffnung im Juli 2006. Aus einer neu gegründeten Fachabteilung mit zunächst vier Mitarbeitenden ist in zwei Jahrzehnten eine differenzierte, hoch ausgelastete und überregional wahrgenommene Klinik mit multiprofessionellem Team geworden.
„Diese Klinik versorgt nicht nur. Sie entwickelt Konzepte, sie bildet aus, sie gibt Wissen weiter und sie setzt fachliche Impulse“, betonte Jürgen Winter. Sein besonderer Dank galt dem gesamten Team der KJPP: „Sie geben dieser Klinik jeden Tag ein menschliches Gesicht.“
Die Klinik wurde am 21. Juli 2006 offiziell eröffnet. Sie erhielt den Versorgungsauftrag vom Bezirk Unterfranken für die Stadt Schweinfurt sowie die Landkreise Bad Kissingen, Haßberge, Rhön-Grabfeld und Schweinfurt – einschließlich der öffentlich-rechtlichen Unterbringung. Heute behandelt die Klinik Kinder und Jugendliche über das gesamte kinder- und jugendpsychiatrische Spektrum und die gesamte Altersspanne hinweg. Dazu zählen unter anderem Aufmerksamkeitsstörungen, Ängste und Zwänge, depressive Erkrankungen, Essstörungen, autistische Verhaltensweisen, Traumafolgestörungen sowie akute Krisen und Selbstgefährdung.
Die Bedeutung der Klinik für die Region zeigt sich auch in den Behandlungszahlen: Jährlich werden mehr als 1.000 Fälle ambulant, rund 125 Patientinnen und Patienten teilstationär sowie mehr als 250 Fälle stationär behandelt. Die Klinik umfasst aktuell unter anderem eine Psychiatrische Institutsambulanz, tagesklinische Angebote, stationäre Plätze sowie einen geschlossenen Bereich für öffentlich-rechtliche Unterbringungen. Unter der Leitung von PD Dr. Wolfgang Briegel, Gründungschefarzt und Klinikleiter, wurden besondere therapeutische und konzeptionelle Schwerpunkte gesetzt.
Dazu zählen Parent-Child Interaction Therapy (kurz PCIT), eine Eltern-Kind-Therapie mit Live-Coaching zur Stärkung der Beziehung und zum besseren Umgang mit herausforderndem kindlichem Verhalten, Triple P, ein Elterntraining zur Förderung von positiver Erziehung und elterlicher Kompetenzen, das TOP-FIT-Konzept, ein therapeutisches Modell mit Inneren Anteilen zur passgenauen Behandlung psychischer Erkrankungen, sowie Elternarbeit und multiprofessionelle Behandlung. Der Klinik angeschlossen ist die Akademie für Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter mit internationaler Bedeutung.
In seinem Vortrag mit Diashow blickte PD Dr. Briegel auf die Geschichte der Klinik, prägende Entwicklungen sowie aktuelle und zukünftige Herausforderungen. Dabei hob er hervor, wie wichtig die Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen und Hilfesysteme für eine wirksame kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung ist: „Enge Vernetzung ist essentiell.“ Als eine der größten aktuellen Herausforderungen für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen benannte er das „Leben in einer digitalisierten Welt“. In diesem Bereich steht vor allem die frühzeitige Prävention, der verantwortungsvolle Umgang mit digitalen Medien, eine stärkere Vernetzung regionaler Hilfesysteme sowie die Sicherung evidenzbasierter Behandlungsangebote im Mittelpunkt.
Auch Oberbürgermeister Ralf Hofmann richtete ein Grußwort an die Gäste, würdigte die Bedeutung der Klinik für Stadt und Region und zollte dem Team Respekt für die geleistete Arbeit. Er bezeichnete die Klinik als „Anker und mitunter bitter nötigen Halt für Kinder und Eltern in der Region“. Mit Unterstützung der Klinik sei es oft genug gelungen, eine gewisse „Leichtigkeit“ im Alltag der Familien wiederzuerwecken.
Zum Abschluss betonte Geschäftsführer Jürgen Winter die bleibende Bedeutung der Klinik: „20 Jahre KJPP am Leopoldina-Krankenhaus – das ist etwas ganz Besonderes, auf das wir stolz sein können und das für die Bevölkerung dieser Stadt und dieser Region von besonderer Wichtigkeit ist – gerade jetzt und in Zukunft.“
Einen persönlichen Rahmen erhielt der Festakt durch die musikalische Begleitung von Patientinnen aus der Musiktherapie unter der Leitung von Kreativtherapeut Alexander Jansen. Im Anschluss an die offiziellen Programmpunkte klang die Feier bei einem BBQ in ungezwungener Atmosphäre aus.
Zum Jubiläum der KJPP, deren Versorgungsauftrag die Stadt Schweinfurt sowie die Landkreise Bad Kissingen, Haßberge, Rhön-Grabfeld und Schweinfurt umfasst, kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Stadt, Landkreis, Landespolitik und Krankenhausleitung zusammen: Stefan Rottmann (einer der stellv. Landräte des Landkreises Schweinfurt), Ralf Hofmann (Oberbürgermeister der Stadt Schweinfurt), PD Dr. med. Wolfgang Briegel (Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie), Michael Ziegler (Landrat des Landkreises Haßberge), Jürgen Winter (Geschäftsführer Leopoldina-Krankenhaus), Paul Knoblach (MdL) und Martina Gießübel (MdL).
Foto: Indre Leikert
