SCHWEINFURT – Am 29. Juli 2026 fanden die jährlichen wohnungspolitischen Gespräche der Arbeitsgemeinschaft der Schweinfurter Wohnungsunternehmen (ARGE) statt.
Die ARGE besteht aus dem Bauverein Schweinfurt eG, der Eisenbahner-Baugenossenschaft Schweinfurt EG, der Postbaugenossenschaft Schweinfurt eG und der Stadt- und Wohnbau GmbH Schweinfurt, kurz SWG. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, breite Schichten der Schweinfurter Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum zu versorgen.
Zu Beginn begrüßte Alexander Förster, Vorsitzender der ARGE, neben Oberbürgermeister Ralf Hofmann die Referenten André Lohmann vom Büro Perleth und Partner, Ralf Deuerling, Klimaschutzmanager der Stadt Schweinfurt, Prof. Elisabeth Endres, Büro Hausladen und den Verbandsdirektor des Verbands bayerischer Wohnungsunternehmen e. V. (VdW Bayern), Hans Maier, sowie Wolfgang Heck von der Arbeitsgemeinschaft der unterfränkischen Wohnungsunternehmen.
Als Oberbürgermeister der Stadt Schweinfurt richtete Ralf Hofmann ein Grußwort an die Referenten und Gäste. Dabei betonte er, dass ihm die Themen der Branche immer noch ein Anliegen seien, auch wenn seine Tätigkeit beim Bauverein mit der Übernahme des Oberbürgermeisteramtes geendet hat. Besonders relevant sei für ihn die Frage, wie die Mieten auch künftig in einem Rahmen gehalten werden können, der für die Menschen tragbar ist.
Den fachlichen Auftakt machte André Lohmann mit seinem Vortrag „Klimaresiliente Außenanlagengestaltung unter dem Motto Mikroklima optimieren“. Wichtige Aspekte zur Verbesserung des Mikroklimas seien lt. Lohmann der Grad der Versiegelung, der Erhalt alter Baumbestände bei Baumaßnahmen, die Speicherung von Wasser auf den jeweiligen Grundstücken, die Bodenqualität und die Dach- und Fassadenbegrünung. Für die Umsetzung entsprechender Maßnahmen verwies er auf das Förderprogramm „Grüne und blaue Infrastruktur“. Ziel sei es dabei, in den Wohnquartieren die Wohnqualität zu verbessern. Hier würden auch kleinere Maßnahmen wie z. B. Entsiegelung und Bepflanzung von Restflächen große Wirkung zeigen. Durch gezielte Wasserspeicherung könne auf städtischen Flächen eine Klimaverbesserung erreicht werden (Schwammstadt).
Im Anschluss referierte Frau Prof. Elisabeth Endres vom Büro Hausladen zum Thema „Stresstest Hitze”. Sie erläuterte zwei Ansätze, durch die sich die Wirtschaftlichkeit beim Wohnungsbau verbessern lasse: Einerseits durch den Gebäudetyp E, anderseits durch den Hamburg Standard. Lt. Endres habe sich gezeigt, dass die bisherige KfW-Förderung mit den jeweiligen speziellen Anforderungen zu Fehlsteuerungen geführt habe. Überdies berichtet Endres, die Charité in Berlin müsse zwischen Juni und August aufgrund der Hitzeentwicklung eine Priorisierung bei der Patientenaufnahme vornehmen. Im Jahr 2025 habe es zudem rund 6 % mehr Hitzetote gegeben als die Jahre zuvor. Die Senkung der Temperatur über Lüftungsanlagen sei oftmals nicht effektiv, führte Endres weiterhin aus.
Ralf Deuerling, Klimaschutzmanager der Stadt Schweinfurt, ging anschließend auf die Herausforderungen des Klimawandels auf kommunaler Ebene ein. Anhand einer Grafik verdeutlichte er, dass nach einer stetigen Entwicklung von über 800.000 Jahren nun die CO2-Konzentration exponentiell steige. Die Konsequenzen hieraus seien unter anderem Heißzeiten, Brände, Ernteverluste, Todesfälle, Starkregen und Überflutungen. Bis zum Jahr 2100 sei so ein Anstieg der Durchschnittstemperatur um bis zu fünf Grad Celsius zu erwarten, wodurch mit sechsmal so vielen Hitzetoten zu rechnen sei. Abschließend stellte Deuerling verschiedene Projekte der Stadt Schweinfurt zur Entsiegelung und Begrünung von Flächen vor. Anhand von Fotos verdeutlichte er die Maßnahmen zum Umbau am Schelmsrasen, zur Begrünung des Bahnhofvorplatzes bei der AOK, in der Niederwerrner Straße und Georg-Schäfer-Straße. Weiterhin führte er als Beispiele die Mainlände und die Begrünungsmaßnahmen im Maintal an.
Zum Abschluss berichtete Hans Maier, Verbandsdirektor des VdW Bayern, über die aktuelle Situation der Wohnraumförderung. Zwar stünden in Bayern Rekordmittel für die Wohnraumförderung zur Verfügung, diese führten jedoch bislang nicht zu einer entsprechenden Steigerung der Neubautätigkeit. Dies liege darin begründet, dass die erhöhten Fördermittel nicht ausreichen, um die steigenden Baukosten und die weiteren Preissteigerungen rund um den Wohnungsbau auszugleichen. Die neue Wohnraumförderung trete zum 1. Januar 2027 in Kraft und umfasse ein Standard- sowie ein Kommunalprogramm. Für kommunale Wohnungsunternehmen stünden Fördermittel in Höhe von insgesamt 500 Millionen Euro bereit, deren Auszahlung allerdings zeitlich gestreckt erfolge. Die Sozialbindungszeit belaufe sich hierbei auf 35 Jahre. Gleichzeitig entfielen alle technischen Vorgaben sowie die bisherige Baukostenobergrenze. Förderanträge könnten noch bis zum 15. Oktober 2026 gestellt werden. Neben dem Kommunalprogramm wird das bisherige Förderprogramm mit ebenfalls einem Volumen von 500 Millionen Euro für nicht kommunale Wohnungsunternehmen fortgesetzt. Als weiterhin große Herausforderung bezeichnete Maier die Entwicklung der Baukosten, die seit 2019 um circa 50 Prozent gestiegen seien. Lösungsansätze werden insbesondere im seriellen und modularen Bauen sowie im Gebäudetyp E gesehen. Darüber hinaus werde die Situation für die Mitgliedsunternehmen des VdW Bayern auf dem Wohnungsmarkt immer schwieriger, da die kommunale Verschuldung und dadurch bedingt die Grundstückspreise stiegen. Anschließend sprach sich Maier für steuerliche Anreize, insbesondere über erhöhte Abschreibungen für Abnutzung (AfA), aus, um den Wohnungsbau anzukurbeln.
Auf dem Bild von links nach rechts: Rüdiger Köhler, Baureferent Stadt Schweinfurt; Rainer Wirth, Vorstand Eisenbahner-Baugenossenschaft Schweinfurt eG; Alexander Förster, Geschäftsführer Stadt- und Wohnbau GmbH Schweinfurt; Prof. Elisabeth Endres, Mitglied der Geschäftsführung Ingenieurbüro Hausladen GmbH; Ralf Hofmann, Oberbürgermeister Stadt Schweinfurt; Birgit Umhöfer, Vorstand Bauverein Schweinfurt eG; Hans Maier, Verbandsdirektor VdW Bayern e.V.; Ralf Deuerling, Klimaschutzmanager Stadt Schweinfurt; André Lohmann, Landschaftsarchitekt Büro Perleth & Partner
Foto: Sabrina Schmittknecht, SWG

