Mut, Gottvertrauen und starker Zusammenhalt: Heufurt feiert seine neuen Kirchenglocken

Mut, Gottvertrauen und starker Zusammenhalt: Heufurt feiert seine neuen Kirchenglocken

HEUFURT IM LANDKREIS RHÖN-GRABFELD – Es war eine Hiobsbotschaft, die am 18. Februar 2025 die Filialgemeinde Sankt Jakobus der Ältere in Heufurt traf: Das Geläut der örtlichen Kirche wies Materialrisse auf. Nach jahrzehntelangem Dienst und mehrfachem Drehen der Glocken stellte Pfarrer Manuel Vetter, Glockensachverständiger des Bistums Würzburg, irreparable Schäden fest.

Zwei der vier Glocken mussten aus Sicherheitsgründen umgehend stillgelegt werden. Doch statt auf eine elektronische Tonanlage auszuweichen, bewies die kleine Rhöner Dorfgemeinschaft beeindruckenden Mut und bewältigte in Rekordzeit ein beispielhaftes Spendenprojekt. Am Samstag, 25. Juli, weiht Weihbischof Paul Reder um 14 Uhr in Heufurt die neuen Glocken.

„Ein dauerhafter Zustand ohne vollständiges Geläut war für uns hier in Heufurt nicht denkbar“, betont Kirchenpfleger Christian Müller. Deswegen habe die Kirchenverwaltung noch im Februar 2025 beschlossen, andere Glocken zu beschaffen – „mit mehr Mut und Gottvertrauen als barem Geld“. Manuel Kümmeth, Verwaltungsleiter im Pastoralen Raum Mellrichstadt und ehrenamtlich engagierter Heufurter, übernahm als Projektkoordinator das Heft des Handelns. Ein besonderer Glücksfall und viel persönliches Engagement ebneten schließlich den Weg zur Lösung.

Auf der Suche nach bezahlbarem Ersatz stieß Kümmeth im Internet auf die sogenannte „Glockenbörse“ – eine spezialisierte Plattform für gebrauchte Kirchenglocken. Dort wurde er fündig: Das angebotene Geläut stammte aus der abgebrochenen evangelischen Bodelschwinghkirche im Hannoveraner Stadtteil Ledeburg. Nach eingehender fachlicher Begutachtung und statischer Prüfung für den Heufurter Kirchturm stand fest, dass die Glocken perfekt passen. Die schadhaften alten Glocken wurden 1949 aus Weißbronze hergestellt. „Vermutlich auch mit dem Hintergedanken, dass bei diesem Material, anders als bei den Bronzeglocken, die in den beiden Weltkriegen zuvor abgenommen und zur Geschützherstellung verwendet wurden, keine Gefahr in dieser Richtung besteht“, sagt Kümmeth.

Das künftige Geläut ist nicht nur wegen der dafür verwendeten Bronze deutlich höherwertig: Es wurde 1964 von der Heidelberger Glockengießerei Friedrich Wilhelm Schilling gefertigt. Das ist die dieselbe renommierte Werkstatt, aus der in wesentlichen Teilen das Nachkriegsgeläut des Kiliansdoms stammt. Mit der Anschaffung des Glockensatzes in der Tonlage „f“, „a“, „c“ und „d“, den Tönen des „Salve-Regina-Motivs“, verbindet sich zudem eine besondere symbolische Note: Die vormals evangelischen Glocken erklingen künftig in einem katholischen Turm und verbinden so Ökumene und regionalen Zusammenhalt.

Die Entscheidung erwies sich als vollkommen richtig: Innerhalb von nur zwölf Monaten sammelte die knapp 220 Katholiken zählende Gemeinde über 50.000 Euro an Spenden. Fast jeder Haushalt im Ort sowie zahlreiche Unterstützer aus der Umgebung beteiligten sich finanziell. Um diese Summe aufzubringen, legte sich das ganze Dorf ins Zeug: Bei Bewirtungsaktionen wie der BR-Radltour im Freilandmuseum Fladungen, Seniorennachmittagen sowie zahlreichen kleinen Festen wurden Einnahmen für das Projekt generiert. Die reinen Anschaffungskosten der Glockenkörper belaufen sich auf 44.110 Euro; eine etwa gleich hohe Summe für Montage und Turmumbau wird durch die Diözese bezuschusst.

Gemeindereferentin und Ortsbeauftragte Michaela Köller ist begeistert vom Engagement vor Ort: „Es ist total toll, wie alle zusammenhalten. Was die Dorfgemeinschaft im Vorfeld und beim Festaufbau geleistet hat, ist wirklich einzigartig.“ Die Glockenweihe nimmt Weihbischof Reder vor, der eine persönliche Verbindung zu Heufurt hat. Er war drei Jahre lang als Pfarrvikar im Ort tätig und sagte sofort zu. Nach einem Festzug mit den Glocken findet ein feierlicher Gottesdienst statt. Während des Gottesdienstes werden die Glocken auf vom Heufurter Manfred Müller eigens dafür geschweißten Halterungen angeschlagen, mit Chrisam gesalbt, mit Weihwasser besprengt und gesegnet. Musikalisch gestaltet werden die Feierlichkeiten von der Kirchenmusik und dem örtlichen Chor.

Wie tief das Projekt in der Bevölkerung verwurzelt ist, zeigt auch der Blick auf die Festvorbereitungen: Unter der Leitung von Bianca Müller und Marion Kraus banden über 20 Frauen und Mädchen aus dem Dorf in tagelanger Arbeit insgesamt mehr als 20 Meter Girlanden und vier große Festkränze. Die Blumen – darunter Hortensien und Sonnenblumen – spendeten Heufurter Bürgerinnen und Bürger spontan aus ihren eigenen Gärten und Feldern.

Sollte der Einbau im nach der Weihe zügig voranschreiten, könnten die neuen Glocken bereits im Herbst dieses Jahres vom Kirchturm über dem Ort aus läuten. Spätestens aber bis Ostern des kommenden Jahres wird es dann erstmals über Heufurt erschallen, das ehemals „schönste Geläut Hannovers“, wie es aus Glockenkennerkreisen heißt.

Am Samstag, 25. Juli, besteht ab 13 Uhr Gelegenheit zur Glockenschau am Kirchaufgang. Um 13.30 Uhr startet der Festumzug zum Festzelt. Dort feiert Weihbischof Paul Reder um 14 Uhr den Festgottesdienst mit Glockenweihe. Ab Nachmittag herrscht bis in den Abend hinein Festbetrieb im Festzelt mit Kinderprogramm, Musik, Kaffee, Kuchen und regionaler Verpflegung.

mh (POW)

Auf dem Bild © Markus Hauck (POW) | Mit viel Eigeninitiative hat die Filialgemeinde Sankt Jakobus der Ältere in Heufurt (Landkreis Rhön-Grabfeld) vier neue Glocken angeschafft. Weibhischof Paul Reder weiht das Geläut am Samstag, 25. Juli. Auf das Ereignis freuen sich (von links) Pfarrer Steffen Behr, Kirchenpfleger Christian Müller, Gemeindereferentin und Ortsverantwortliche Michaela Köller und Projektkoordinator Manuel Kümmeth.

1 Comment

  1. J. Schäfer

    Das ganze Dorf ist dabei.
    Alle freuen sich auf das große Ereignis. Hoffentlich läuten die Glocken bald wieder, dass es das ganze Dorf hören kann.

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