SCHWEINFURT – Peter Hofmann von der SPDVolt Stadtratsfraktion hat an das Rathaus und Oberbürgermeister Ralf Hofmann namens und im Auftrag der Fraktion Anträge gestellt, die mit dem Klima in Schweinfurt zu tun haben.
Als da wären:
- Die Stadt entwickelt bis spätestens bis 31.03.27 einen kommunalen Hitzeschutzplan.
- Die Verwaltung richtet eine fachbereichsübergreifende Projektgruppe ein.
- Besonders gefährdete Personengruppen (Seniorinnen und Senioren, Kinder, Menschen mit Behinderung, chronisch Erkrankte und obdachlose Menschen) werden prioritär berücksichtigt.
- Für die Umsetzung werden Förderprogramme des Freistaats Bayern, des Bundes sowie der EU geprüft und genutzt.
- Der Stadtrat erhält jährlich einen Sachstandsbericht.
Begründung:
Hitze zählt zu den größten klimabedingten Gesundheitsrisiken. Häufigere und intensivere Hitzeperioden führen zu einer erhöhten Sterblichkeit, mehr Krankenhauseinweisungen sowie erheblichen Belastungen für Infrastruktur und Daseinsvorsorge. Kommunale Hitzeschutzpläne sind ein wirksames Instrument, um Vorsorge zu treffen, Risiken zu minimieren und die Resilienz der Stadt zu stärken. Die Stadtverwaltung und der Stadtrat stehen hierzu in besonderer Verantwortung.
Bestandteile des Hitzeschutzplans sollten sein:
- Hitzewarnsystem in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst.
- Kommunikationskonzept mit Informationen über Verhalten bei Hitze.
- Erfassung und Ausweisung kühler Orte (Parks, Bibliotheken, Kirchen, öffentliche Gebäude).
- Trinkwasserangebote im öffentlichen Raum.
- Prüfung zusätzlicher Trinkbrunnen.
- Verschattung von Spielplätzen, Bushaltestellen und öffentlichen Plätzen.
- Maßnahmen für Pflegeeinrichtungen, Kindertagesstätten und Schulen.
- Handlungsempfehlungen für Arbeitgeber und städtische Beschäftigte.
- Langfristige Stadtgrün- und Entsiegelungsstrategie.
- Monitoring und jährliche Evaluation.
Im Klimaschutzkonzept der Stadt Schweinfurt ist zu lesen:
„Um die Sensitivität gegenüber Hitzeereignissen zu mindern, sind geeignete Kommunikationswege zu erörtern, um der sensitiven Bevölkerung bei Eintreten von Hitzeereignissen Hilfestellung zu geben. Darüber hinaus sollte sich die Stadt Schweinfurt durch die Aufstellung eines Notfallkonzeptes, in dem die Betreiber von Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen einbezogen werden, auf den Eintritt von extremen Hitzeereignissen vorbereiten.“
Genau dies gilt es nun umzusetzen!
Finanzierung:
Die Verwaltung prüft bestehende Förderprogramme. Investitionen sollen schrittweise im Rahmen der Haushaltsberatungen priorisiert werden. Zahlreiche organisatorische Maßnahmen verursachen nur geringe zusätzliche Kosten.
Erwartete Wirkungen:
- Verbesserung des Gesundheitsschutzes
- Reduzierung hitzebedingter Erkrankungen
- Höhere Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum
- Klimaanpassung und Stärkung der Resilienz
- Sensibilisierung der Bevölkerung
Weiteres Vorgehen:
Nach Beschlussfassung erstellt die Verwaltung einen Maßnahmenplan mit Zeitplan, Verantwortlichkeiten und Kostenabschätzung. Relevante Akteure wie Gesundheitsamt, Rettungsdienste, Wohlfahrtsverbände, Schulen, Seniorenvertretungen und örtliche Unternehmen werden beteiligt.
Beispielhafte Maßnahmenübersicht:
Maßnahme Priorität Zeithorizont
Hitzewarnsystem hoch kurzfristig
Trinkbrunnen hoch kurzfristig
Kühle Aufenthaltsorte hoch kurzfristig
Stadtbäume und Entsiegelung hoch mittelfristig
Informationskampagne hoch kurzfristig
Monitoring mittel laufend
Der zweite Antrag:
Die Verwaltung wird beauftragt für das gesamte Stadtgebiet, Schwerpunkt Innenstadt und dicht bebaute Areale, zu ermitteln, an welchen Örtlichkeiten Maßnahmen zur Entsiegelung von Flächen und damit einhergehend der Schaffung von Versickerungsmulden und Regenauffangbecken technisch möglich sind.
Die für die jeweiligen Einzelmaßnahmen zu erwartenden Kosten sind zu ermitteln und dem Stadtrat sukzessive nach Dringlichkeit und Finanzierbarkeit zur jeweiligen Einzelentscheidung vorzulegen.
Dies gilt auch für die Ermittlung von Möglichkeiten der Begrünung der Dächer von Immobilien, die sich im städtischen Eigentum befinden bzw. im Eigentum von städtischen Gesellschaften oder Stiftungen.
Begründung:
Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Schweinfurt sehen sich in zunehmendem Maße mit extremen Belastungen konfrontiert, die der Klimawandel mit sich gebracht hat und bringen wird. Die Auswirkung ist extreme Hitze, die noch durch bestehende Hitzeinseln verstärkt wird, durch große versiegelte Steinflächen einerseits, Starkregen mit schnell abfließendem Regenwasser ohne nennenswerte Versickerung und damit verbundenen Überschwemmungen andererseits.
Versickerungsmöglichkeiten und Pflanzflächen spielen bei der Lösung von Entwässerungsproblemen leider noch immer eine untergeordnete Rolle.
Wir benötigen in allen Wohnbereichen, speziell aber auch in der Innenstadt, mit Bäumen bepflanzte Versickerungsmulden. Die Baumwurzeln halten die Erde dort locker und ermöglichen eine gute Versickerung des Regenwassers, über die Blätter der Bäume kann das Wasser langsam verdunsten. Diese Versickerungsflächen sind unabdingbar für eine Regenregulierung, insbesondere bei Starkregen und für einen kühlenden Ausgleich bei Hitze.
Die hier beantragten Maßnahmen sind gut geeignet, Regen- und Dürreperioden, denen wir zusehends ausgesetzt sind, abzumildern.
Zusätzliche Versickerungsgrünflächen (kombiniert mit Versickerungsanlagen) und Gründächer können große Regenmengen aufnehmen, am Niederschlagsort speichern, um sie anschließend sukzessive dem Grundwasser und dem Vegetationskreislauf zuzuführen.
Bepflanzte Versickerungsmulden sollten dabei mit dezentralen kleinen Regenrückhaltebecken kombiniert werden, wo eine natürliche Versickerung nicht möglich ist.
Wir sollten Schritt für Schritt darauf hinwirken, dass Schweinfurt eine sogenannte „Schwammstadt“ wird, in der Rückhalt, Versickerung, Verdunstung und Kühlung zusammenwirken und somit ein besseres Stadtklima entsteht.
Es gibt mehrere Förderprogramme, die in die Planung einzubeziehen sind.
Antrag drei:
Der Pausenhof der Friedenschule in Schweinfurt wird klimaresilient umgestaltet und entsiegelt. Die Maßnahme soll nach Sicherung der Zuschüsse und Finanzierung des Eigenanteils umgesetzt werden.
Der Pausenhof der Friedenschule ist überwiegend mit Asphalt befestigt. Der Zustand ist seit mehr als 70 Jahren fast unverändert.
Während der Sommermonate entstehen aufgrund der starken Versiegelung erhebliche Oberflächentemperaturen, die zu einer hohen Hitzebelastung für Schülerinnen und Schüler sowie das Lehrpersonal führen. Gleichzeitig kann Niederschlagswasser kaum versickern und wird überwiegend in die Kanalisation abgeleitet.
Die geplante Maßnahme dient der Anpassung an die Folgen des Klimawandels und unterstützt Ziele der Stadt Schweinfurt, die Entsiegelung und Begrünung öffentlicher Flächen als Bestandteil ihrer Klimaanpassungsstrategie voranzutreiben. Die Stadt verfügt hierfür über das vom Stadtrat beschlossene Klimaanpassungskonzept, in dem Entsiegelung und Begrünung als zentrale Maßnahmen genannt werden.
Ziel des Vorhabens ist nun die nachhaltige Umgestaltung des Schulhofes zu einer klimaangepassten, multifunktionalen Freifläche.
Wichtig ist, dass
⦁ versiegelte Asphaltflächen zurückgebaut werden
⦁ Regenwasser zurückgehalten und versickert werden
⦁ Die Aufenthaltsqualität verbessert wird
⦁ Hitzebelastung reduziert wird
⦁ Die Biodiversität gefördert wird
⦁ Umweltbildung unmittelbar auf dem Schulhof ermöglicht wird
Vorzusehen sind:
⦁ Rückbau bestehender Asphaltflächen
⦁ Herstellung wasserdurchlässiger Flächen- und Wegebeläge
⦁ Anlage von Versickerungsmulden und Regenwasserrigolen
⦁ Pflanzung klimaresilienter Bäume
⦁ Anlage artenreicher Grün- und Blühflächen
⦁ Schaffung beschatteter Aufenthalts- und Lernbereiche
⦁ Integration naturnaher Sitz- und Bewegungsbereiche
⦁ Verwendung versickerungsfähiger Materialien
Durch die Entsiegelung werden
⦁ Oberflächentemperaturen reduziert
⦁ Hitzeinseln verhindert oder reduziert
⦁ Regenwasser im natürlichen Wasserkreislauf gehalten
⦁ Kanalisation von Starkregen entlastet
⦁ CO2 durch zusätzliche Vegetation gebunden
⦁ Lebensräume für Insekten und Vögel geschaffen
Die Maßnahme entspricht den Grundsätzen der Schwammstadt und den Zielen der Bayerischen Klimaanpassungsstrategie als auch den Zielen des Schweinfurter Klimaschutzkonzeptes.
Die Maßnahme ist durch mehrere Förderprogramme finanziell tragbar.
Finanzierung:
Angesichts der Haushaltslage kann die Maßnahme nur umgesetzt werden, wenn eine weitgehend vollständige Förderung erfolgt und ein Eigenanteil durch Stiftungen und/oder Sponsoren übernommen wird.
Die Maßnahme sollte jedoch baldmöglichst geplant werde, damit bei Bereitstellung von Mitteln die Maßnahme sofort umgesetzt werden kann.
Fördermöglichkeiten:
Bayerische Städtebauförderung
KfW-Programm 444 „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ (80% für finanzschwache Kommunen)
Förderinitiative „Flächen schonen“ (bis zu 80%)

