Gedenken an Tilman Riemenschneider: Würzburg erinnert an den großen Künstler und Oberbürgermeister

Gedenken an Tilman Riemenschneider: Würzburg erinnert an den großen Künstler und Oberbürgermeister
Foto: Petra Steinbach

WÜRZBURG – Mit einer Kranzniederlegung am Gedenkstein auf dem Kiliansplatz am Dom hat die Stadt Würzburg an den 495. Todestag Tilman Riemenschneiders am 7.7. erinnert.

Oberbürgermeister Martin Heilig würdigte den weltberühmten Bildhauer nicht nur als herausragenden Künstler der Spätgotik, sondern auch als engagierten Bürger und ehemaligen Oberbürgermeister der Stadt, der in einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher Umbrüche Verantwortung übernahm.

Heilig hob die außergewöhnliche Bedeutung Riemenschneiders für Würzburg und die Kunstgeschichte hervor. Obwohl die Stadt auf eine mehr als 1.300-jährige Geschichte mit zahlreichen prägenden Persönlichkeiten zurückblicke, haben nur wenige Würzburgerinnen und Würzburger Weltruhm erlangt. Tilman Riemenschneider gehöre zweifellos dazu.

„Tilman Riemenschneider besaß die seltene Gabe, Holz und Stein nicht nur Form, sondern auch eine Seele zu verleihen“, betonte der Oberbürgermeister. Seine Werke, die unter anderem im Museum für Franken, im Kiliansdom, in der Marienkapelle sowie in zahlreichen Kirchen der Region zu sehen sind, beeindruckten bis heute durch ihre Ausdruckskraft, die fein ausgearbeiteten Gesichtszüge und die meisterhafte Gestaltung.

Neben seinem künstlerischen Schaffen erinnerte der Oberbürgermeister an Riemenschneiders langjähriges kommunalpolitisches Engagement. Über zwei Jahrzehnte gehörte er dem Würzburger Unterrat an und übernahm zahlreiche verantwortungsvolle Ämter, bevor er 1520 zum Oberbürgermeister gewählt wurde. In einer Zeit großer sozialer und religiöser Spannungen habe er Verantwortung übernommen und für seine Überzeugungen eingestanden.

Mit Blick auf die Ereignisse des Deutschen Bauernkriegs von 1525 erinnerte Martin Heilig an die persönlichen Folgen für Riemenschneider. Nach dem Scheitern des Aufstands sei der Würzburger Rat hart bestraft worden; Riemenschneider habe den Rest seines Lebens weitgehend isoliert verbracht und sei am 7. Juli 1531 verstorben.

Die Kranzniederlegung am Gedenkstein verstand der Oberbürgermeister als Zeichen des Dankes und der Erinnerung: „Sein Leben mahnt uns auch heute, dass Freiheit, Gerechtigkeit und bürgerlicher Mut Werte sind, die wir niemals als selbstverständlich ansehen dürfen.“

Mit der Gedenkveranstaltung würdigte die Stadt Würzburg Tilman Riemenschneider als bedeutenden Künstler von Weltrang und als Persönlichkeit, deren Wirken das kulturelle Erbe und die Geschichte Würzburgs bis heute prägt.

Weihbischof em. Ulrich Boom schilderte Tilman Riemenschneider als Politiker und tiefgeistigen Mensch, dessen innere Frömmigkeit in seinen Werken spürbar sei. Neben seiner Kunstfertigkeit besaß Riemenschneider auch Geschäftssinn. Er kam 1480 nach Würzburg und lebte in der Franziskanergasse mit seiner Familie und Gesellen.

Im Bauernkrieg zeigte sich Riemenschneider als „Mann der Freiheit“. Er, der so zahlreiche Figuren des heiligen Kilian geschaffen hatte, verstarb am Vorabend des Kilianstags 1531 als gebrochener Mann.

Zu Ehren des heiligen Kilian findet dieser Tage das Kiliani-Volksfest und die Kiliani-Verkaufsmesse statt.

Auf dem Bild: Gedenken an Tilman Riemenschneider anlässlich dessen 495. Todestags. V.l.n.r.: Kulturamtsleiter Klaus Heuberger, Bezirkstagsvizepräsident Thomas Schiebel, Regierungspräsidentin Dr. Susanne Weizendörfer, Oberbürgermeister Martin Heilig, Weihbischof em. Ulrich Boom, Vorsitzender der Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte Prof. Dr. Matthias Stickler; stellv. Direktorin des Museum für Franken Veronika Genslein, Stadtheimatpfleger Dr. Hans Steidle (leicht verdeckt), Magdalena Naporra (Museum für Franken) und Stadträtin Christa Grötsch.
Foto: Petra Steinbach

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