WÜRZBURG – Die Regierung von Unterfranken hat in ihrer Funktion als höhere Landesplanungsbehörde die Raumverträglichkeitsprüfung für ein geplantes Gipsbergwerk der Knauf Gips KG in der Altertheimer Mulde, Landkreis Würzburg, durchgeführt und mit der landesplanerischen Beurteilung vom 25.06.2026 abgeschlossen.
Im Ergebnis beurteilt die Regierung das Vorhaben als raumverträglich, allerdings unter der Voraussetzung einer Vielzahl strenger Maßgaben.
Das geplante Bergwerk umfasst einen über rund 50 Jahre andauernden untertägigen Gipsabbau mit einer Fördermenge von bis zu 1 Million Tonnen Gips pro Jahr. Das Vorhabensgebiet liegt im Südwesten des geplanten Trinkwasserschutzgebiets für die Zeller Quellen, das für die Wasserversorgung der Stadt Würzburg von großer Bedeutung ist. Der Abbaubereich des Bergwerks umfasst etwa 10 Prozent des rund 66 km² großen Trinkwassereinzugsgebiets (ca. 7 km²). Die Trinkwasserversorgungen von Altertheim und Waldbrunn sind ebenfalls betroffen. Die Raumverträglichkeitsprüfung wurde daher mit besonderem Augenmerk auf den Grund- und Trinkwasserschutz durchgeführt.
Als grundlegende Voraussetzung für die Raumverträglichkeit des Vorhabens war zu prüfen, ob der Trinkwasserschutz mit dem Betrieb des geplanten Bergwerks im notwendigen Maße gewährleistet werden kann. Die hierfür angestellten hydrogeologischen Untersuchungen im Auftrag der Knauf Gips KG, die auch ein umfangreiches Bohrprogramm umfassten, wurden von der Regierung von Unterfranken, dem Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg, dem Landesamt für Umwelt, dem Bergamt Nordbayern und den Wasserversorgern über vier Jahre intensiv begleitet. Im Ergebnis geht die Regierung von Unterfranken nach intensiver fachlicher Prüfung davon aus, dass bei Umsetzung strenger Maßgaben zum Grund- und Trinkwasserschutz kein unkalkulierbares Risiko für die öffentliche Trinkwasserversorgung droht. Ein Restrisiko verbleibt, wird jedoch als beherrschbar bewertet, weil technische Maßnahmen insbesondere zur Erhaltung der Integrität der Trennschicht zwischen dem Grundwasserleiter und dem darunter liegenden Bergwerk sowie zur Begrenzung der Zusickerung vorgesehen sind. Eine signifikante Verminderung des Wasserdargebots für die Trinkwasserversorgung wird so verhindert. Dem Unternehmen Knauf wurde u.a. als Maßgabe auferlegt, den Betrieb des Bergwerks bei höheren als den prognostizierten Zusickerungsraten oder bei Anzeichen für eine Gefährdung des Trinkwassers anzupassen oder vorzeitig einzustellen.
Als weitere raumbedeutsame Auswirkungen des Vorhabens berücksichtigt die landesplanerische Beurteilung Belastungen durch den Schwerlastverkehr sowie Auswirkungen des Vorhabens auf das Landschaftsbild und die Naherholung. Als wesentliche positive Wirkungen des Projektes flossen die langfristige Sicherung der heimischen Rohstoffversorgung mit Gips, der Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie die Stärkung der wirtschaftlichen Entwicklung in der Region Würzburg in die Gesamtabwägung der Regierung ein. Hinzu kommt der Vorteil, dass durch die heimische Rohstoffgewinnung überregionale und grenzüberschreitende Gipsimporte und damit verbundene Transportemissionen reduziert oder überflüssig werden.
Für die landesplanerische Beurteilung wurden Gutachten und Stellungnahmen von 79 Trägern öffentlicher Belange und rd. 4.350 Einwendungen aus der Öffentlichkeit sowie eine Online-Petition mit über 5.600 Unterzeichnern geprüft und abgewogen. Die Bewertung des Vorhabens als raumverträglich steht ausdrücklich unter dem Vorbehalt, dass die umfangreichen Maßgaben umgesetzt und ggf. fortgeschrieben werden. Die landesplanerische Beurteilung fließt nun in das bergrechtliche Genehmigungsverfahren des Bergamtes Nordbayern in der Regierung von Oberfranken ein.
Die über 1.000 Seiten umfassende landesplanerische Beurteilung ist mit allen Gutachten und Stellungnahmen auf der Internetseite der Regierung von Unterfranken unter https://www.regierung.unterfranken.bayern.de/presse/aktuelles/index.php abrufbar.
Allgemeine Informationen zur Raumverträglichkeitsprüfung finden Interessierte ebenfalls auf den Internetseiten der Regierung von Unterfranken unter nachstehendem Link: https://www.regierung.unterfranken.bayern.de/aufgaben/177666/177670/leistung/leistung_12290/index.html.
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