GELDERSHEIM – Unter dem Motto „Frauen fördern Frauen“ trafen sich mehr als 70 engagierte Frauen zur Bezirksversammlung der Frauen-Union Unterfranken im Fränkischen Hof in Geldersheim.
Neben dem politischen Austausch und der Vernetzung stand insbesondere die neunte Auflage des Mentoring-Programms der Frauen-Union im Mittelpunkt. Vierzehn Mentees erhalten in den kommenden Monaten einen intensiven Einblick in die politische Arbeit. Begleitet werden sie dabei von erfahrenen Mentorinnen aus der Bundes-, Landes-, Bezirks- und Kommunalpolitik.
Die Bezirksvorsitzende der Frauen-Union Unterfranken, Nikola Renner, unterstrich die Bedeutung der Frauen-Union als politische Interessenvertretung von Frauen.
„Wir sind eine Gemeinschaft starker Frauen, die in der Frauen-Union ihre politische Heimat haben. Gerade heute brauchen wir die Frauen-Union vielleicht mehr denn je“, betonte Renner. Mit rund 1.750 Mitgliedern gebe es in Unterfranken keine vergleichbare Organisation, die sich so konsequent für die Anliegen von Frauen einsetze.
Mit Blick auf die Geschichte der Frauenbewegung erinnerte sie daran, dass viele Rechte und Chancen von Frauen hart erkämpft worden seien. „Das sind wir den Frauen schuldig, die vor uns gekämpft haben – und unseren Töchtern und Enkeltöchtern“, sagte Renner. Gleichzeitig beobachte sie mit Sorge, dass persönliches Engagement in der Gesellschaft an Bedeutung verliere, während Politikverdrossenheit und eine Haltung des bloßen Dagegenseins zunähmen. Die Frauen-Union setze dem bewusst eine Kultur des Mitgestaltens und Verantwortungsübernehmens entgegen.
Das Mentoring-Programm sei dabei ein wichtiger Baustein. „Frauen fördern Frauen“ dürfe keine bloße Floskel bleiben. Frauen müssten frühzeitig ermutigt, begleitet und sichtbar gemacht werden – sei es auf dem Weg in politische Mandate oder in andere Führungsaufgaben. Mit zahlreichen Frauen in Parlamenten und verantwortungsvollen Positionen sei die Frauen-Union Unterfranken bereits gut aufgestellt. Damit dies auch künftig gelinge, brauche es gezielte Mentoring-Angebote, starke Netzwerke und den direkten Austausch mit Mandatsträgerinnen.
Zahlreiche Politikerinnen aus Bund und Land waren deshalb nach Geldersheim gekommen. Neben der Bundestagsabgeordneten Dr. Anja Weisgerber nahmen auch die Landtagsabgeordneten Barbara Becker und Martina Gießübel an der Veranstaltung teil. Einen besonderen Akzent setzte Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach mit einem Impulsvortrag zum Thema Frauengesundheit.
Dr. Anja Weisgerber berichtete über die aktuelle politische Lage in Berlin und die Herausforderungen, vor denen Deutschland stehe. „Ohne Frauen ist kein Staat zu machen“, stellte sie fest. Viele notwendige Reformen verlangten Mut und Durchhaltevermögen. Es gelte, schwierige Veränderungsprozesse anzustoßen, um das Land langfristig wieder stärker zu machen. Als Beispiele nannte Weisgerber die bisherigen Fortschritte in der Migrationspolitik sowie ihre eigenen politischen Schwerpunkte bei der Stärkung der Freiwilligendienste und beim digitalen Kinder- und Jugendschutz.
Auch die Landtagsabgeordneten Barbara Becker und Martina Gießübel gingen auf die politischen Herausforderungen ein, die angesichts knapper werdender finanzieller Spielräume bewältigt werden müssten.
Barbara Becker mahnte zu einer konsequenten Ausgabendisziplin. Bei allen politischen Vorhaben müsse stets die Finanzierbarkeit mitgedacht werden. Dies erfordere auch eine kritische Überprüfung bestehender Aufgaben und Strukturen auf allen staatlichen Ebenen.
Martina Gießübel stellte die Umsetzung des neuen Gewalthilfegesetzes in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen. Die zunehmende Gewalt gegen Frauen erfordere entschlossenes Handeln. Das neue Bundesgesetz schaffe hierfür wichtige Grundlagen und übertrage den Ländern zusätzliche Verantwortung. Gleichzeitig dürften auch die Kommunen nicht aus ihrer Verantwortung entlassen werden. Bayern verfüge bereits über ein breites Netz an Beratungs- und Unterstützungsangeboten. Nun komme es darauf an, diese Strukturen weiterzuentwickeln, sinnvoll zu vernetzen und Doppelstrukturen zu vermeiden.
Die Bezirksrätinnen Gerlinde Martin, Rosa Behon und Andrea Stürmer zeigten in einer Talkrunde auf, wie wichtig die Aufgaben des Bezirks im sozialen und kulturellen Bereich sind. „Wir wollen den Menschen mit Handicap helfen. Die einzelnen Schicksale gehen einem nach, aber angesichts knapper Kassen wird nicht mehr alles möglich sein, was wünschenswert ist.“ Der Bezirk prüft Einsparpotenzial. Als ein Bespiel nannten sie hierbei den Schulpool, bei dem die Anzahl der Schulbegleiter, auf die jedes Kind mit Handicap Anspruch hat, sinnvoll reduziert wird, wenn schon genügend Schulbegleiter in einer Klasse vertreten sind.
Gesundheitsministerin Judith Gerlach warb schließlich für einen stärkeren Fokus auf die Gesundheit von Frauen. Über viele Jahrzehnte seien medizinische Forschung und Studien überwiegend an männlichen Probanden ausgerichtet gewesen. Die biologischen Unterschiede zwischen Frauen und Männern hätten dabei häufig zu wenig Beachtung gefunden. Hier finde inzwischen ein Umdenken statt. Gleichzeitig betonte Gerlach die Chancen der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Viele gesundheitspolitische Entscheidungen würden zwar auf Bundesebene getroffen, müssten jedoch von den Ländern umgesetzt werden. Umso wichtiger sei eine enge Zusammenarbeit aller politischen Ebenen.
Die Bezirksversammlung machte deutlich: Die Frauen-Union Unterfranken versteht sich nicht nur als politische Interessenvertretung von Frauen, sondern auch als Netzwerk, das Frauen ermutigt, Verantwortung zu übernehmen und Politik aktiv mitzugestalten.

