WÜRZBURG – Nach jahrelanger intensiver Planungs- und Finanzierungsphase beginnt in Kürze ein wegweisendes Großprojekt für eines der markantesten Wahrzeichen Würzburgs: Die dringend notwendige Innenrenovierung der Wallfahrtskirche „Mariä Heimsuchung und Schmerzhafte Muttergottes“ am Käppele startet Mitte September 2026.
„Es geht los“, erklärte Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran gemeinsam mit weiteren Verantwortlichen am Donnerstag, 18. Juni, bei einer Pressekonferenz am Käppele. Aufgrund formaler Vorgaben muss das historische Bauwerk – bestehend aus dem von Balthasar Neumann errichteten Zentralbau und der älteren Gnadenkapelle – in einem einzigen Bauabschnitt saniert werden. Anders als ursprünglich geplant, wird die Kirche daher für voraussichtlich zweieinhalb Jahre komplett geschlossen.
Seit der vorigen großen Gesamtinstandsetzung im Jahr 1975 sind sämtliche Oberflächen, Deckengemälde und Ausstattungsgegenstände stark verschmutzt. Damals war es technisch nicht möglich, dunkle Überzüge früherer Epochen zu entfernen, weshalb man mit grauen Lasuren einen künstlich gealterten Raumeindruck schuf. „Heute ist man dank modernster Verfahren wie der Lasertechnik in der Lage, das nachzuholen, was 1975 nicht realisiert werden konnte“, erklärte Dr. Jan Menath vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Das Ziel sei eine möglichst vollständige Wiederherstellung der ursprünglichen, hellen und kühlen barocken Raumwirkung des 18. Jahrhunderts.
Das beauftragte Architekturbüro ProDenkmal aus Bamberg, das die Maßnahmen auf Basis eines präzisen digitalen 3D-Modells steuert, startet bereits im Juni eine umfassende Untersuchungskampagne an Musterachsen im Kirchenraum. Nach dem Aufbau der Innengerüste im Oktober beginnen im November 2026 die eigentlichen, gewerkeübergreifenden Restaurierungsarbeiten. Neben der sensiblen Reinigung und Konservierung der Raumschale, Stuckmarmoroberflächen und Altäre wird auch die komplette Elektro-, Heizungs- und Beleuchtungsanlage erneuert. Abgeschlossen soll das Projekt bis Ende Dezember 2028 sein.
Die Gesamtkosten für die Innenrenovierung belaufen sich auf rund 5,8 Millionen Euro brutto. Größter Zuschussgeber ist die Diözese Würzburg mit 1,5 Millionen Euro. Bedeutende Fördermittel fließen zudem aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm XII des Bundes (975.000 Euro), dem Entschädigungsfonds Bayern (1.020.000 Euro) sowie von der Stadt Würzburg (200.000 Euro), dem Bezirk Unterfranken (200.000 Euro) und dem Landkreis Würzburg (50.000 Euro). Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz steuert erneut eine sechsstellige Summe bei. Die verbleibende Restsumme von etwas mehr als 1,5 Millionen Euro trägt die katholische Kirchenstiftung Käppele als Bauherrin. Dabei baut sie maßgeblich auf Spenden, die engagierte Arbeit des eigenen Förderkreises sowie erfolgreiche Benefizaktionen, die unter anderem vom früheren Wallfahrtsrektor Pfarrer i. R. Monsignore Josef Treutlein initiiert wurden.
Flankierend zur Kirchensanierung realisiert der Bischöfliche Stuhl ein wegweisendes Zukunftskonzept für die Außenanlagen und das Konventgebäude. Um eine Baustellenzufahrt über den Spittelbergweg zu ermöglichen, wird ein kleiner, ehemaliger Empfangsanbau abgebrochen. Dadurch entsteht die einmalige Chance, den prachtvollen, terrassierten Klostergarten tagsüber für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und die Wallfahrtskirche von der Bushaltestelle aus komplett stufen- und treppenfrei zu erschließen. Der denkmalgeschützte Gartenpavillon und der historische Mönchsfriedhof bleiben dabei unangetastet.
Im Erdgeschoss des seit 2023 unbewohnten Konventgebäudes soll eine Gastronomie zur Verpachtung integriert werden. Eine großzügige Panorama-Terrasse mit Blick auf den Dom und die Festung Marienberg soll Pilgern, Besuchern und auch Brautpaaren einen Ort der Begegnung bieten. Im ersten Obergeschoss entstehen Räume für Seelsorge und Verwaltung, während im Dachgeschoss Pilgerunterkünfte für den fränkischen Jakobsweg angestrebt werden. Die Kosten für die Außenanlagen belaufen sich auf rund 1,37 Millionen Euro netto, ergänzt durch 89.710 Euro für den neuen Komfortstreifen auf dem Vorplatz.
Auch für die spirituelle Zukunft ist gesorgt: Da die Franziskaner-Minoriten ihren Dienst in der Seelsorge am Käppele vereinbarungsgemäß Ende 2027 beenden, wird ab dem Jahr 2030 eine neue Ordensgemeinschaft das Klosterleben auf dem Käppele fortführen. Drei Patres der „Missionare vom heiligen Johannes dem Täufer“ werden in den Wohnkomplex im oberen Gebäudeteil einziehen, um die Wallfahrtsseelsorge zu übernehmen. Bereits ab 2028 und damit nahtlos nach dem Weggang der Franziskaner-Minoriten wird Pater Bobin Joseph die Wallfahrtsseelsorge weiterführen.
Während der zweieinhalbjährigen Bauzeit müssen die Gläubigen nicht auf das Gnadenbild verzichten. Nach einem letzten feierlichen Gottesdienst mit Weihbischof Paul Reder auf dem Käppele am 20. September zieht die schmerzhafte Muttergottes vorübergehend in die Kirche Sankt Burkard im nahen Mainviertel um. Dort wird das Gnadenbild am 14. Oktober – dem Burkardstag – im Rahmen eines Pontifikalgottesdienstes mit Bischof Dr. Franz Jung feierlich begrüßt. Ab diesem Zeitpunkt finden die traditionellen Pilgermessen und Gottesdienste der Maria-Schmerz-Bruderschaft regelmäßig in Sankt Burkard statt.
mh (POW)
Auf den Fotos:
© Markus Hauck (POW) | Freue sich , dass die Innenrenovierung des Käppele jetzt losgeht, wie an den Gerüsten für die Vorarbeiten zu sehen ist. Von links: Pfarrer Gerhard Spöckl, Moderator im Pastoralen Raum Würzburg Süd-West, Projektreferent Andreas Hornung, Pater Bobin Jospeh, Diakon Ulrich Wagenhäuser, Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran, Architekt Wolfgang Frey und Landschaftsarchitekt Ralf Schäffner.
© Markus Hauck (POW) | Freuen sich, dass die Innenrenovierung des Käppele jetzt bald losgeht (von links): Diakon Ulrich Wagenhäuser, ständiger Vertreter des Kirchenverwaltungsvorstands, Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran, Architekt Wolfgang Frey, Landschaftsarchitekt Ralf Schäffner, Franziskaner-Minoriten-Pater Franz-Maria Endres, Projektreferent Andreas Hornung, Pater Bobin Joseph, Pfarrer Gerhard Spöckl, und Franziskaner-Minoriten-Pater Josef Fischer.
© Markus Hauck (POW) | Blick ins noch nicht restaurierte Käppele.



