Papst und Pasta im Vatikan: Landvolkseelsorger Wolfgang Scharl trifft Leo XIV. bei Veranstaltung im Rom

Papst und Pasta im Vatikan: Landvolkseelsorger Wolfgang Scharl trifft Leo XIV. bei Veranstaltung im Rom
Bild © Simone Risoluti (Vatican Media)

ROM / WÜRZBURG – Es macht einen Unterschied, wo man am Abend das Besteck zur Hand nimmt. Wie gewohnt am heimischen Abendbrottisch oder im Vatikan. Der Würzburger Landvolkseelsorger Wolfgang Scharl hatte im Mai die Chance, exzellent im Vatikan zu speisen.

Und zwar während des jährlichen Treffens der Vatikanbehörde „Dikasterium für die Laien, die Familie und das Leben“. Inhaltlich ging es um „Governance“: Wie sieht eine gute, demokratische Leitungskultur aus?

Beim Abendessen im Vatikan wurde reichlich aufgetischt. Pasta mit exquisiten Saucen. In den Stunden davor gab es lebhafte Diskussionen und eine inspirierende Rede von Papst Leo XIV. Scharl war davon beeindruckt, dass der Heilige Vater jeden Satz genau überlegt, reflektiert und vorbereitet hat. Auch die Gespräche im Plenum und der Austausch in den Kleingruppen waren bereichernd für ihn als Vertreter der „KLB – Katholischer Verband für die Menschen im ländlichen Raum“ in der „Fédération Internationale des Mouvements d’Adultes Rurales Catholique“ (FIMARC), dem internationalen Verband katholischer Landvolkbewegungen. Die FIMARC zählt zu jenen 115 geistlichen Gemeinschaften und Verbänden, die zu den jährlichen Treffen eingeladen sind.

Diesmal ging es um verbandsinterne Demokratie, berichtet Scharl: „Es wurde darauf hingewiesen, dass Vorsitzende gewählt werden und Verantwortliche wechseln sollen.” Bei der FIMARC sei das selbstverständlich. Er selbst war dort von 2014 bis 2023 Weltpräsident. Das kann er nicht mehr werden. Ein neuerliches Engagement im Vorstand wäre wohl noch einmal möglich, allerdings auch erst in einigen Jahren.

Dass sich kaum einer findet, der einer internationalen Organisation vorsitzen möchte, sei ein Problem, das nahezu alle Verbände kennen, die sich jährlich im Vatikan treffen. Das sei erstaulich, biete ein solches Ehrenamt doch unglaubliche Chancen. Es eröffne Einblicke, die ein Normalsterblicher niemals erhalte. „Als FIMARC sind wir zum Beispiel in UN-Organisationen vertreten”, erläutert Scharl. So nahm er an Sitzungen des Welternährungsrats in Rom sowie an jenen des Menschenrechtsrats in Genf teil. Letzterer nahm 2018 mit großer Mehrheit die Erklärung für die „Rechte von Kleinbauern und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten“ an.

Wer an Landwirtschaft in südlichen Ländern denkt, hat oft das Bild im Kopf, dass die Bäuerinnen und Bauern dort entsetzlich arm sind und ein unvorstellbar hartes Leben haben. Zum Teil stimmt das auch. Zum Teil handelt es sich aber tatsächlich um eine Klischeevorstellung. Vorstandsmitglieder der FIMARC lernten kluge, kompetente und durchaus nicht nur arme Kleinbauern in vielen Teilen dieser Erde kennen. Scharl ist zum Beispiel gut bekannt mit einem indischen Bauern, der Soziologie und Entwicklungspolitik studierte. Nach dem Studium betrieb er seine Landwirtschaft weiter: „Auch alle seine fünf Kinder ließ er studieren.”

Die politische Arbeit, die bei der FIMARC zum Beispiel darin besteht, dafür zu sensibilisieren, dass Lebensmittel nicht nur erschwinglich für Konsumenten, sondern auch souverän erzeugt werden sollen, stifte in höchstem Maße Sinn. In den aktuellen Zeiten würden politische Themen ohnehin immer relevanter, erklärt Scharl. Aufgrund neuer autoritativer Tendenzen würden zum Beispiel die Rechte von Aktivisten in vielen Ländern weltweit immer mehr beschnitten: „Zum Teil werden sie kriminalisiert.” Gerade für Menschenrechtler, die sich unter schwierigsten Umständen engagieren, sei es wichtig, um solidarische Organisationen wie die FIMARC zu wissen.

Weltweit fechten etliche Verbände für eine Erde, die frei von Hunger ist, und in der jeder Mensch in Würde leben kann. Vertretern solcher Organisationen im Rahmen eines internationalen Vorstandsengagements zu begegnen, sei ebenfalls „hochspannend“. Scharl zum Beispiel kennt Aktivistinnen und Aktivisten des Vereins FIAN (FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerk). Und er hat Kontakt zu Mitgliedern des internationalen Bauernverbands „La Via Campesina“.

Der derzeitige wirtschaftliche Abschwung sowie drohende Arbeitslosigkeit bereiten vielen Menschen große Sorgen. Sie können sich weniger denn je vorstellen, ihre Zeit damit zu verbringen, ein anspruchsvolles Ehrenamt auf internationaler Ebene auszuüben. Doch gerade angesichts der aktuellen Situation sei es wichtiger denn je, den Blick zu weiten. Scharl bereue keinen Tag, an dem er sich als Weltpräsident für ein Leben in Würde auf diesem Planeten engagierte. Von seinen Erfahrungen erzählt er gern, um andere zu motivieren, einmal über ein solches Engagement nachzudenken.

Pat Christ

Auf dem Bild © Simone Risoluti (Vatican Media) | Wolfgang Scharl (links) war beeindruckt, dass Papst Leo XIV. bei seiner Rede jeden Satz genau überlegt, reflektiert und vorbereitet hat.

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