ÖDP Haßberge schreibt offenen Brief an CSU-MdEP Manfred Weber: „Nutzen Sie die letzte Chance, um Bayerns Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion gentechnikfrei zu halten!“

ÖDP Haßberge schreibt offenen Brief an CSU-MdEP Manfred Weber: „Nutzen Sie die letzte Chance, um Bayerns Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion gentechnikfrei zu halten!“
Rainer Baumgärtner

LANDKREIS HASSBERGE – In dieser Woche wird das EU-Parlament über die neue Gentechnik-Gesetzgebung abstimmen – mit möglicherweise weitreichenden Folgen. Daher hat die ÖDP Haßberge den CSU-Europaabgeordneten Manfred Weber in einem offenen Brief aufgefordert, „die letzte Chance zu nutzen, um Bayerns Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion gentechnikfrei zu halten“.

„Sollte es bei diesem Beschluss zur geplanten Aufweichung der Gentechnik-Gesetze kommen, kann auch in Bayern eine gentechnikfreie Lebensmittelproduktion fortan nicht mehr sichergestellt werden – obwohl das Gentechnik-Anbauverbot im Bayerischen Naturschutzgesetz verankert ist“, kritisiert ÖDP-Kreisvorsitzender Stefan Zettelmeier.

Seit über 20 Jahren engagiert sich der ÖDP Kreisverband Haßberge für Gentechnikfreiheit in der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion. So schrieb z. B. bereits im Jahr 2004 der damalige ÖDP-Kreisrat an den Kreisvorstand des Bayerischen Bauernverband im Landkreis Haßberge und warb dafür, dass der Landkreis Haßberge eine „gentechnikfreien Zone“ bleibt.

Die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger lehnt Gentechnik auf ihrem Teller ab. In Bayern hat sich diese mehrheitliche Ablehnung auch in der Unterstützung des Artenvielfalt-Volksbegehrens manifestiert. „Doch die Entscheidungsfreiheit darüber, sich gentechnikfrei zu ernähren, wird den Verbraucherinnen und Verbrauchern im Falle einer Aufweichung der Gentechnik-Gesetze komplett entzogen werden“, so Zettelmeier. Denn die geplante Gesetzgebung enthält keine verpflichtende Risikoprüfung für NGT (Neue Genomische Techniken)-Pflanzen, keinen Schutz vor Gentechnik-Verunreinigungen, keine Haftungsregeln im Schadensfall, keine verpflichtenden Nachweisverfahren, keine Rückholbarkeit und keine Kennzeichnungspflicht des Endprodukts.

Nach Meinung der ÖDP wird durch eine Streichung der Risikobewertung bei rund 90 Prozent der NGT-Pflanzen zudem das Vorsorgeprinzip verletzt. „Bitte sorgen Sie dafür, dass die EU-Gesetzgebung statt internationaler Lobby-Interessen das Gemeinwohl der Bevölkerung in Bayern und Europa berücksichtigt!“, schreibt die ÖDP Haßberge in ihrem offenen Brief an Manfred Weber. „Denn wer bitteschön wird von der Aufweichung der Gentechnik-Gesetze profitieren? Dass es nicht die bäuerliche Landwirtschaft oder die Verbraucherschaft ist, hat sich überall dort, wo genmanipulierte Pflanzen angebaut und angeboten werden, deutlich gezeigt“, resümiert Zettelmeier. Werden die Pläne abgelehnt, profitieren sowohl die Artenvielfalt als auch der Ökolandbau. Landwirtschaft kann sich ohne weitere Abhängigkeiten von Konzernen und ohne Patente auf Saatgut weiterentwickeln. Und: Das EU-Alleinstellungsmerkmal „gentechnikfrei“ bliebe weiterhin als relevanter wirtschaftlicher Vorteil erhalten.

Auf dem Foto (von Rainer Baumgärtner):
Die ÖDP Haßberge möchte, dass der Landkreis Haßberge „gentechnikfreie Zone“ bleibt.

Offener Brief vom 14.06.2026 des ÖDP-Kreisverbands Haßberge an MdEP Manfred Weber bezüglich gentechnikfreie Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Herrn MdEP Manfred Weber
Vorsitzender der EVP-Fraktion

Sehr geehrter Herr Abgeordneter Weber,
kommende Woche wird das EU-Parlament über die EU-Gesetzgebung im Bereich der Gentechnik entscheiden. Sollte es bei diesem Beschluss zu der geplanten Aufweichung kommen, kann auch in Bayern eine gentechnikfreie Lebensmittelproduktion fortan nicht mehr sichergestellt werden –obwohl das seit dem Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ im Bayerischen Naturschutzgesetz verankert ist:

Art. 11b Gentechnikanbauverbot
Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen ist in Bayern verboten.

Als Mitglied des Europäischen Parlaments obliegt Ihnen am 17. Juni 2026 eine große Verantwortung.

Wir fordern Sie deshalb auf, bei der endgültigen Abstimmung die letzte Chance zu nutzen, um Bayerns Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion gentechnikfrei zu halten. Verteidigen Sie bayerische Gesetze und achten Sie den Willen der bayerischen Bürgerinnen und Bürger, die sich im Rahmen des Artenvielfalt-Volksbegehrens auch klar für ein gentechnikfreies Bayern ausgesprochen haben!

Die neuen Regelungen würden nicht nur das Vorsorgeprinzip verletzen, sondern auch die Ökolandwirtschaft und die Artenvielfalt in Gefahr bringen. Und: Das EU- Alleinstellungsmerkmal „gentechnikfrei“ würde aufgegeben und damit ein relevanter wirtschaftlicher Vorteil fahrlässig abgeschafft.

Bitte sorgen Sie dafür, dass die EU-Gesetzgebung statt internationaler Lobby-Interessen das Gemeinwohl der Bevölkerung in Bayern und Europa berücksichtigt!

Mit freundlichen Grüßen
Stefan Zettelmeier
Vorsitzender des ÖDP-Kreisverbands Haßberge
97522 Sand

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