WÜRZBURG – Als dritten Betrieb in dieser Woche in Würzburg, nach Kaufland und Ikea ruft der ver.di Fachbereich Handel die Beschäftigten in den beiden Würzburger H&M Filialen (Dominikaner- und Marktplatz) zum Streik auf.
Die Tarifrunde im Handel für mehr als 500.000 Beschäftigte im bayerischen Einzelhandel ist aus Sicht der Gewerkschaft mit einem Eklat durch die Arbeitgeberseite gestartet: Geboten wurden in anderen Bundesländern nur minimale Entgelterhöhungen, deutlich unter der aktuellen Inflation. In Bayern legten die Arbeitgeber in der ersten Verhandlung am 8. Mai überhaupt kein Angebot vor! Das bedeutet Kaufkraftverlust mit Ansage“, erklärte ver.di Sekretär Peter König. „Das lassen die Beschäftigten nicht mit sich machen.“
Mit den weiteren Streiks würden Arbeitgeber aufgefordert, statt weiterer Provokationen am kommenden Dienstag in München endlich ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen. „Die Handelskonzerne stehen wirtschaftlich prima da, haben bei Umsatz und Gewinn zugelegt – und die Beschäftigten, die diese Ergebnisse mit ihrer Arbeit erst ermöglichen, sollen „in die Röhre schauen“. Das ist eine Frechheit“, sagte der Gewerkschafter. Viele Handelsbeschäftigte, oft Frauen, oft unfreiwillig nur in Teilzeit, könnten trotz hartem Job mit ungünstigen Arbeitszeiten ihren Lebensunterhalt kaum bestreiten. Die reale Kaufkraft im Handel liege immer noch unter dem Niveau von 2020, rechnet König vor.
ver.di fordert für die tarifgebundenen Beschäftigten im bayerischen Einzel- und Versandhandel:
- Erhöhung der Löhne und Gehälter um 222 €
- Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 150€ pro Monat
- Erhöhung der Löhne und Gehälter der unteren Beschäftigtengruppen auf ein rentenfestes Mindesteinkommen von 14,90 € in der Stunde.
- Laufzeit der Tarifverträge soll 12 Monate betragen
Untermauert werden die Forderungen durch eine breite Beschäftigtenbefragung zur Forderungsfindung. Dort geben 73% der Befragten an, Probleme zu haben, mit ihrem derzeitigen Gehalt den Lebensunterhalt zu bestreiten. Nur 15% der Befragten gaben an, dass sie am gesellschaftlichen Leben (Kino- oder Theaterbesuch, Essen mit Freunden etc.) teilnehmen zu können. 88% schätzen ein, dass ihre Rente aus dem derzeitigen Gehalt nicht vor Altersarmut schützt.
Trotz dieser dramatischen Ausgangslage der Beschäftigten lehnten die Arbeitgeber in der ersten Tarifverhandlung am 8. Mai 2026 die Forderung der ver.di Tarifkommission ab und weigerten sich ein eigenes verhandlungsfähiges Angebot zu machen. Nächster Verhandlung Termin ist am 16. Juni 2026.
Geplanter Ablauf: Streikbeginn war ab ca. 6:00 bei H&M in Würzburg.
Ab ca. 10:30 Streikkundgebung vor der H&M Filiale am Dominikanerplatz.
Foto: ChatGPT/ Künstliche Intelligenz

