Der Kuhfladen und das Klima: Besuch bei Rinderhalter Hannes Ort und seinen Black Welsh am Röttinger Fellberg

Der Kuhfladen und das Klima: Besuch bei Rinderhalter Hannes Ort und seinen Black Welsh am Röttinger Fellberg

RÖTTINGEN – Fast 30 Personen haben Anfang Mai an einer rund eineinhalbstündigen Exkursion der „KLB – Katholischer Verband für die Menschen im ländlichen Raum“ am Fellberg in Röttingen (Landkreis Würzburg) teilgenommen.

„Wir hatten großes Glück mit dem Wetter, kurz vor dem Start war noch Weltuntergang”, sagte Christiane Brandt vom Landschaftspflegeverband. Der Fellberg mute mit seinen Lesesteinriegeln und Trockenmauern „ein bisschen wie Spanien“ an. Die folgenden Informationen sind einer Pressemitteilung der KLB entnommen.

Die Exkursion war reich an Highlights. „Wir haben Orchideen gesehen, zum Beispiel das Helm-Knabenkraut. Die Dorngrasmücke und die Nachtigall haben gesungen”, sagte Brandt. Viel Interessantes erzählte die Landschaftspflegerin zum Thema „Weidetierhaltung”. Typisch für Rinder sei zum Beispiel, dass sie sehr viel auf der Weide stehen. Deshalb sei eine Weide das genaue Gegenstück zum penibel gepflegten Golfplatz.

Hannes Ort lässt 25 Rinder der Rasse Welsh Black auf den Hängen des Fellbergs weiden. Welsh-Black-Rinder seien im Vergleich sehr sanft und ruhig, erzählte Brandt: „Hannes Ort hatte nach solchen Tieren bundesweit gesucht.” Zwei bis drei Rinder schlachtet er im Jahr. Für Wiesen sei es von großem Vorteil, würden sie beweidet statt mit Geräten gepflegt: „Weidetiere sorgen für eine reich strukturierte Landschaft.” Mit Blick auf die Biodiversität sei allein ein Kuhfladen von großer Bedeutung: „Der zieht enorm viele Insekten an.” Kaum sei der Fladen auf die Erde geplumpst, legten schon Fliegen ihre Eier hinein. Käfer nutzten den Kuhdung als Nahrung für ihren Nachwuchs. Die Fladen sorgten nicht zuletzt für Humus: „Daran liegt es, dass die CO2–Bindung von Weiden noch besser ist als die vom Wald.”

Orts Rinder weiden auf Flächen, die aufgrund ihrer extensiven Nutzung und Bodenbeschaffenheit im Fachjargon als Magerrasen bezeichnet werden. Solche wegen ihres Artenreichtums wertvollen Flächen werden immer rarer. „Der Salbei ist ein Anzeiger für Magerrasen“, erfuhr Helga Scheller, Mitglied im Vorstand des KLB-Ortsvereins Euerfeld. Eine schöne Erkenntnis, „denn ich mag Salbei sehr“. Noch mehr lernte Scheller an diesem Nachmittag: „Ich kannte den Spitzwegerich und den Breitwegerich. Christiane Brandt hat uns auch vom Mittleren Wegerich erzählt, von dem habe ich das erste Mal gehört.“ Erstaunt war sie, wie giftig und teilweise ätzend Wolfsmilchgewächse sein können, allen voran die Warzen- und Zypressen-Wolfsmilch. Auch für die Rinder sei diese nicht bekömmlich: „Deswegen weiden sie um sie herum.“

Scheller wuchs auf einem Bauernhof auf und isst gern Fleisch, wenn es von artgerecht gehaltenen Tieren stammt und gut verarbeitet wurde. Sie kostete ein Brot mit Schinken vom Black Welsh Rind. Er sei fester und trockener und sehr würzig. Sie lege bei Fleisch und Wurst großen Wert auf Regionalität. Zum Glück gebe es in Unterfranken viele Hofläden, in denen man regional erzeugte Lebensmittel erhalte.

Dass direkt vor ihrer Haustür ein derart paradiesischer Standort für Flora und Fauna existiert, habe sie nicht gewusst, sagte Barbara Düchs von der KLB Gaurettersheim. Dabei liegen zwischen Röttingen und Gaurettersheim gerade einmal 13 Kilometer. „Mir ist bei dieser Wanderung bewusst geworden, wie wichtig geschützte Gebiete sind.” Zum dritten Mal nahm sie an einer Veranstaltung mit Brandt teil. „Frau Brandt hat einen solchen Wissensschatz, ich könnte ihr stundenlang zuhören.”

Weil jeder wusste, dass die Tiere artgerecht gehalten werden, habe man unbedenklich zubeißen können, sagte Düchs über die Würstchen am Ende der Wanderung. Als ehemalige Landwirtin mit Bullenmast habe sie „unglaublichen Respekt“ vor der Arbeit, die sich Ort mit der Weidetierhaltung macht. Wird es im Sommer richtig heiß, müssen Tausende Liter Wasser zur Weide gekarrt werden. Und die Rinder stehen nicht immer am selben Fleck. Anders als Stalltiere, müssen sie regelmäßig umgetrieben werden – auch das macht eine Menge Arbeit.

Auf den Fotos:

© Wolfgang Meyer zu Brickwedde | Bei der Exkursion der KLB mit der Biologin Christiane Brandt erfuhren die Teilnehmenden viel über Flora und Fauna am Fellberg, einem artenreichen Naturparadies nahe Röttingen.

© Wolfgang Meyer zu Brickwedde | Bei der Exkursion der KLB mit der Biologin Christiane Brandt erfuhren die Teilnehmenden viel über Flora und Fauna am Fellberg, einem artenreichen Naturparadies nahe Röttingen.

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