Meistens ist´s seit Jahren der Abend am letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga, wenn gegen 21 Uhr der Eurovision Song Contest startet. Das hat Tradition. Am 16. Mai ist´s mal wieder so weit. Und garantiert: „The same Procedure as every year“ kündigt sich mal wieder an…
Das geht seit Jahren schon damit los, dass wir unter der Woche zuvor die Halbfinals verpassen, die spätabends auf irgendwelchen Spartensendern laufen und bei denen sich die kleinen Länder qualifizieren müssen.
Wenn´s dann Samstag ist, erfährt man es in den B24-Nachrichten (immer noch gerade rechtzeitig, das gilt auch für das Umstellen der Uhren zwei Mal im Jahr…) und denkt dann darüber nach, ob man sich das am Abend wirklich antun will.
Und wie immer kommt es so, dass alternativ nirgends was Besseres in der Glotze läuft. Nach zwei alten Folgen von „Dahoam is dahoam“ in der ARD-Mediathek führt der Klick dann halt noch zum Ersten. Alle Jahre wieder…
Wenn die Griechen auftreten und das Folklore-Gedüdel ertönt, eignet sich das ideal für eine Pinkelpause. Doch wenn dann auch die Türken traditionelle Musik dabieten, muss man nicht schon wieder. Spätestens dann aber, wenn für die Finnen irgendwelche hüpfenden Brüder mit bunten Hüten auftreten, erfolgt der erste Test, ob nicht doch im SWR oder NDR irgendwie schöne Reisereportage läuft.
Sie läuft, ist aber eine Wiederholung. Also zurück zum Eurovision Song Contest, wo gerade der Beitrag von Australien zu hören und zu sehen ist. Kurz mal nachgegoogelt: Nein, das gehört nicht zu Europa. Dafür machen heuer Spanien, Irland, Slowenien und die Niederlande nicht mit, weil Israel auftreten darf. Kurz mal nachgegoogelt: Nein, das gehört auch nicht zu Europa. Egal.
Alle Jahre wieder erfolgt das Staunen, wer denn den Mist gewählt hat, der Deutschland vertritt. Nach allen 36 Songs dann eine ewige Pause, irgendein Stargast tritt auf, den keinen kennt. Und dann ereignet sich das Phänomenale: Wir schlafen vor dem Fernseher ein, wachen gegen 1 Uhr nachts exakt in dem Moment auf, als Estland die Results from Tallin bekannt gibt und „12 Points goes to… Latvija“ verkündet. Die ersten für die Letten.
Schnell ein Blick auf das Pointboard, wo Deutschland zwischen Rang 24 und 26 einlaufen wird, so richtig erkennt man das auf die Schnelle nicht. Dann wird der Sieger gekürt, meistens ist es Irland, heuer aber nicht, seit 15 Jahren muss man dafür bisexuell sein, der queeren Bewegung angehören oder zumindest als Frau einen Vollbart tragen, um zu gewinnen.
Spätestens drei Wochen nach dem Event hat man den Siegertitel wieder auf dem Kopf und sind die kurzzeitigen Eurovisions-Helden genauso schnell vergessen wie der eine Woche zuvor gekürte DSDS-Gewinner. Alles wiederholt sich, jedes Jahr auf´s Neue… So auch nächsten Samstag, garantier t!
Michael Horling
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Foto: ChatGPT / künstliche Intelligenz

