Vom Parkverein zur Marketinggemeinschaft: „Würzburg macht Spaß“ blickt auf 40 Jahre zurück

Vom Parkverein zur Marketinggemeinschaft: „Würzburg macht Spaß“ blickt auf 40 Jahre zurück
Foto: Christian Weiß

WÜRZBURG – Mit einem ebenso festlichen wie inhaltlich dichten Empfang im historischen Wenzelsaal des Rathauses hat der Verein „Würzburg macht Spaß“ (WümS) sein 40-jähriges Bestehen gefeiert.

Die Veranstaltung spannte den Bogen von den Anfängen in den 1980er Jahren bis zu den aktuellen Herausforderungen für Innenstädte – und machte vor allem eines deutlich: Erfolgreiches Stadtmarketing ist in Würzburg seit jeher Teamarbeit.

Oberbürgermeister Martin Heilig ordnete die Bedeutung des Vereins aus politischer und persönlicher Perspektive ein. Gleich zu Beginn griff er ein Lob von außen auf, dass die Entwicklung Würzburgs unterstreicht: „Was in Sachen Stadtmarketing in Würzburg gemacht wurde, ist beachtlich.“ Dieses Zitat des neuen Augsburger Oberbürgermeisters sei für ihn mehr als eine freundliche Anerkennung. Es zeige, so Heilig, „dass die Arbeit hier in Würzburg weit über die Stadtgrenzen hinaus wahrgenommen wird“.

Im weiteren Verlauf ging er auf die besondere Qualität der Würzburger Innenstadt ein, die sich gerade im touristischen Vergleich behaupte: „Wie gut diese Innenstadt funktioniert, das fällt einem besonders auf, wenn man einmal woanders ist.“ Dabei wurde deutlich, dass Heilig das Stadtmarketing nicht isoliert betrachtet, sondern als integralen Bestandteil der Stadtentwicklung. Einen großen Raum nahm sein persönlicher Dank an den scheidenden Geschäftsführer Wolfgang Weier ein. Heilig zeichnete dabei ein sehr plastisches Bild der Zusammenarbeit: „Du hast das Stadtmarketing in den letzten Jahren als Gesicht mit Herz, mit Stimme und viel Hirn geprägt.“

Zwischen Anerkennung und Humor beschrieb er Weiers Arbeitsweise augenzwinkernd: „Er schafft es immer, Ideen so einzubringen, dass man am Ende denkt: ‚Super Idee hast du da‘ – und merkt gar nicht, dass sie eigentlich von ihm kam.“

Gerade in Krisenzeiten habe sich diese Fähigkeit ausgezahlt. Heilig erinnerte an die Corona-Pandemie, in der Stadt und Stadtmarketing eng zusammenarbeiteten, pragmatische Lösungen entwickelten und gemeinsam Verantwortung übernahmen. Diese Phase habe gezeigt, „wie wichtig kurze Wege, Vertrauen und gemeinsames Handeln sind“.

Inhaltlich schlug der Oberbürgermeister schließlich den Bogen von der Vergangenheit zur Zukunft. Er erinnerte daran, dass die Gründung des Vereins auch eine Reaktion auf zersplitterte Strukturen gewesen sei: „Früher hat jeder ein bisschen vor sich hingewurstelt.“ Heute dagegen sei klar: „Würzburg hat verstanden, dass Innenstadt und Stadtmarketing Teamsport sind.“ Mit Blick auf aktuelle Herausforderungen – von Kaufzurückhaltung bis zum strukturellen Wandel im Einzelhandel – formulierte Heilig konkrete Erwartungen: „Die Frequenzen stimmen, aber wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen ihr Geld auch hier ausgeben.“

Zuvor hatte der Vorsitzende von WümS, Florian Volk, die Gäste begrüßt und den Verein in seiner Entwicklung verortet. Dabei stellte er gleich zu Beginn klar, dass ein 40-jähriges Bestehen keineswegs selbstverständlich ist: „Viele Stadtmarketingorganisationen entstehen – und verschwinden wieder leise.“

Dass WümS heute mit über 300 Mitgliedern, einer funktionierenden Geschäftsstelle und starker regionaler Vernetzung dastehe, sei daher etwas Besonderes: „Das ist das Ergebnis von harter Arbeit, Überzeugung und manchmal auch stoischer Beharrlichkeit.“ Im weiteren Verlauf zeichnete Volk die inhaltliche Entwicklung des Vereins nach. Aus einem klassischen Veranstalter sei ein vielseitiger Akteur geworden: „Wir sind nicht mehr nur Stadtfestorganisator oder Dekorationsservice – wir sind strategischer Partner dieser Stadt.“ Volk versteht den Verein als Plattform, die unterschiedlichste Interessen bündelt und moderiert. Projekte wie Stadtfeste, verkaufsoffene Sonntage oder der City-Gutschein, der jährlich Millionenbeträge an Kaufkraft in Würzburg bindet, seien sichtbare Ergebnisse dieser Arbeit. Sein Fazit: „Stadtmarketing ist kein Projekt. Es ist eine Einladung an uns alle, unsere Stadt mitzugestalten.“

Der Hauptgeschäftsführer der IHK Würzburg-Schweinfurt, Dr. Sascha Genders, ordnete das Jubiläum in den größeren wirtschaftlichen Kontext ein. Dabei begann er bewusst mit einem nüchternen Blick auf die aktuelle Lage: Fachkräftemangel, Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten und Kaufzurückhaltung prägten derzeit das Bild. Ohne in Pessimismus zu verfallen, machte Genders jedoch deutlich, worauf es jetzt ankommt. Seine zentrale These: „Alles, was eine Region im Kleinen stark macht, wirkt auch im Großen.“

In diesem Zusammenhang hob er die Rolle von WümS als verbindendes Element hervor, das unterschiedliche Branchen und Akteure zusammenbringt. Stadtentwicklung sei eine Gemeinschaftsaufgabe – über Generationen hinweg. Mit einem augenzwinkernden Rückgriff auf die frühen 1980er Jahre lockerte er seine Rede auf: „‚Ich will Spaß‘ war damals ein Hit – und ein paar Jahre später wurde daraus hier ein Prinzip.“

Genders nutzte diesen Rückblick, um die Bedeutung von Mut und Zusammenarbeit zu betonen. Statt sich in Regulierung zu verlieren, brauche es Vertrauen: „Eine lebendige Stadt entsteht nicht durch Vorschriften, sondern durch Menschen, die etwas bewegen wollen.“

Für den historischen Blick sorgte Gründungsmitglied Bernd Mars, der die Gäste mit zahlreichen Anekdoten in die Anfangsjahre mitnahm. Seine Schilderungen machten anschaulich, wie fragmentiert die Situation vor der Vereinsgründung war. Mit trockenem Humor erinnerte er an den sogenannten „Lichterkrieg“: „Die Weihnachtsbeleuchtung endete exakt an der Straßenecke – weil die Nachbarstraße ein anderes Modell hatte.“ Auch die Mentalität der damaligen Zeit beschrieb er pointiert: „Manche Händler glaubten, die Welt endet am Ende ihres Straßenzugs.“

Zwischen diesen humorvollen Bildern wurde jedoch die eigentliche Leistung der Gründungsphase deutlich. Der Verein habe es geschafft, diese Einzelinteressen zu bündeln und eine gemeinsame Perspektive zu entwickeln: „1986 haben wir aufgehört, in Straßenzügen zu denken – und angefangen, die Stadt als Ganzes zu sehen.“ Dabei sei auch der Name bewusst gewählt worden: „Ein Slogan, an dem man sich reibt, bleibt im Gedächtnis.“

Mars machte klar, dass es von Anfang an nicht nur um Handel ging, sondern um Atmosphäre, Begegnung und Identität. Sein Appell war entsprechend zeitlos: „Eine lebendige Stadt braucht Vielfalt, Verantwortung und das Miteinander.“

Zum Abschluss der Feier blickte Klaus Stieringer, Bamberger Stadtmarketing-Geschäftsführer und Vorsitzender des Aktionskreis City- und Stadtmarketing Bayern, über die Stadtmarketingvereine in Bayern und hob dabei WümS als besonders gut funktionierenden Marketingverein heraus.

Auf dem Bild: Stoßen auf 40 Jahre WümS an (v.l.n.r.): Vorsitzender Florian Volk, Geschäftsführer Wolfgang Weier und OB Martin Heilig. Foto: Christian Weiß

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