WÜRZBURG – Bei einem Workshop am Uniklinikum Würzburg wurden acht medizinische Fachkräfte aus Lviv in der Versorgung von Kindern mit Seltenen Erkrankungen geschult. Ziel ist der Aufbau eines spezialisierten Rehabilitationszentrums in Würzburgs ukrainischer Partnerstadt.
In der westukrainischen Stadt Lviv soll ein Rehabilitationszentrum für Kinder mit Seltenen Erkrankungen entstehen. Unterstützt wird das am Kinderkrankenhaus „Western Ukrainian Specialized Children‘s Center“ angesiedelte Vorhaben von „Birds for Sofia“. Die gemeinnützige Organisation mit Hauptsitz in den USA engagiert sich gezielt für die Versorgung von Kindern mit Seltenen Erkrankungen in der Ukraine.
Atemtherapie als eines der Kernthemen
„Neben dem Bereitstellen der räumlichen und technischen Ausstattung ist die Weiterbildung der Behandelnden eine essenzielle Voraussetzung für den Erfolg des Projekts“, betont Sage Hancock, Geschäftsführender Direktor von „Birds for Sofia“. Deshalb fand vom 30. April bis zum 3. Mai dieses Jahres am Uniklinikum Würzburg (UKW) ein Workshop für drei Ärztinnen und fünf Physiotherapeutinnen aus der Ukraine statt. Geschult wurden sie vom Physiotherapeuten Rick Reigle und von der Atemtherapeutin Lindsey Reigle – beide aus den USA – sowie von Michael Fleck von der auf Beatmungsgeräte spezialisierten Börgel GmbH aus Limburg. „Atemprobleme sind bei vielen Seltenen Erkrankungen ein Schlüsselfaktor für Verlauf, Prognose und Lebensqualität. Deshalb ist gerade in diesem Bereich eine kompetente Betreuung entscheidend“, erläutert Prof. Dr. Helge Hebestreit, Kinder-Pneumologe und Direktor des Zentrums für Seltene Erkrankungen (ZESE) am UKW.
Die Fortbildung bestand aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Im praktischen Teil konnte mit sieben ukrainischen Kindern gearbeitet werden, die von zu den Workshop-Inhalten passenden Erkrankungen betroffen sind. Drei davon werden aktuell am UKW behandelt. „Wir sind den Kindern und ihren Eltern sehr dankbar, dass sie diese, in die Zukunft ihres Heimatlandes gerichtete Maßnahme unterstützt haben“, unterstreicht Hebestreit.
Zum Workshop gehörte ferner ein Besuch des Körperbehindertenzentrums im Würzburger Stadtteil Heuchelhof.
Würzburg: Partnerstadt und bestehende Kontakte
Dass die Schulung ausgerechnet am UKW stattfand, hat mehrere Gründe. So ist Würzburg seit dem Jahr 2023 eine Partnerstadt von Lviv. Bedeutender ist jedoch, dass hier an eine bereits bestehende Zusammenarbeit angeknüpft werden konnte. So war Dr. Marta Sheremet, eine der ärztlichen Workshop-Teilnehmerinnen, schon mehrfach zu Fortbildungen in Würzburg zu Gast. Hierbei profierte sie unter anderem von der großen Erfahrung des Teams um Dr. Alexandra Hebestreit und Prof. Helge Hebestreit am Christiane Herzog Zentrums für Mukoviszidose der Universitäts-Kinderklinik.
Dr. Sheremet und eine weitere ukrainische Ärztin setzen ihren aktuellen Würzburg-Aufenthalt für zwei weitere Wochen fort und hospitieren in dieser Zeit im ZESE und in der Kinderklinik.
Über „Birds for Sofia“
Die Organisation „Birds for Sofia“ ist nach Sofia, einem Kind mit spinaler Muskelatrophie, benannt, dessen Leben dank umfangreicher Spenden gerettet werden konnte. Um Mittel für Sofias Behandlung zu sammeln, zeichneten und malten rund 1.500 Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt Vögel zu ihren Ehren. Inzwischen setzt die Initiative verschiedene Programme um, um weiteren Kindern mit Seltenen Erkrankungen in Osteuropa Zugang zu dringend benötigter medizinischer Versorgung zu ermöglichen.
www.birdsforsofia.org
Text: Pressestelle / UKW
Auf den Bildern:
In der Bildmitte die acht Ärztinnen und Physiotherapeutinnen aus Lviv/Ukraine. Umrahmt werden sie von links von Prof. Helge und Dr. Alexandra Hebestreit sowie Rick und Lindsey Reigle – und von rechts von Tetiana Gudyma, Aliona Kuznetsova, Claire Harrison und Sage Hancock (alle vier von „Birds for Sofia“). Foto: Christoph Bethge
Die Atemtherapeutin Lindsey Reigle im Gespräch mit Aliona Kuznetsova von der Initiative „Birds for Sofia“. Foto: Sabine Möbius
Zu den praktischen Workshop-Inhalten gehörte auch die Auswahl geeigneter Rollstuhltypen für die von Seltenen Erkrankungen betroffenen Kinder. Foto: Sabine Möbius



