SCHWEINFURT – Auch die Protestaktion vor dem Rathaus am Dienstag vor Beginn der Stadtratssitzung hat nichts geholfen. Ein paar Händler aus Schweinfurt wiesen die in den Sitzungssaal laufenden Stadträte zwar darauf hin, dass eine Neukonzeption der Stadtgalerie die Innenstadt schädigen könnte.
Doch rund zwei Stunden später erfolgte mehrheitlich der Beschluss: ECE darf planen, auch mit Arztpraxen im Einkaufscenter und mit viel mehr Fläche für Spielwaren und Sportartikel. Gerade für diese beiden Branchen hatte der Stadtrat einst beim Bau der Mall die Shops limitiert, um das Angebot in der Innenstadt zu schützen. Dort gibt´s nun gar keine Spielwaren mehr und wird es beispielsweise Sport Geyer schwer haben, gegen einen Riesen wie Decathlon zu bestehen, wenn der denn kommt.
„Für eine lebendige Innenstadt statt leere Schaufenster“ demonstrierten die Händler, „Das Forum Medicum ist toxisch für SW!“ war zu lesen, oder ein „Innenstadt stärken, nicht schwächen!“ Die Stadträtinnen und -räte jedoch, angetreten letztmals in der alten Besetzung, ehe es danach keine Mehrheit mehr für CSU und Grüne geben wird, sehen keine Bedenken, eher sogar große Chancen, wenn ECE über 20 Millionen in die Stadtgalerie investiert, diese danach vom gravierenden Leerstand befreit ist und wieder mehr Menschen anlockt: Und damit nach Schweinfurt generell.
Im Rathaus ist man der Überzeugung, dass eine florierende Stadtgalerie auch die Innenstadt belebt. Auch wenn es 15 Minuten zu Fuß sind von der Shopping Mall mit ihren vielen Parkplätzen zum Marktplatz. Stichwort Anbindung: Anscheinend glauben die alten Stadträte, dass ein Kunde oder ein Patient, der im ECE-Gebäude parkt, einkauft oder einen Arzt besucht, danach auch noch Richtung Rathaus oder gar Zementrum läuft, das nach dem Auszug von Quadro ja auch mit Leerstand kämpft.
Warten wir´s ab, es kommt, wie´s kommt. Oder anders ausgedrückt: Es kommt so, wie Schweinfurt es haben will. In Sachen Belebung der Innenstadt kam die letzten Jahre oder Monate auf alle Fälle nicht wirklich viel. Auch vom Drittliga-Jahr der Fußball-Schnüdel hatte man sich Frequenz erwartet. Schweinfurt erleben e.V. kündigte letzten Sommer große Aktionen zu allen Heimspielen an. Passiert ist dann wenig bis nichts. Doch wer nicht aktiv ist, ist auch nicht attraktiv.
Michael Horling
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