HASSBERGE / BAMBERG – Bei einer gemeinsamen Vorstandssitzung der ÖDP-Kreisverbände Haßberge und Bamberg erinnerten die Teilnehmer an die Atomkatastrophe von Tschernobyl vor genau 40 Jahren.
Außerdem startete im April vor 28 Jahren das ÖDP-Volksbegehren „Kein neues Atomkraftwerk in Bayern!“
„Lange Jahre war Viereth als AKW-Standort mit im Plan“, erinnerte Ferdinand Bergrab, stellvertretender Kreisvorsitzender in Bamberg. „Erst durch den Druck der Unterschriftensammlung für ein Volksbegehren der ÖDP wurden die Gemeinde am Main und weitere Standorte von der Stoiber-Regierung aus dem Plan gestrichen.“
Auch Kreisrat Stefan Zettelmeier, Vorsitzender der ÖDP Haßberge, kann sich gut an die gemeinsamen Kundgebungen bei Viereth erinnern: „Schon damals wollten die Bürger keine gefährlichen Meiler vor ihrer Haustür.“ Auch aktuell gebe es nun wieder politische Kräfte, die zur Atomkraft zurückkehren wollten. Viele Untersuchungen belegen aber, dass Atomkraft die teuerste aller Energieformen ist. Allein die Sicherheitsstandards würden riesige Summen verschlingen. Vor dem Hintergrund, dass es mit der Ukraine und dem Iran gleich zwei Konfliktregionen gebe, in denen die Nutzung der Kernkraft durch kriegerische Handlungen bedroht ist, sei es völlig unverständlich, viele weitere Standorte zu fordern und diese zum Ziel für Terroranschläge zu machen.
„Hinzu kommt noch, dass die Endlagerfrage auch nach Jahrzehnten immer noch völlig ungeklärt ist und Bayern sich nach Kräften dagegen sträubt“, so Zettelmeier. „Die Befürworter bürden dieses Problem damit den kommenden Generationen auf, die für die Entstehung des strahlenden Mülls gar nicht verantwortlich sind.“
In einem offenen Brief an CSU-Chef Söder wollen die ÖDPler nun wissen, wo er die kleinen Atomkraftwerke bauen will, die er seit Monaten immer wieder öffentlich einfordert. „Ist auch unser Landkreis betroffen?“
„Die Kleinstreaktoren könnten theoretisch überall entstehen. Wir glauben aber, dass die Mehrheit der bayerischen Bürgerinnen und Bürger dieses Risiko nicht vor ihrer Haustüre haben will. Vom Wertverlust ihrer Immobilien ganz zu schweigen. Söder soll jetzt sagen, was er genau vorhat“, fordert auch der stellvertretende ÖDP-Kreisvorsitzende Thomas Ort aus Haßfurt.
„Die Zukunft gehört den Erneuerbaren“, ist sich der Zeiler Kreisrat Rainer Baumgärtner sicher. „Statt gefährliche Technik aus der energiepolitischen Mottenkiste zu holen, müsse man Wind- und Sonnenkraft weiter ausbauen und in Stromnetze und -speicher investieren.“
Hier der Brief-Inhalt:
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Dr. Söder,
im Wahlprogramm von CDU/CSU zur Bundestagswahl werden „Small Modular Reactors“, also kleinere Atomkraftwerke befürwortet. Sie haben diese in den letzten Monaten wiederholt gefordert. Ich bitte Sie um Auskunft, wie viele davon gebaut werden sollen und wo diese stehen sollen.
Die Kleinstreaktoren könnten theoretisch fast überall entstehen. Ich glaube aber, dass die Mehrheit der bayerischen Bürgerinnen und Bürger dieses Risiko nicht vor ihrer Haustüre haben will. Vom Wertverlust ihrer Immobilien ganz zu schweigen. Deshalb bitte ich Sie, mir mitzuteilen, welche Landkreise für den Bau dieser Reaktoren in Frage kommen. Muss ich damit rechnen, dass ein Klein-Atomreaktor im Landkreis Haßberge oder Bamberg entsteht?
Atomkraft erzeugt Abhängigkeit von Uranlieferungen aus despotisch regierten Ländern. Im schlimmsten Fall können Atomreaktoren sogar ein militärisches Angriffsziel sein. Regenerativer Strom ist viel schneller verfügbar, umweltfreundlich, klimaneutral und aufgrund der dezentralen Verteilung kein Ziel für einen militärischen Angriff.
Deshalb bitte ich Sie, den Ausbau regenerativer Energieerzeugungsanlagen voranzubringen und Ihre Atompläne nicht weiter zu verfolgen.
Mit freundlichen Grüßen
Stefan Zettelmeier
ÖDP-Kreisvorsitzender
In der Au 14
97522 Sand

