Am Girls‘ und Boys’Day die Vielfalt bei der Berufswahl entdecken: Zahlreiche Workshops an den THWS-Standorten Schweinfurt und Würzburg

Am Girls‘ und Boys’Day die Vielfalt bei der Berufswahl entdecken: Zahlreiche Workshops an den THWS-Standorten Schweinfurt und Würzburg

WÜRZBURG / SCHWEINFURT – Mal etwas ganz Neues ausprobieren – dafür stehen die bundesweiten Berufsorientierungstage Girls’Day und Boys’Day, die jedes Jahr am 23. April stattfinden.

An der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) konnten Mädchen Ingenieurwissenschaften kennenlernen, nachhaltige Städte entwerfen und Virtual Reality erfahren. Beim ersten Boys-Day-Angebot an der THWS konnten Jungen das Berufsfeld Musiktherapie ausprobieren.

„Wir sind froh, dass wir so interessierte und motivierte Mädchen bei uns an der Fakultät Informatik und Wirtschaftsinformatik zum Girls’Day begrüßen dürfen“, sagte Prof. Dr. Anne Heß am THWS-Campus Sanderheinrichsleitenweg. „Informatik ist mehr als nur Programmieren, das wollen wir den Teilnehmerinnen mitgeben.“ Dabei soll auch der Einblick in aktuelle Forschungsprojekte helfen, denn „echte Projekte sind einfach am spannendsten“. Das Institut für Design und Informationssysteme (IDIS) der THWS präsentierte eine kleine Auswahl an Projekten, darunter mit Sensoren ausgestatte Bike-Boxen, die innerhalb von Würzburg Gefahrenstellen beim Radfahren messen, sowie das Projekt TACO, das sich mit der Empathieförderung bei psychischen Erkrankungen befasst: Ein sogenannter Emotionshandschuh unterstützt Menschen mit eingeschränkter Emotionserkennung oder eingeschränkter Sehfähigkeit bei der nonverbalen Erkennung von Emotionen in sozialen Interaktionen. Genau das Richtige für Schülerin Amelie, die sich vorher auf der Hochschulwebseite informiert hatte: „Informatik finde ich spannend, mich interessiert auch die Forschung, die hier an der Fakultät gemacht wird.“ Betreut von Susanna Götz und Marie Herz löteten die Teilnehmerinnen anschließend ihr eigenes Mitbringsel, einen orangenen Leuchtkäfer, dessen Gehäuse zuvor mit einem 3D-Drucker gefertigt worden war.

Gelegenheit zum Löten gab es auch bei mehreren Workshops am THWS-Standort Schweinfurt. So fertigten Schülerinnen mit Prof. Dr. Bettina Brandenstein-Köth und Prof. Dr. Heinz Endres Bluetooth-Lautsprecher, die sie anschließend ebenfalls mit nach Hause nehmen konnten. Bei Prof. Dr. Mercedes Herranz Gracia löteten die Schülerinnen eine Taschenlampe, die je nach Wunsch in einer anderen Farbe leuchtete. Nebenbei erläuterte die Professorin noch einige Grundlagen zu den Fachgebieten elektrische Maschinen und Leistungselektronik anhand praktischer Beispiele: „Welcher Strom kommt aus der Steckdose?“ Ein paar der Mädchen hatten die Antwort parat – Wechselstrom. „Aber ein Handy braucht zum Akkuaufladen Gleichstrom. Das Ladegerät gehört also zur Leistungselektronik und wandelt Wechselspannung in Gleichspannung um.“

Viele Facetten des Maschinenbaus

Um die vielen Facetten der Ingenieurwissenschaften ging es auch bei den Veranstaltungen der Fakultät Maschinenbau. „Maschinenbau ist mehr als ölverschmierte Maschinen“, erklärte Prof. Dr. Stefanie Retka und führte ihre Besucherinnen in ihr Fachgebiet Akustik ein. Akustik spiele bei vielen Bereichen eine Rolle – so würden in Elektroautos die Geräusche vieler Komponenten wie beispielsweise elektrischen Fensterhebern plötzlich deutlich hörbar. Die Schülerinnen konnten Geräusche auch sehen: Im hochschuleigenen Akustiklabor als Wellen auf einem Oszilloskop und als sogenannte chladnische Klangfiguren auf einer mit Salz bestreuten Platte – durch Schwingungen ordneten sich die Salzkörner in abstrakten Mustern auf der Platte an.

Einen Einblick in digitale Produktion und künstliche Intelligenz (KI) bekamen die Mädchen während ihres Workshops in der c-factory mit Prof. Dr. Sonja Hofauer, ebenfalls am Standort Schweinfurt. Sie lernten die Grundzüge des Maschinellen Sehens kennen: Damit können Maschinen lernen, zwei Objekte voneinander zu unterscheiden. Zuerst nahmen die Mädchen bis zu 200 Fotos eines kleinen orangenen Autos auf – je mehr Ansichten, desto besser kann der Computer lernen, das Auto zweifelsfrei zu erkennen. Aber zum Teil wollten sich Kamera und Computer nicht miteinander verbinden, sodass Prof. Dr. Hofauer bei der Fehlersuche helfen musste – ein wichtiger Teil der Ingenieurausbildung.

Ganz andere Voraussetzungen waren beim Workshop im MAVEL-Labor am Campus Ledward gefragt – nämlich ein stabiler Magen: Unter Anleitung von Dominik Fritsch und Florian Schuster konnten die Mädchen in die virtuelle Realität (VR) eintauchen und einen Dschungel oder die Haßfurter Ritterkapelle virtuell kennenlernen. Ohne VR-Brille flackern die Bilder, die auf die weißen Wände des Labors projiziert werden, da jeweils ein Einzelbild für das rechte und für das linke Auge verwendet wird. Doch mit VR-Brille beginnt ein einzigartiges Erlebnis. In atemberaubenden Tempo durch den Altarraum fliegen – alles ist möglich, solange der eigene Magen nicht rebelliert.

Nachhaltige Planung erfordert Kompromisse

Weniger haarsträubend, aber dafür umso kniffliger war der Workshop zur nachhaltigen Stadtplanung mit Prof. Dr. Matthias Schicktanz, der sowohl in Würzburg wie auch in Schweinfurt stattfand. Schnell schlüpften die Mädchen in die verschiedenen Rollen des Planspiels – von der parteilosen Bürgermeisterin über die kaufmännische Leiterin der Stadtwerke bis hin zur Landwirtin oder Geschäftsführerin eines Industriebetriebs. Ziel war es, eine nachhaltige Energieversorgung zu gestalten, die allen Bedürfnissen gerecht wird. Wie kann die Landwirtin Photovoltaik integrieren, ohne Flächen einzubüßen? Wie kann die Abwärme der Industrieproduktion als Fernwärme für Wohnhäuser eingesetzt werden? „Wir mussten uns in alle Rollen hineinversetzen, um die bestmögliche Lösung zu finden“, schildert eine Teilnehmerin. „Aber die Millionärin musste Kompromisse eingehen.“

Berufsbild Musiktherapie kennenlernen

Erstmalig gab es an der THWS auch ein Angebot für den Boys’Day – Prof. Dr. Thomas Wosch von der Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften stellte das Berufsfeld Musiktherapie vor, das stark weiblich geprägt ist. Das war kein Hindernis für die 25 musikbegeisterten Jungen des ausgebuchten Workshops: „Ich finde Musik sehr spannend“, so Johannes auf die Frage, warum er sich zum Boys’Day angemeldet hatte. „Ich kenne den Job gar nicht und will wissen, was dahintersteckt“, so Till. Prof. Dr. Wosch erzählte zunächst von seinem eigenen Berufsweg: Er gestand, dass er bis zur 9. Klasse in die Fußstapfen seines Vaters treten und Schiffsbauingenieur werden wollte, „aber die Musiktherapie hat mich einfach fasziniert“. Aktuell gebe es in den sozialen Studiengängen der THWS einen deutlichen Überhang an weiblichen Studierenden, was sich auch im Fachbereich Musiktherapie zeige.

Nachdem die Anwendungsmöglichkeiten der Musiktherapie vorgestellt wurden, z. B. zur Therapie nach Schlaganfällen oder bei Depressionen, gab es einen praktischen Teil, bei dem die Jungen selbst Übungen an Musikinstrumenten machen durften. Was genau dabei ablief, bestimmten die eigenen musikalischen Vorlieben der Schüler. Danach wurden zwei THWS-Projekte aus dem Bereich Musiktherapie vorgestellt: HOMESIDE untersucht die Wirkung musiktherapeutischer und lesetherapeutischer Angebote für Menschen mit Demenz und ihre pflegenden Angehörigen. Im Projekt HIGH-M wird ein Analysetool entwickelt, das Autonomie in musiktherapeutischen Improvisationen untersucht. Abschließend erläuterte Prof. Dr. Wosch, die Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten. „Es freut mich sehr zu sehen, wie offen und neugierig die Schüler heute auf das Thema Musiktherapie reagiert haben. Musik kann Brücken bauen, gerade dort, wo Worte oft nicht ausreichen. Ich hoffe, dass ich einige der Jungen dafür begeistern konnten, diesen Berufsweg vielleicht selbst einzuschlagen.“ Die jungen Teilnehmer zeigten sich begeistert: „Durchweg interessant“, „voll verständlich“ und „die praktischen Übungen haben viel Spaß gemacht“ lauteten abschließende Kommentare.

Auch Prof. Dr. Gordana Krüger, stellvertretende Frauenbeauftragte der THWS, zog ein rundum positives Fazit: „Wir freuen uns sehr über die große Resonanz beim Girls’Day und beim Boys‘Day. Die hohe Beteiligung und das große Interesse an den spannenden Workshops haben gezeigt, wie wichtig und gewinnbringend diese Veranstaltung für die berufliche Orientierung ist.“

Über die THWS

Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) zählt zu den größten Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Bayern und steht seit ihrer Gründung im Jahr 1971 für hervorragende Lehre und angewandte Forschung. Mit rund 9.200 Studierenden, einem breit gefächerten Angebot von mehr als 60 Studiengängen sowie zwei Promotionszentren deckt die THWS ein weites Spektrum ab, das von Technik über Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Sprache bis hin zu Gestaltung reicht. Die THWS ist nicht nur regional in Franken und Bayern verwurzelt, sondern auch stark international ausgerichtet, was sich in zahlreichen Kooperationen und Austauschprogrammen weltweit und nicht zuletzt in einem vielseitigen englischsprachigen Studienangebot widerspiegelt.

Auf den Fotos:

Ganz ohne Öl und Schmiermittel: Beim Besuch des Akustiklabors der THWS lernten die Mädchen weniger bekannte Aspekte des Fachbereichs Maschinenbau kennen (Foto: THWS/Eva Kaupp)

Prof. Dr. Sonja Hofauer zeigte den Girls‘-Day-Teilnehmerinnen, wie sich Kamera und Computer – in diesem Fall einen Raspberry Pi – miteinander verbinden lassen (Foto: THWS/Eva Kaupp)

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