WÜRZBURG – Das Uniklinikum Würzburg wurde zum zweiten Mal als Cardiac Arrest Center (CAC) rezertifiziert. Dies bestätigt die am unterfränkischen Krankenhaus der Maximalversorgung gebotene, herausragende Qualität in der Nachsorge von Patientinnen und Patienten nach einem Herz-Kreislaufstillstand.
Wenn das Herz aufhört zu schlagen, zählt jede Sekunde. Der plötzliche Herz-Kreislaufstillstand – im Fachjargon „Cardiac Arrest“ – zählt zu den häufigsten Todesursachen in den Industrieländern. Allein in Deutschland sind jährlich über 70.000 Menschen betroffen. Ob jemand diese lebensbedrohliche Situation überlebt, hängt nicht nur von der schnellen Ersten Hilfe am Unfallort ab – entscheidend ist auch, ob die betroffene Person anschließend in einem spezialisierten Krankenhaus behandelt wird, das rund um die Uhr auf genau diesen Notfall vorbereitet ist.
Das Uniklinikum Würzburg (UKW) ist eines dieser spezialisierten Häuser – und das wurde jetzt erneut offiziell bestätigt: Nach der Zertifizierung 2019 und der ersten Rezertifizierung 2023 wurde das Großkrankenhaus vom Deutschen Rat für Wiederbelebung (GRC) und der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) im April 2026 ein weiteres Mal als Cardiac Arrest Center (CAC) ausgezeichnet.
Was ist ein Cardiac Arrest Center?
Ein CAC ist ein Krankenhaus, das strenge Qualitätskriterien erfüllt und damit nachweislich besonders gut auf die Versorgung von Menschen nach einem Herz-Kreislaufstillstand vorbereitet ist. Dazu gehören unter anderem eine speziell ausgestattete Notaufnahme mit Schockräumen, ein Herzkatheterlabor, das rund um die Uhr besetzt ist, sowie intensivmedizinische Behandlungsplätze – inklusive der Möglichkeit, im Notfall mit der sogenannten ECMO-Therapie Herz und Lunge maschinell zu unterstützen. Darüber hinaus sind festgelegte Behandlungsstandards und eine lückenlose Dokumentation aller Behandlungsverläufe vorgeschrieben.
Deutschlandweit gibt es derzeit knapp 140 zertifizierte CAC – eine verhältnismäßig kleine Zahl angesichts der Vielzahl an Krankenhäusern im Land. Für die Bevölkerung in Unterfranken bedeutet die Zertifizierung des UKW: In einem der dicht besiedelten Gebiete Bayerns steht ein Zentrum der Maximalversorgung zur Verfügung, das höchsten Qualitätsstandards in der Reanimationsversorgung gerecht wird.
Ein eingespieltes Team aus vielen Disziplinen
Die Behandlung nach einem Herz-Kreislaufstillstand ist keine Aufgabe für eine einzelne Fachabteilung. Am UKW arbeiten Expertinnen und Experten aus der Kardiologie, der Anästhesiologie, der Neurologie, der Chirurgie sowie der Radiologie und Neuroradiologie Hand in Hand. „Jede Minute zählt – deshalb müssen alle Beteiligten wissen, was zu tun ist, bevor die Patientin oder der Patient eintrifft“, erklärt Prof. Dr. Stefan Frantz, Direktor der Medizinischen Klinik I am UKW. Dieses abgestimmte Zusammenspiel ist das Ergebnis regelmäßiger gemeinsamer Fortbildungen, an denen auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Rettungs- und Notarztdienstes teilnehmen.
Neue Brücke zwischen Rettungswagen und Krankenhaus: IVENA
Eine der bedeutendsten Neuerungen seit der letzten Rezertifizierung im Jahr 2023 ist die Einbindung des digitalen Systems IVENA – kurz für „Interdisziplinärer Versorgungsnachweis“. Dabei handelt es sich um eine webbasierte Plattform, die Rettungsdienste, Leitstellen und Krankenhäuser in Echtzeit miteinander vernetzt. Sobald ein Rettungswagen bei einer Person mit möglichem Herzstillstand eingetroffen ist, übermittelt das System wichtige Informationen ans UKW: Eintreffzeit, erste Verdachtsdiagnose und Dringlichkeit der Behandlung. Das Krankenhaus kann sich so optimal vorbereiten. Wertvolle Minuten, die im schlimmsten Fall über Leben und Tod entscheiden. „IVENA schließt eine wichtige Lücke an der Schnittstelle zwischen dem Rettungsdienst draußen und unserem Team hier im Haus“, erläutert Dr. Daniel Röder, Leiter der Anästhesiologischen Intensivstation des UKW, und ergänzt: „Wir sind informiert, bevor die betroffene Person bei uns ankommt – das macht unsere Reaktion schneller und gezielter.“
Frühwarnsystem für gefährdete Patienten auf den Stationen
Auch innerhalb des Krankenhauses können Patientinnen und Patienten plötzlich in einen lebensbedrohlichen Zustand geraten. Das UKW hat deshalb ein klinikeigenes Frühwarnsystem etabliert, das drohende Notfälle auf den Bettstationen frühzeitig erkennt. Dabei werden bestimmte Messwerte – wie Herzfrequenz, Blutdruck und Atemfrequenz – systematisch gemessen und bewertet. Verändern sich diese Werte in eine besorgniserregende Richtung, schlägt das System Alarm, bevor es zu einem Kreislaufstillstand kommt. Das gibt dem medizinischen Personal die Möglichkeit, frühzeitig einzugreifen und einen Notfall im besten Fall ganz zu verhindern.
Systematische Auswertung jedes Notfalleinsatzes
Ebenfalls neu eingeführt wurde eine systematische Erfassung und Auswertung aller innerklinischen Notfalleinsätze. Jeder Einsatz innerhalb des UKW wird detailliert dokumentiert und kann im Anschluss gemeinsam analysiert werden. Dieses strukturierte Vorgehen ermöglicht es, Stärken zu erkennen, aber auch Abläufe zu identifizieren, die weiter verbessert werden können. „Wir lernen aus jedem einzelnen Fall“, erklärt Prof. Dr. Anna Frey, Leiterin der Medizinischen Intensivstation des UKW, und fährt fort: „Nur wer seine eigenen Abläufe konsequent hinterfragt, kann die Versorgung langfristig verbessern.“
Vertrauen, das durch Leistung entsteht
Für die Prüfung im Rahmen der Rezertifizierung kamen externe Fachgutachter ans UKW, um in einem mehrstündigen Audit alle Strukturen, Abläufe und Qualitätsnachweise des CAC zu prüfen. Das positive Ergebnis bestätigt: Das UKW erfüllt alle Voraussetzungen für eine bestmögliche Versorgung von Menschen nach einem Herzstillstand. „Für die Menschen in Würzburg und der gesamten Region Unterfranken ist dieses Zertifikat ein verlässliches Zeichen: Im Ernstfall sind sie bei uns in den besten Händen“, betont Prof. Dr. Patrick Meybohm, Direktor der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie.
Text: Pressestelle / UKW
Bild © Daniel Peter / UKW
Nach einem plötzlichen Herz-Kreislaufstillstand ist neben einer erfolgreich durchgeführten Reanimation für die Überlebenschancen der Betroffenen eine Weiterbehandlung in einer spezialisierten Klinik von zentraler Bedeutung.

