Vortrag mit Buchpräsentation im Museum Obere Saline: Historiker Berhard Graf stellt Sisis Familie vor

Vortrag mit Buchpräsentation im Museum Obere Saline: Historiker Berhard Graf stellt Sisis Familie vor

BAD KISSINGEN – Im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung „König Ludwig II. und Bad Kissingen. Kaiserkur & Frankenfahrt“ findet am 29. April um 19 Uhr ein Vortrag mit Dr. Bernhard Graf im Museum Obere Saline statt.

Durch seine mehr als hundert kulturgeschichtlichen Dokumentarfilme sowie seine Sachbücher und Biografien ist Dr. Bernhard Graf (64) international als herausragender Kenner der Wittelsbacher Herzogs- und Königsfamilie bekannt. Bereits im vergangenen Jahr stellte der promovierte Historiker und Kunstwissenschaftler in Bad Kissingen seine Biografie „Kurfürst Carl Theodor von Pfalz-Bayern.

Musiker, Mäzen und Reformer“ vor. Jetzt kommt er ein weiteres Mal in die Kurstadt und spricht im Museum Obere Saline über die berühmte Familie der Wittelsbacher Prinzessin und österreichischen Kaiserin Elisabeth. Deren einzelne Lebensläufe schildert er in seinem 2025 veröffentlichten, großformatigen und farbig reich bebilderten Band „Sisis Familie. Herzoginnen und Herzöge in Bayern“ auf 470 Seiten in aller Ausführlichkeit.

Es gibt wohl niemanden, der die Filmklassiker aus den 1950er-Jahren über Kaiserin Sisi nicht kennt, die noch nach Jahrzehnten immer wieder im Fernsehen gebracht werden. Zudem gab es gerade in neuerer Zeit weitere Filme um Sisi und ihre Familie. Doch gleichen die inszenierten Wohnwelten der Monarchin und ihr Verhältnis zur Stammfamilie der historischen Realität? Orientierten sich die Filmemacher hinsichtlich der Ausstattung, Kostümierung, Hofzeremonie und Verhaltensweisen an den Gepflogenheiten der Wittelsbacher im 19. Jahrhundert? Entsprechen die Charaktere der Protagonisten tatsächlich ihrem historischen Vorbild?

„In der Realität sah das stets im Wandel begriffene, intensive Verhältnis der Kaiserin Elisabeth zu ihren Vorfahren, Eltern, Geschwistern und deren Nachfahren ganz anders aus“, behauptet Wittelsbacher-Kenner Bernhard Graf und beweist dies anhand zahlreicher Originaltexte aus Briefen, Erinnerungen, Tagebüchern, Hofchroniken und anhand eines umfangreichen, zeitgenössischen und teilweise noch nie veröffentlichten Bildmaterials aus Privatarchiven. So lässt er Sisis Vorfahren, Eltern, Geschwister, Neffen und Nichten in seinem neuen Buch, dessen Quellen-, Literatur- und Bildnachweise allein fast 70 Seiten umfassen, wieder lebendig werden.

„Jeder von uns hat erfahren, wie sehr die eigene Stammfamilie unser Leben prägte und noch beeinflusst. Deshalb entschied ich mich, in meinem Buch die allgemein wenig bekannte Geschichte der Herkunftsfamilie der österreichischen Kaiserin Elisabeth in den Fokus zu stellen“, schrieb Autor Bernhard Graf zur Einstimmung auf seinen Vortrag am 29. April. „Zahlreiche persönliche Quellentexte und zeitgenössisches Bildmaterial sollen einen unverstellten, authentischen Zugang zu den nahestehenden Verwandten der Monarchin ermöglichen.“

Dadurch werde auch offensichtlich, „wie abwertend, bisweilen abwegig und manchmal sogar abstrus“ vor allem die neuen Sisi-Filme inszeniert wurden, entrüstet sich Graf: „Keineswegs hört doch mit dem Tod das Persönlichkeitsrecht jedes Protagonisten auf!“ In seinem Buch stellt er deshalb durch Nachweis historischer Fakten dieses Recht auf Persönlichkeitswahrung wieder her.

Sein Buch sei zu umfangreich, „weshalb ich in meinem Vortrag in Bad Kissingen nur einzelne Persönlichkeiten herausgreifen kann. Ich werde zu allen fünf Generationen jeweils das Familienoberhaupt vorstellen.“ Beginnen wird er mit Sisis Urgroßvater, dem um eine souveräne Herrschaft ringenden Pfalzgraf Wilhelm von Pfalz-Birkenfeld zu Gelnhausen (1752 bis 1837).

Ihm wurde im Februar 1799 von seinem Schwager Maximilian Joseph, Kurfürst zu Pfalzbayern und ab 1806 erster König von Bayern, der neu geschaffene und vererbbare Titel eines Herzogs in Bayern verliehen. Ihm folgen Sisis Großvater, der „cholerische Misanthrop“ Herzog Pius August (1786 bis 1837) sowie Sisis Vater, das „Universaltalent“ Herzog Maximilian (1808 bis 1888), im Volksmund auch als „Zither-Maxl“ bekannt.

Schließlich wird Graf über den Mediziner Herzog Carl Theodor (1839 bis 1909) als „Doktor der Armen“ erzählen als herausragendes Beispiel sozialer Verantwortung, die manche Wittelsbacher übernahmen, sowie über den passionierten Waidmann und Pianisten Ludwig Wilhelm Herzog in Bayern (1884 bis 1968). In seinem Vortrag wird Bernhard Graf außerdem deutlich machen, dass die Familie der Herzöge in Bayern weit mehr war als nur Kaiserin Sisis Hintergrundkulisse: Sie war selbst Teil europäischer Geschichte, wofür Sisis Schwester Marie Sophie als Königin beider Sizilien oder Sisis Nichte Elisabeth Gabriele als Königin von Belgien beste Beispiele sind.

Im Anschluss an den Vortrag besteht die Möglichkeit mit Dr. Bernhard Graf und Museumsleiterin Annette Späth ins Gespräch zu kommen. Im Foyer gibt es Bewirtung und die Ausstellung kann besichtigt (Museumseintritt) werden. Die aktuelle Sonderausstellung „König Ludwig II. und Bad Kissingen. Kaiserkur & Frankenfahrt“ gibt mit neuen Forschungsergebnissen und detaillierten Recherchen zu den Kissinger Aufenthalten Ludwigs II. spannende Einblicke in das Leben des jungen Königs und seine Beziehung zu Bad Kissingen.

Text: Sigismund von Dobschütz

Veranstaltungshinweis: Dr. Bernhard Graf: „Sisis Familie“, Vortrag über die Geschichte der Herzoginnen und Herzöge in Bayern, Mittwoch, 29. April, 19 Uhr, Museum Obere Saline, 97688 Bad Kissingen-Hausen; Eintritt frei,

Informationen zum Buch: Bernhard Graf: „Sisis Familie. Herzoginnen und Herzöge in Bayern“, Allitera Verlag, gebunden, 472 Seiten, Preis: 39,90 Euro, ISBN 978-3962334727

Auf den Fotos:

Kaiserin Sisis Geschwister auf der Veranda von Schloss Possenhofen mit (von links) Sophie Charlotte, Max Emanuel, Carl Theodor, Helene, Ludwig Wilhelm, Mathilde und Marie Sophie; Ölgemälde von Fritz Steinmetz-Noris (1892)
Repro: Sigismund von Dobschütz

Autor Dr. Bernhard Graf im Mai 2025 in Bad Kissingen
Archiv/Sigismund von Dobschütz

Blick in die Ausstellung König Ludwig II. und Bad Kissingen. Kaiserkur & Frankenfahrt
Heinrich Hacker

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