MAINFRANKEN – Vor der eigenen Haustür treffen Welten aufeinander: Es gibt 25 Einkommensmillionäre in Schweinfurt. Gleichzeitig haben 54.000 Menschen einen Job – sie arbeiten vor allem im Handwerk, in der Industrie und in der Dienstleistung, um ihr Geld zu verdienen.
Damit kommen in Schweinfurt 2.161 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte auf einen Menschen, der ein Einkommen von mindestens einer Million Euro pro Jahr hat. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Schweinfurt hingewiesen. Die NGG Unterfranken beruft sich dabei auf Zahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik und der Arbeitsagentur.
„So sieht das Gefälle zwischen Normal- und Spitzenverdienern in Schweinfurt aus. Die einen krempeln die Ärmel hoch, um über die Runden zu kommen. Die anderen verdienen ihr Geld überwiegend an der Börse und mit Unternehmensgewinnen“, sagt Ibo Ocak. Der Geschäftsführer der NGG Unterfranken warnt dabei „vor einer zunehmenden sozialen Schieflage in Schweinfurt“. Die Gesellschaft gerate immer mehr aus den Fugen.
„Es geht nicht darum, dass die einen mehr Geld haben als die anderen. Es geht darum, dass wenige im ‚Gold-Statuslevel‘ leben. Und dass immer mehr trotz eines Vollzeitjobs darum kämpfen, genug Geld für Miete, Sprit und Lebensmittel zusammenzubekommen. Von denen, die keine Arbeit haben oder mit Armut im Alter klarkommen müssen, ganz zu schweigen. Das gefährdet am Ende sogar die Demokratie“, sagt Ibo Ocak.
Der Gewerkschafter appelliert jetzt an die Bundestagsabgeordneten von CSU und SPD aus Schweinfurt und der Region, beim anstehenden Reformpaket der Regierungskoalition „sozialen Kurs zu halten“. Ibo Ocak: „Es geht darum, Menschen, die Tag für Tag arbeiten, nicht noch weiter abzuhängen. Denn sie sind die breite Mehrheit und tragen die Hauptlast: Lohn- und Mehrwertsteuer drücken enorm.“ Erbschaften und Vermögen würden dagegen nur 1,1 Prozent des gesamten Steueraufkommens bringen.
Auf keinen Fall dürfe Arbeit stärker besteuert werden als Kapitaleinkommen – also Zinsen, Dividenden von Aktien oder Kursgewinne beim Verkauf von Wertpapieren. Denn dafür falle meistens pauschal nur eine Abgeltungsteuer von 25 Prozent an. Gerechte Steuern und eine faire Vermögensverteilung seien das A und O der Reformen, die der Bund jetzt anschieben müsse. „Ein Durchschnittspaar zahlt immerhin 43 Prozent Steuern und Abgaben“, sagt Ocak. Das müsse Schwarz-Rot jetzt ändern.
Die heimischen Bundestagsabgeordneten von CSU und SPD müssten jetzt dafür sorgen, dass „die anstehenden Reformen der Bundesregierung bei Steuern, Rente, Gesundheit & Co. die Kluft zwischen Arm und Reich überwinden und nicht noch größer machen“. Dabei dürften eine Vermögenssteuer und ein höherer Spitzensteuersatz keine Tabus sein. Außerdem fordert die NGG Unterfranken Schwarz-Rot auf, „den Mut zu haben, das Ehegattensplitting abzuschaffen“. Es mache Jobs für Frauen oft unattraktiv und fördere damit überkommene Rollenbilder.
Im Landkreis Schweinfurt gibt es 34 Einkommensmillionäre und 27.400 Menschen mit einem Job. Auf 804 Beschäftigte kommt 1 Einkommensmillionär. Im Landkreis Rhön-Grabfeld sind es 29 Millionäre, 32.500 Menschen und somit auf 1.121 Beschäftigte ein ganz reicher Mensch. Im Landkreis Haßberge kommen auf 1.009 Beschäftigte der 27.200 Arbeitenden einer der 27 Einkommensmillionäre.
In Städten und Landkreisen wie Würzburg, Kitzingen, Bad Kissingen, Aschaffenburg oder Main-Spessart gibt es anscheinend keine Einkomensmillonäre, jedenfalls meldet die Gewerkschaft NGG Unterfranken hier keine Zahlen.
Auf dem Bild: Die einen müssen jeden Euro zweimal umdrehen. Die anderen haben Millionen davon: Wer wie viel Geld hat, ist in Schweinfurt ziemlich unterschiedlich. – „Zu unterschiedlich“, sagt die Gewerkschaft NGG Unterfranken. Die heimischen Bundestagsabgeordneten von CSU und SPD sollen jetzt dafür sorgen, dass „die anstehenden Reformen der Bundesregierung bei Steuern, Rente, Gesundheit & Co. die Kluft zwischen Arm und Reich überwinden und nicht noch größer machen“, so die NGG.
Foto: NGG | Nils Hillebrand

